Nachrichten 30.05.2022

Lungenfunktion bei COVID: Impedanz verhält sich anders als bei Herzinsuffizienz

Lungen bei COVID-Patienten können im Röntgenthorax aussehen wie Lungen bei Herzinsuffizienz. Die Lungenimpedanzmessung allerdings verhält sich unterschiedlich.

Kardiologen um Michael Kleiner Shochat vom Yaffe Medical Center in Hadera, Israel, haben bei der ESC Tagung Heart Failure 2022 in Madrid über die COVID-IMPEDANCE-Studie berichtet. In dieser Studie haben sie sich angesehen, wie sich die Lungenimpedanzmessung bei Patientinnen und Patienten verhält, die wegen COVID stationär aufgenommen werden.

Impedanzverlauf bei Herzinsuffizienz

Bei Herzinsuffizienz sieht der typische Impedanzverlauf so aus, dass ein initial deutlich erniedrigter Wert – der einen hohen Flüssigkeitsgehalt der Lunge widerspiegelt – im Laufe der Rekompensation in den ersten stationären Tagen ansteigt. Dieser Anstieg setzt sich dann – guter klinischer Verlauf und gute Medikationseinstellung vorausgesetzt – in den poststationären Monaten fort. Der Wert erreicht aber in der Regel nicht annähernd den „normalen“, in Abhängigkeit von Alter, Gewicht, Geschlecht, Körpergröße und Thoraxdurchmesser berechenbaren Impedanzwert einer „trockenen“ Lunge.

Bei COVID nicht so stark reduzierte Lungenimpedanz-Werte

Wie sieht das bei COVID-Patienten aus, deren Lungen im Röntgenthorax oft an Herzinsuffizienzlungen erinnern können? Etwas anders, so Kleiner Shochat in Madrid. Vor allem starten sie – gemessen an den üblichen Normwerten – im „trockeneren“ Bereich, haben also eine nicht so stark reduzierte, teilweise sogar erhöhte Lungenimpedanz. In den ersten stationären Tagen nimmt die Impedanz in der Regel ab. Dabei sei eine starke Abnahme um mehr als 10% innerhalb von vier Tagen ein recht zuverlässiger Prädiktor für Versterben. 

Im Verlauf geht die Impedanz bei jenen Patienten, die am Ende versterben, kontinuierlich weiter nach unten und nähert sich im Mittel jenen Impedanzwerten an, die bei dekompensierter Herzinsuffizienz gesehen werden.

Impedanzverlauf erlaubt prognostische Aussagen

Bei den COVID-Patienten, die überleben, sieht es anders aus. Sie beginnen häufig im positiv Impedanzbereich und zeigen dort im Mittel ebenfalls einen leichten Abfall in den ersten Tagen. Danach geht es mit der Impedanz während des stationären Aufenthalts aber wieder hoch. Entlassen werden diese Patienten regelhaft mit deutlich übernormaler Impedanz. Erst im Langzeit-Follow-up, nach drei bis sechs Monaten, erreichen die COVID-Patientinnen und -Patienten dann wieder das Normniveau.

Wie ist dieser Kurvenverlauf zu erklären? Die Kardiologen können bisher nur spekulieren. Möglicherweise führe eine höhere Proteinkonzentration in der Lungenflüssigkeit bei COVID-Patienten zu den abweichenden Impedanzwerten. Eine höhere Proteinkonzentration verändert die Leitungseigenschaften des Lungengewebes. In jedem Fall erlaube die Impedanzmessung aber auch bei COVID prognostische Aussagen.

Literatur

Kleiner Shochat M. Monitoring of the lung fluid status in hospitalized COVID-19 patients for predicts outcome. Results of the IMPEDANCE-Corona Trial, Heart Failure Kongress, 22.-23.Mai 2022, Madrid.

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