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06.06.2019 | Heart Failure 2019 | Nachrichten

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz

Direkte Druckmessung im linken Vorhof: Erste Patienten erhalten neues LAP-Implantat

Autor:
Philipp Grätzel

Eine dauerhafte Druckmessung im linken Vorhof könnte bei Herzinsuffizienz sowohl in der diagnostischen Abklärung als auch in der Therapiesteuerung helfen. Jetzt wurde bei zwei Patienten erstmals ein neues, drahtloses Implantat eingesetzt.

Ein minimalinvasives, hämodynamisches Monitoring kann bei einigen Patienten mit Herzinsuffizienz die Behandlung optimieren und Komplikationen vermeiden helfen. Das bekannteste Beispiel ist das auch in Deutschland gebräuchliche CardioMEMS-Implantat, das in der randomisierten CHAMPIONS-Studie Krankenhauseinweisungen um ein Drittel reduzierte und auch in einem laufenden Register positive klinische Effekte zeigt.

Das CardioMEMS Implantat von Abbott wird über einen V. femoralis-Zugang in der Pulmonalarterie platziert und misst entsprechend den pulmonalarteriellen Druck. Der erlaubt aber nur indirekte Rückschlüsse über die hämodynamische Situation im linken Herzen.

Bei manchen Patienten könnte eine direkte Messung des Drucks im linken Vorhof mehr Klarheit über die kardiale Hämodynamik verschaffen. Vor einigen Jahren wurde in der LAPTOP-HF-Studie ein Implantat namens HeartPOD (damals St. Jude) evaluiert, das genau das leistete. Die Studie wurde aber wegen Komplikationen im Zusammenhang mit der Implantation abgebrochen.

Jetzt wurde bei der Heart Failure Tagung der European Society of Cardiology (ESC)  in Athen über einen neuen Anlauf berichtet. Prof. William Abraham von der Ohio State University in den USA informierte über die ersten beiden Patienten der seit Anfang des Jahres rekrutierenden VECTOR-HF-Studie.

Erster Patient wurde in Frankfurt behandelt

Die auf CE-Zulassung zielende, EU-geförderte Studie, die an acht Zentren in Deutschland, Italien, Großbritannien und Israel stattfindet, untersucht bei angestrebt 30 Patienten mit Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III, einer EF > 15% und entweder Dekompensationsanamnese oder erhöhten BNP/NT-proBNP-Werten ein Implantat namens V-LAP des Unternehmen Vectorious Medical Technologies. Der erste Patient wurde im Januar 2019 am CardioVasculären Centrum Frankfurt behandelt.

Für die Implantation über einen venösen Zugang ist eine transseptale Punktion erforderlich. Das Implantat wird dann am Vorhofseptum befestigt, ähnlich wie Implantate für einen Verschluss von Vorhofseptumdefekten. Die Gesamtdauer der Prozedur gab Abraham in Athen mit weniger als einer Stunde an, die Platzierung des Sensors dauerte sechs Minuten. Es handelt sich um einen draht- und batterielosen Sensor, für den eine Art Brustgurt getragen werden muss, der sowohl die nötige Energie über Induktion bereitstellt als auch die Daten ausliest und sie an ein Cloud-System überträgt.

Brustgurt für Messungen angelegt

Je nach Fragestellung können die Messungen des intraarteriellen Drucks (LAP) individuell ausgestaltet werden. Der Gurt wird also nicht ununterbrochen getragen, sondern für die Messungen angelegt. Auf Seiten des Arztes gibt es eine Entscheidungsunterstützungssoftware, die mit Hilfe von Maschinenlernalgorithmen die Messdaten so aufbereitet, dass der Kardiologe etwas damit anfangen kann.

Der erste Patient aus Frankfurt war ein 52-jähriger Mann mit nicht-ischämischer Kardiomyopathie, der wiederholt wegen Dekompensationen stationär aufgenommen werden musste. Bei diesem Patienten zeigte sich im Rahmen der mehrmonatigen Messperiode ein im Mittel erhöhter LAP, der aber von Tag zu Tag stark variierte. Die Ärzte schlossen daraus, dass die Probleme des Patienten möglicherweise eher auf vaskuläre Faktoren als auf eine Volumenüberladung zurückgehen und begannen mit der Auftitrierung einer vasodilatierenden Therapie. Was zudem in nächtlichen Messungen auffiel, war eine starke Atemabhängigkeit des LAP. Das lenkte den Verdacht auf eine obstruktive Schlafapnoe, die einer Schlaflaboruntersuchung dann auch bestätigt wurde.

Gute Erfahrungen bei den ersten beiden Patienten

Der zweite Patient, bei dem das Implantat an der Careggi Universität in Florenz eingesetzt wurde, war 71 Jahre alt und ICD-Träger bei ischämischer Kardiomyopathie. Auch er wurde immer wieder wegen Dekompensationen hospitalisiert. Bei ihm stellte sich die Situation aber etwas anders dar. Die LAP-Werte waren nicht so stark erhöht, und sie variierten auch deutlich weniger. Es fiel allerdings ein leichter Anstieg im Laufe der Zeit auf, den die Ärzte als beginnende Flüssigkeitsretention interpretierten. Bei diesem Patienten wurde die Diuretikadosis erhöht.

Insgesamt zeigten die Erfahrungen mit den ersten beiden Patienten, dass sich der neue Sensor gut implantieren lasse und dass die Interaktion mit der externen Elektronik funktioniere. Die täglichen Messungen würden von den beiden Patienten sehr zuverlässig umgesetzt. Die resultierenden Druckkurven seien von hoher Qualität und gestatteten es auch, Komorbiditäten wie Schlafapnoe, Vorhofflimmern und Mitralinsuffizienz zu erkennen.

Literatur