Skip to main content
main-content

24.06.2019 | Heart Failure 2019 | Nachrichten

Integrierte Versorgung

PHARM-CHF-Studie: Ärzte und Apotheker sind ein gutes Team

Autor:
Philipp Grätzel

Wie lässt sich die Therapietreue bei Herzinsuffizienzpatienten verbessern? Die randomisierte PHARM-CHF-Studie liefert starke Argumente für eine enge Kooperation von Kardiologen/Hausärzten einerseits und Apothekern andererseits.

Klinische Studien und systematische Übersichtsarbeiten zeigen es immer wieder. Rund ein Drittel bis die Hälfte aller Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen nehmen ihre Medikamente nicht wie vorgesehen sein. Schlechtere Therapietreue korreliere unter anderem mit geringerer Lebensqualität, erhöhter Morbidität und auch erhöhter Sterblichkeit, sagte Prof. Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker, bei der Tagung Heart Failure 2019 in Athen.

Schulz berichtete in Athen von einem ganz neuen Ansatz, die Therapietreue speziell bei Patienten mit Herzinsuffizienz, die häufig eine sehr große Zahl an Medikamenten einnehmen müssen, zu verbessern. Konkret geht es um ein kooperatives Versorgungsszenario, bei dem Apotheker mit Kardiologen bzw. mit Herzpatienten versorgenden Hausärzten zusammenarbeiten. Genau ein solches Konzept wurde in der randomisierten PHARM-CHF-Studie evaluiert, für die die deutschen Apotheker mit der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig kooperierten.

Design und Ergebnisse der Studie stellte Schulz in Athen vor. Sie wurden jetzt auch im European Journal of Heart Failure publiziert. Es handelte sich um eine 2-Jahres-Studie, bei der 237 Patientinnen und Patienten von behandelnden Ärzten rekrutiert und randomisiert wurden. Die Patienten waren im Mittel 74 Jahre alt und nahmen neun Medikamente ein. Sie mussten in den zwölf Monaten vor Studienbeginn entweder wegen Herzinsuffizienz im Krankenhaus gewesen sein oder erhöhte BNP/NT-proBNP-Werte aufweisen.

Apothekerbetreuung nicht nur bei Betablockern förderlich

Im Kontrollarm erfolgte eine normale Herzinsuffizienzversorgung. Im Interventionsarm dagegen wurden die Patienten zusätzlich von der Apotheke vor Ort betreut. Dies geschah so, dass Patienten mindestens alle zwei Wochen die Apotheke besuchten. Sie wurden dort beraten, es wurden Blutdruck und Puls gemessen, und es gab einen vom Apotheker betreuten Medikationsplan inklusive Ausgabe der wöchentlichen Medikation in Medikamentenboxen. Die Compliance wurde als Anteil der abgedeckten Tage (PDC) innerhalb eines Jahres jeweils für Betablocker, RAAS-Hemmstoffe und Mineralokortikoidantagonisten (MRA) ermittelt, und zwar anhand der eingelösten Rezepte.

Primärer Endpunkt war die PDC für die drei Medikamentengruppen nach einem Jahr. Sekundär wurde der Anteil der Patienten mit guter Adhärenz ermittelt, definiert als mittlere PDC von 80% oder darüber im ersten Jahr. Dabei zeigte sich eine deutlich größere Adhärenz in der Gruppe der Patienten, die von Apothekern mitbetreut wurden. Im Mittel betrug der PDC-Unterschied zwischen den Gruppen absolut 5,7%. Das war hoch signifikant (p=0,007). Auch nach zwei Jahren gab es noch einen mittleren, dann nicht mehr signifikanten PDC-Unterschied von 3,4%.

Der Anteil der Patienten mit guter Adhärenz, also keinen Medikationsfehlern an 80% der Tage oder mehr, betrug nach einem Jahr 86% in der Gruppe mit Apothekenbetreuung und 68% in der Gruppe mit Standardversorgung. Auch das war signifikant. Bei der Detailanalyse zeigte sich, dass die Apothekerbetreuung nicht zuletzt bei den Betablockern sehr förderlich war. Hier war der Unterschied zwischen den Gruppen auch nach zwei Jahren noch signifikant, während die Unterschiede bei RAAS-Hemmstoffen und MRA nicht so deutlich ausfielen.

DGK befürwortet Zusammenarbeit mit Apotheken

Spannend sind auch die Ergebnisse zur Lebensqualität, gemessen mit dem Minnesota Living with Heart Failure Questionnaire (MLHFQ). Der verbesserte sich bei Apothekenmitbetreuung sowohl im ersten als auch im zweiten Jahr im Vergleich zum Studienbeginn deutlich. Bei Standardversorgung fiel die Lebensqualität dagegen im zweiten Jahr ab, sodass nach zwei Jahren bei diesem Endpunkt ein signifikanter Vorteil für die Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe erreicht war.

Mittlerweile hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie zu diesen Ergebnissen geäußert. Die DGK befürwortet vor dem Hintergrund der PHARM-CHF-Daten eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern und appelliert an die deutsche Gesundheitspolitik, eine adäquate Vergütung der Leistungen in der Apotheke zu schaffen. „Kardiologen und Hausärzte würden eine solche pharmazeutische Dienstleistung begrüßen, da sie hilft, die Therapie optimal umzusetzen“, sagte Prof. Dr. Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig, der zusammen mit Schulz die Studie geleitet hatte.

Literatur