Nachrichten 12.06.2019

Erhöht In-vitro-Fertilisation das Risiko für schwangerschaftsbedingte Herzerkrankungen?

Eine schwangerschaftsbedingte Herzschwäche tritt selten auf, kann aber lebensbedrohlich sein. Bei Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, ist das Risiko dafür fünfmal höher. Darauf weist eine neue Studie hin, die beim Heart Failure Kongress 2019 präsentiert wurde.

Eine sogenannte postpartale Kardiomyopathie (PPCM) kann in den letzten Schwangerschaftswochen oder bis zu sechs Monate nach der Entbindung auftreten. Sie zeigt sich durch Symptome, die mitunter nicht leicht von normalen Schwangerschaftsbeschwerden zu unterscheiden sind, wie etwa Müdigkeit, Kurzatmigkeit, geschwollene Beine oder nächtliches Aufwachen zum Wasserlassen. Bei PPCM vergrößert sich das Herz, wodurch die Pumpleistung abnimmt. Die Erkrankung kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein und betrifft etwa eine von 1000 schwangeren Frauen.

Kardiologische Untersuchung bei künstlicher Befruchtung

Die Forscher um Prof. Denise Hilfiker-Kleiner von der Medizinischen Hochschule Hannover stellten fest, dass bei Frauen, die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterzogen hatten, das Risiko für PPCM fünfmal höher war. „Gynäkologen und Fruchtbarkeitsmediziner sollten Frauen, die durch künstliche Befruchtung schwanger geworden sind, Herzuntersuchungen einschließlich Echokardiographie nach der Entbindung oder kurz zuvor empfehlen, um PPCM auszuschließen", sagte Hilfiker-Kleiner in einer Pressemitteilung der ESC (European Society of Cardiology). Denn entscheidend für eine erfolgsversprechende Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose.

Die Forscher vermuten, dass gemeinsame Risikofaktoren der Grund sind, dass künstlich befruchtete Frauen öfter an PPCM erkranken. „Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, sind normalerweise älter und entbinden häufiger per Kaiserschnitt, sodass sie bereits zwei Risikofaktoren für PPCM besitzen“, so Hilfiker-Kleiner. Fruchtbarkeitsbehandlungen führen oft zu Mehrlingsschwangerschaften, was auch die Wahrscheinlichkeit von PPCM erhöhe.

Genetische Veränderungen als möglicher Grund

Auch genetische Veränderungen sind nach Ansicht der Forscher eine mögliche Ursache, aber das werde noch untersucht. Bisher gebe es noch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass die hormonelle Behandlung, die normalerweise Teil einer Fruchtbarkeitstherapie ist, das Risiko für PPCM erhöhe.

Die Studie ergab zudem hohe Subfertilitätsraten bei PPCM-Patienten. Ein Drittel hatte trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs über mindestens sechs Monate Schwierigkeiten schwanger zu werden, während das in der restlichen deutschen Bevölkerung nur 20% der Frauen betraf. Entsprechend unterzogen sich die PPCM-Patientinnen häufiger künstlicher Befruchtung. Damit sei keine schlechtere Prognose für den weiteren Verlauf von PPCM verbunden, so die Autoren. Schwangerschaften nach der Erkrankung wiesen allerdings grundsätzlich ein hohes Risiko für einen Rückfall auf.

Literatur

Hilfiker-Kleiner D et al. Patients with peripartum cardiomyopathy display a high incidence of subfertility and fertility treatments. Vorgestellt beim Kongress Heart Failure 2019 der European Society of Cardiology (ESC), 25. – 28. Mai 2019, Athen

ESC-Pressemitteilung: In vitro fertilisation linked to deadly heart disease in pregnancy. 25.5.2019.