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20.09.2016 | Herz und Diabetes | Nachrichten

Prädiabetes

GLP-1-Analagon senkt Gewicht unabhängig vom Ausgangs-BMI

Autor:
Veronika Schlimpert

Mit einem GLP-1-Analogon verloren adipöse Teilnehmer einer Studie – unabhängig von ihrem Ausgangs-BMI – an Gewicht. Doch dieses Ergebnis einer Post-hoc-Analyse hat auch Limitationen.

Immer mehr Menschen in Industrieländern leiden an Übergewicht oder Adipositas. Lebensstiländerungen in Form einer Ernährungsumstellung und vermehrten körperlichen Aktivität erzielen oft nicht den gewünschten langfristigen Gewichtsverlust. Hoffnung besteht deshalb, dieses Problems auch mit Medikamenten Herr werden zu können.

Als Mittel zur Gewichtsreduktion ist mittlerweile das Antidiabetikum Liraglutid unter dem Markennamen Saxenda® auch bei Nichtdiabetikern zugelassen: bei Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ≥30 kg/m² oder einem BMI zwischen 27 und 30 kg/m², falls zusätzlich mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt. Als Analogon des „Glucagon-like peptide 1“ (GLP-1) steigert die Substanz glukoseabhängig die Insulinsekretion und führt über eine Verzögerung der Magenentleerung und Verringerung des Appetits zu einer Gewichtsreduktion.

GLP-1-Analogon als Abnehmmittel?

Ob Liraglutid das Gewicht auch unabhängig vom Ausgangsgewicht gleichermaßen zu senken vermag, haben Wissenschaftler um Prof. Sten Madsbad von der Universität Kopenhagen nun in einer Post-hoc-Analyse der von Novo Nordisk finanzierten randomisierten und doppelblinden SCALE-Studie (Satiety and Clinical Adioposity – Liraglutide Evidence) untersucht. Die Ergebnisse stellte der Studienleiter beim Kongress der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) in München vor. 

Ziel dieser Analyse sei gewesen, die Sicherheit und Effektivität des Medikaments in vier verschiedenen BMI-Subgruppen (27–29,9 kg/m², 30–34,9 kg/m², 35–39,9 kg/m² sowie ≥ 40 kg/m²) zu evaluieren, berichtete er. Die 2.254 Teilnehmer hatten zu Studienbeginn einen Prädiabetes, diagnostiziert anhand einer gestörten Nüchternglukose (100¬–125 mg/dl) und/oder einer gestörten Glukosetoleranz (140–199 mg/dl) und/oder eines HbA1c-Wertes zwischen 5,7 und 6,4%. Insgesamt 1.505 Teilnehmer erhielten 3,0 mg Liraglutid pro Tag, 749 bekamen Placebo, jeweils ergänzt durch eine Lebensstilintervention mit kalorienreduzierten Ernährung und vermehrter körperlicher Aktivität.

Gewichtsverlust in allen BMI-Subgruppen 

Nach dreijähriger Behandlung verloren die Teilnehmer in der Liraglutid-Gruppe im Schnitt 6,17% an Gewicht, unter Placebo 1,84%. Die Veränderungen im BMI seien in den einzelnen BMI-Kategorien nicht signifikant unterschiedlich ausgefallen, berichtete Madsbad. Auch erreichten unabhängig von der Gewichtskategorie signifikant mehr Patienten einen Normblutzuckerwert als mit Placebo (mit steigendem BMI: 67%, 67%, 70% und 63% vs. 36%, 34%, 40% und 33%). Ebenfalls konsistent in allen BMI-Klassen verbesserte sich die Insulinsensitivität der Teilnehmer, die mit Liraglutid behandelt wurden.

46 Teilnehmer der Placebo-Gruppe einen Typ-2-Diabetes. Die geschätzte Zeit bis zum Eintreten des Diabetes wurde mit dem GLP-1-Analogon um das 2,7-fache herausgezögert, was einer Hazard Ratio von 0,2 entspricht. 

Gastrointestinale Beschwerden 

Ebenfalls keinen Einfluss scheint das Ausgangsgewicht Madsbad zufolge auf die Häufigkeit von Nebenwirkungen zu haben. Generell sei Liraglutid in allen BMI-Subgruppen gut vertragen worden. Allerdings kam es unter der Therapie vermehrt zu gastrointestinalen Beschwerden. Nicht überraschend seien darunter auch Hypoglykämien häufiger aufgetreten. Es handele sich bei Liraglutid immerhin um eine der am stärksten auf die Insulinsekretion wirkenden Substanzen, erläuterte Madsbad. So kam es bei 17% der Patienten mit einem BMI ≥40 mindestens einmal zu einer Hypoglykämie, mit Placebo bei 5,7%. In der niedrigsten BMI-Kategorie sind die Zahlen entsprechend 17,9% vs. 4,3%.

Basierend auf diesen Daten gebe es keine Anhaltspunkte, dass Liraglutid in einzelnen Gewichtskategorien unterschiedlich auf die Glukosekontrolle und Betazellfunktion wirke, schloss Madsbad. Allerdings, so betonte er abschließend, habe diese Post-hoc-Analyse weder die Power, noch sei die Studie primär dafür angelegt worden, die Effektivität der Substanz über unterschiedliche BMI-Subgruppen hinweg zu vergleichen.

Literatur