Skip to main content
main-content

04.07.2016 | Herz und Diabetes | Nachrichten

Unabhängiger Risikofaktor

Diabetes verdoppelt Sterberisiko nach Herzinfarkt

Autor:
Peter Overbeck

Nach einem Herzinfarkt unterliegen Patienten mit Diabetes einem deutlich höheren Sterberisiko als Infarktpatienten ohne Diabetes-Erkrankung. Diese Risikoerhöhung erwies sich in einer großen Studie als unabhängig von sonstigen Begleiterkrankungen, Risikofaktoren und kardiovaskulären Therapien.

Dass KHK-Patienten mit Diabetes nach einem Myokardinfarkt stärker gefährdet sind als Infarktpatienten ohne Diabetes, ist keine neue Erkenntnis. Unklar ist jedoch, ob diese Risikoerhöhung auf die Diabetes-Erkrankung per se oder auf typischerweise mit Diabetes häufig einhergehende Begleiterkrankungen und Risikofaktoren zurückzuführen ist.

Nach Ergebnissen einer großen Studie britischer Autoren scheint die Diabetes-Erkrankung selbst wohl wesentlich zur Mortalitätserhöhung nach Herzinfarkt beizutragen.

Daten von mehr als 700.000 Infarktpatienten

Die Untersucher um den Kardiologen Professor Chris Gale von der University of Leeds haben bei ihrer Analyse klinische Daten von mehr als 700.000 Patienten aus dem MINAP-Register (Myocardial Ischaemia National Audit Project) ausgewertet. Alle Patienten waren zwischen Januar 2003 und Juni 2013 wegen eines akuten Myokardinfarkts (281.259 mit STEMI, 422.661 mit NSTEMI) in Kliniken in England und Wales stationär behandelt worden. Zur Koronarerkrankung kam bei 120.568 (17,1%) auch einen Diabetes hinzu.

Das Gesamt-Follow-up umfasst 1,94 Millionen Personenjahre. In dieser Zeit starben 187.875 Patienten (26,7%). Bei ihrer Analyse des Sterberisikos nahmen die Studienautoren statistische Adjustierungen nicht nur für Faktoren wie Alter, Geschlecht und Jahr des Infarktereignisse vor, sondern auch für Begleiterkrankungen, Risikofaktoren und kardiovaskuläre Therapieregime. Zum Vergleich wurden die Sterberaten einer auf die Infarktpatienten „gematchten“ Bevölkerung von England und Wales (knapp 57 Millionen Personen) herangezogen.

Nach STEMI Mortalitätsrate mehr als verdoppelt

Nach dieser adjustierten Analyse war ein Diabetes als unabhängiger Risikofaktor bei STEMI-Patienten mit einem signifikant um 56% höheren Sterberisiko assoziiert. Bei Patienten mit NSTEMI stellten die Untersucher eine um 39% höhere Mortalität im Vergleich zu Infarktpatienten ohne Diabetes fest.

„Wir müssen den Fokus stärker auf die Langzeiteffekte des Diabetes bei Überlebenden eines Herzinfarkts richten“, fordert Studienleiter Gale in einer Pressemitteilung der Universität Leeds als Konsequenz aus den Ergebnissen. Dafür müsse die „Partnerschaft zwischen Kardiologen, Allgemeinmediziner und Diabetologen gestärkt werden“.

Die Studie stelle erstmals klar, dass die Zunahme der Mortalität nach Herzinfarkt mit dem Diabetes selbst, nicht aber mit Faktoren wie Begleiterkrankungen in Zusammenhang stehe, konstatiert Dr. Mike Knapton von der British Heart Association an gleicher Stelle.

Wenn dem so ist, stellt sich gleich die Frage, welche spezifischen pathophysiologischen Effekt des Diabetes denn dafür verantwortlich sind, dass die Mortalität so deutlich ansteigt. Eine schlüssige Antwort haben Gale und seine Kollegen derzeit nicht. Sie kündigen aber ab, dass sie sich in ihrer künftigen Forschung auf der Klärung eben dieser Frage konzentrieren wollen.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

13.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Highlights | Nachrichten

Ein Kommentar

Apple Watch ist zugelassen – die Jagd auf die rhythmologische Volksseuche ist eröffnet!

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat der neuen Apple Watch ihren „Segen“ für eine EKG-Funktion und als Methode zur Erkennung von Vorhofflimmern erteilt. Teils hat dieses Urteil für Erstaunen gesorgt ­– ein Kommentar.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Aus der Kardiothek

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

07.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

06.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Thomas Deneke

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise