Onlineartikel 10.04.2015

Hämodynamische Akuteffekte der MitraClip-Implantation

Die hämodynamischen Effekte einer MitraClip-Implantation sind bisher nur vereinzelt beschrieben. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die hämodynamischen Veränderungen von Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz besser zu verstehen.

Seit September 2009 wurden weit über 500 Patienten in unserer Klinik mit dem MitraClip-Verfahren behandelt. Die intraprozeduralen Hämodynamikmessungen erfolgten mittels Swan-Ganz-Katheterisierung und Thermodilutionsverfahren direkt vor und nach der Clip-Implantation. Die linksatrialen Druckmessungen erfolgten direkt nach transseptaler Passage durch eine verwendete SL1-Schleuse, Standard-Pigtail-Katheter oder das Clip-Device-System an sich. Die Messungen erfolgten direkt vor und direkt nach der Implantation des MitraClips (bei Verwendung mehrerer Clips nach der Implantation des finalen MitraClips).

Die systolischen pulmonal arteriellen Druckwerte stiegen leicht von 39,6 ± 12,1 mmHg auf 42,1 ± 11,9 mmHg (p < 0,05) an. Das mittels Thermodilutionsverfahren gemessene Herzzeitvolumen stieg von 3,9 ± 1,2 l/min auf 4,9 ± 1,5 l/min (p < 0,001) direkt postprozedural an. Durchschnittlich wurden 1,4 MitraClips pro Patient verwendet.

Reduktion des linksatrialen Drucks

Der mittlere linksatriale Druck fiel signifikant von 15,4 ± 6,3 mmHg auf 12,7 ± 6,0 mmHg ab (p < 0,001). Die v-Welle reduzierte sich ebenfalls signifikant von 26,5 ± 11,9 mmHg auf 19,5 ± 9,51 mmHg (p < 0,001). Betrachtet man nun die Reduktion der v-Welle in Relation zur Reduktion der Mitralklappeninsuffizienz (MI) zeigte sich keine statistische Signifikanz in den einzelnen Gruppen, wobei hier die Höhe der v-Wellen-Reduktion unabhängig von der Höhe der Reduktion der MI war. Die Reduktion der v-Welle bei Patienten mit einer akuten Reduktion der MI um drei Grade war statistisch nicht unterschiedlich zu denen ohne Reduktion der MI. Zusätzlich zeigte sich hier kein statistisch erfassbarer Unterschied hinsichtlich der Genese der MI. Die Reduktion der v-Welle im Verhältnis zur Reduktion der MI bei Patienten mit funktioneller MI war statistisch nicht unterschiedlich zu denen mit einer organischen MI. Insgesamt zeigte sich die Reduktion der v-Welle bei Patienten mit organischer MI jedoch höher als bei Patienten mit funktioneller MI (p < 0,05).

Der echokardiografisch ermittelte Grad der MI vor und nach Behandlung zeigte sich stabil und signifikant reduziert. Die MI reduzierte sich von 3,1 ± 0,3 vor der MitraClip-Prozedur auf 1,1 ± 0,6 direkt nach der Prozedur und 1,8 ± 0,7 nach sechs Monaten (p < 0,001). Dieses Resultat zeigte sich auch nach einem Jahr stabil, wobei die Anzahl der Patienten „lost to follow-up“ hoch war.

Fazit

Das MitraClip-Verfahren hat sich als ein sicherer und effektiver Therapieansatz bei Patienten erwiesen, für die ein konventionell chirurgischer Ansatz als zu riskant erachtet wurde. Wir konnten zeigen, dass dieses Verfahren das Herzzeitvolumen um bis zu 25% steigern kann, wobei gleichzeitig eine signifikante Reduktion des linksatrialen Drucks und der v-Welle zu beobachten waren. Zusätzlich konnten wir zeigen, dass die v-Wellen-Reduktion unabhängig von der gleichzeitig erzielten Reduktion der MI ist. Dieses gilt auch für den Vergleich nach Genese der MI. Insgesamt zeigt sich jedoch eine signifikant höhere Akutreduktion der v-Welle bei Patienten mit degenerativer MI im Vergleich zu Patienten mit funktioneller MI.

Literatur

81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vom 8.–11. April 2015 in Mannheim

Vortragstitel: Hemodynamic effects of the MitraClip® System. Focus on v-wave and acute reduction of mitral regurgitation (MR). Analyzing 266 consecutive patients (V1198)