Skip to main content
main-content

11.11.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Gemeinschaft macht stark

Gesunder Lebensstil: Verbesserung in der Gruppe

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Gemeinschaft macht stark – unter diesem Motto hat eine Gruppe spanischer und amerikanischer Kardiologen unter der Leitung von Professor Valentin Fuster, Direktor des Mount Sinai Heart and Physician- Hospital in New York und Herausgeber des „Journal of American College of Cardiology“, den Einfluss einer Gruppentherapie auf einen gesunden Lebensstil und die konsekutive Verbesserung kardiovaskulärer Risikofaktoren untersucht.

Die Gruppentherapie ist insbesondere in der Suchtmedizin ein erfolgreiches und etabliertes Verfahren zur Aufrechterhaltung bestimmter Verhaltensweisen wie z.B. Alkoholabstinenz. Der Frage, ob eine Art Gruppentherapie auch eine gesunde Lebensweise bei Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko fördern kann, sind die Autoren an einer Gruppe aus 543 Erwachsenen in Spanien und Grenada nachgegangen.

Die Studienteilnehmer hatten zumindest einen der folgenden Risikofaktoren: Arterielle Hypertonie (20%), Übergewicht (82%), Nikotinkonsum (31%) oder Bewegungsmangel (81%). Die Teilnehmer wurden 1:1 randomisiert in eine Gruppentherapie oder Selbstmanagement-Kontrollgruppe zugeordnet.

Während der dreimonatigen Startphase wurden alle Teilnehmer gemeinsam in speziellen Motivationstrainings an einen gesunden Lebensstil herangeführt. Besondere Schwerpunkte waren dabei: Verbesserung des Stress-Managements, Beendigung des Rauchens, eine gesunde Diät, regelmäßige sportliche Aktivitäten und Blutdruck-Eigenkontrollen. Nach dieser gemeinsamen Lernphase wurden 277 Teilnehmer der Gruppentherapie und 266 der Selbstmanagement-Kontrollgruppe zugeordnet. Während der folgenden zwölf Monate wurden in der Interventionsgruppe monatliche Gruppensitzungen abgehalten, in denen durch Rollenspiele, Gespräche und andere Motivationsaktivitäten eine gesunde Lebensweise propagiert wurde. 

Das primäre Studienziel war die Verbesserung von Risikofaktoren, gemessen in dem neu entwickelten sogenannten Fuster-BEWAT-Score, in dem der Blutdruck, die körperliche Aktivität, das Gewicht, die Ernährung und der Nikotinkonsum eingeht.

Am Ende der dreimonatigen Trainingsphase zeigten 71% aller Teilnehmer eine Verbesserung ihres Fuster-BEWAT-Scores. Nach einem Jahr trennten sich jedoch die Kurven der beiden Gruppen, mit einem signifikant bessern BEWAK-Score in der Interventionsgruppe, was für einen gesünderen Lebensstil auch noch nach einen Jahr in Hinblick auf die genannten Risikofaktoren spricht.

Besonders ausgeprägt war der Erfolg der Gruppentherapie für die Nikotinkarenz (39% vs. 20%) und die Steigerung der körperlichen Aktivität (46% Steigerung in der Interventionsgruppe). Interessanterweise waren 71% der Teilnehmer weiblich. Eine Tatsache die erneut untermauert, dass es leichter ist, Frauen zu einer Lebensstilveränderung zu bewegen als Männer.

Fuster schlussfolgert, dass durch ein Gruppentherapie-basiertes Lebensstil-Management-Programm eine Verbesserung kardiovaskulärer Risikofaktoren erreicht werden kann und, falls sich dieses im größeren Stil durchsetzen ließe, positive Effekte auf die kardiovaskuläre Gesundheit erreicht werden könnten. 


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Stefan Perings ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK)und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

23.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Bewegungsarmut auch im Alter ein Risikofaktor

26.01.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Wer dauernd sitzt, dem hilft auch Sport nur bedingt

Bildnachweise