Nachrichten 09.10.2017

Empagliflozin verhindert Herzinsuffizienz im Tiermodell

Der SGLT-2-Inhibitor Empagliflozin konnte die Progression einer Herzinsuffizienz bei Mäusen ohne Diabeteserkrankung aufhalten. Das Medikament könnte sich demnach also tatsächlich zur Therapie der Herzinsuffizienz eignen.

Das Antidiabetikum Empagliflozin scheint die Herzfunktion tatsächlich direkt beeinflussen zu können. Solche intrinsischen Effekte haben Wissenschaftler um Nikole Bryne zumindest im Tiermodell aufzeigen können. Durch Gabe des SGLT-2-Hemmers ließ die Progression einer Herzschwäche bei Mäusen, die nicht an einem Diabetes erkrankt waren, aufhalten.

Überraschendes Ergebnis in EMPA-REG-OUTCOME

Seit den überraschenden Ergebnissen der EMPA-REG-OUTCOME-Studie, in der Empagliflozin das Herzinsuffizienz-Risiko in unerwartet deutlicher Ausprägung gesenkt hatte, suchen Experten nach einer Erklärung für diesen Befund.

Unterschiedlichste Theorien wurden aufgestellt. Die offensichtlichste Erklärung, nämlich dass die blutzuckersenkende Wirkung des SGLT-2-Inhibitors glukotoxische Schäden am Herzen verhindert  und dadurch der Entwicklung einer Herzschwäche vorbeugt, wurde eher als unwahrscheinlich abgetan. Gegen diese Theorie spricht, dass die Ereignisraten in der EMPA-REG-OUTCOME  schon recht früh auseinander gingen.

Daher erklären sich viele Wissenschaftler das Ergebnis der Studie durch die mit dem SGLT-2-Inhibitor einhergehende verstärkte Natriuese und osmotische Diurese, was sich auf die Hämodynamik und damit auf die kardiale Pumpleistung positiv ausgewirkt haben könnte. Alternativ könnte der SGLT-2-Inhibitor auch durch eine verstärkte Ketonkörperbildung eine Verbesserung der kardialen Energieverwertung bewirkt haben.

Erklärungsversuche

Die aktuellen experimentellen Ergebnisse von Bryne und Kollegen sprechen nun eher gegen diese Mechanismen, nach denen Empagliflozin eine bloße indirekte Wirkung auf die Pumpleistung des Herzens entfaltet.  

Die zweiwöchige Behandlung mit dem Antidiabetikum verhinderte bei Mäusen mit einer operativ induzierten Herzinsuffizienz eine weitere Verschlechterung der Ejektionsfraktion (EF). Bei den nicht behandelten Kontrollmäuse nahm die EF dagegen über die Zeit deutlich ab.  Diese Effekte waren auch in Versuchen an entnommenen Herzen, also ex vivo, zu sehen, bei denen also etwa keine Substrate zur Ketonkörperbildung verfügbar waren.

Wissenschaftliche Basis für klinische Studien

An den Mäuseherzen stellten die Wissenschaftler allerdings keine Veränderungen der linksventrikulären Masse oder anderer Parameter fest, die eine Umkehr des strukturellen Remodelling vermuten lassen. Somit geben auch diese Experimente keinen Rückschluss auf den exakten Mechanismus, wie der SGLT-2-Hemmer die Herzfunktion direkt beeinflussen könnte. 

Sie liefern aber eine wissenschaftliche Basis für die derzeit laufenden Studien, in denen die Wirksamkeit von Empagliflozin bei Herzinsuffizienz-Patienten ohne Diabeteserkrankung untersucht wird, wie die EMPEROR-Reduced- und EMPEROR-Preserved-Studien.

Literatur

Byrne N,  Parajuli N,  Levasseur J et al. Empagliflozin Prevents Worsening of Cardiac Function in an Experimental Model of Pressure Overload-Induced Heart FailureJACC: Basic to Translational Science Aug 2017, 2 (4) 347-354; DOI: 10.1016/j.jacbts.2017.07.003

Douglas L. Mann and Daniel P. Kelly Empagliflozin and the Prevention of Heart Failure Will Reverse Translation Lead to New Paradigms for the Treatment of Heart Failure? JACC: Basic to Translational Science Aug 2017, 2 (4) 355–57; DOI: 10.1016/j.jacbts.2017.07.004

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