Skip to main content
main-content

09.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Arterielle Hypertonie

Große Metaanalyse bestätigt: Wer nicht dippt, lebt gefährlich

Autor:
Philipp Grätzel

Nicht ganz neu, aber jetzt mit über 17.000 Datensätzen hinterlegt: Bluthochdruckpatienten, deren Blutdruck nachts ansteigt, haben ein deutlich höheres kardiovaskuläres Risiko. Wer nur ein wenig dippt, hat ebenfalls mehr kardiovaskuläre Ereignisse.

In einzelnen, meist kleineren Studien mit 24-Stunden-Blutdruckmessung wurde immer wieder gezeigt, dass ein fehlender nächtlicher Blutdruckabfall („Dipping“) bei Patienten mit arterieller Hypertonie mit einer schlechteren kardiovaskulären Prognose assoziiert ist. Unter italienischer Führung hat das internationale Konsortium „Ambulatory Blood Pressure Collaboration in Patients With Hypertension (ABC-H)“ jetzt zahlreiche klinische Studien mit insgesamt 17.312 Patienten, bei denen ein 24-Stunden-Blutdruckmonitoring erfolgt war, für eine neue Metaanalyse ausgewertet.

Damit sei diese Metaanalyse vier- bis fünfmal größer als die letzten beiden Metaanalysen zu dieser Thematik, so die Autoren. Sie bildeten anhand des mittleren Nacht-zu-Tag-Verhältnis des systolischen Blutdrucks (SBP-NDR) vier Gruppen, die extremen Dipper (SBP-NDR ≤ 0,8), die normalen Dipper (SBP-NDR > 0,8 und ≤ 0,9), die reduzierten Dipper (SBP-NDR > 0,9 und ≤ 1,0) und die umgekehrten Dipper, bei denen der Blutdruck nachts zunimmt (SBP-NDR > 1,0).

Ereignisraten um bis zu 89 % höher

Es zeigte sich erwartungsgemäß und im Einklang mit vielen Einzelstudien, dass umgekehrte Dipper ein stark erhöhtes Risiko für sämtliche untersuchten kardiovaskulären Endpunkte aufwiesen, konkret Koronarereignisse, Schlaganfälle, kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität. Die Ereignisrate lag dabei je nach Endpunkt zwischen 57 und 89% höher als bei normalen Dippern.

Auch reduzierte Dipper hatten noch ein um 27 % und damit statistisch signifikant erhöhtes Risiko für den gemeinsamen kardiovaskulären Endpunkt. Dies war in einer zuvor veröffentlichten, deutlich kleineren Metaanalyse aus Belgien nicht gefunden worden, sodass bei dieser Gruppe bisher noch gewisse Zweifel hinsichtlich der kardiovaskulären Prognose bestanden. Die neue Metaanalyse deutet jetzt klar darauf hin, dass auch bei den reduzierten Dippern das kardiovaskuläre Risiko steigt, wenngleich bei der Analyse der Einzelereignisse das Signifikanzniveau nicht mehr erreicht wurde.

Extremes Dipping nur partiell protektiv

Interessant. weil differenziert, fallen die Ergebnisse in der Gruppe der extremen Dipper aus. Hier wurde in der Vergangenheit oft die These vertreten, dass dieses Blutdruckverhalten protektiv sein könnte. Die ABC-H-Metaanalyse stützt diese These nur teilweise.

Tatsächlich fand sich ein um nicht signifikante 28 % niedrigeres kardiovaskuläres Ereignisrisiko, allerdings nur bei Patienten, die antihypertensiv behandelt waren. Bei unbehandelten Patienten war das Risiko dagegen ähnlich stark erhöht wie bei den umgekehrten Dippern, wobei die Autoren darauf hinweisen, dass die Ergebnisse bei den extremen Dippern anders als bei umgekehrten Dippern sehr heterogen sind. Auch sind die Patientenzahlen in dieser Untergruppe nur klein.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

01.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Helfen regelmäßige Blutspenden bei arterieller Hypertonie?

05.01.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Wie wichtig ist das Blutdruckziel?