Nachrichten 25.09.2019

Kardiovaskuläre Risikogruppe: Immer mehr junge Menschen mit Typ-2-Diabetes

Der Anteil jüngerer Erwachsener mit Typ-2-Diabetes nimmt zu. Darüber hinaus scheint ihr kardiovaskuläres Risiko höher zu sein als bei älteren Diabetikern, legt eine britische Studie nahe.

Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil der 18- bis 39-Jährigen mit Typ-2-Diabetes von 9,5% auf 12% gestiegen. Der Anteil der 40 bis 49 Jahre alten Diabetiker stieg ebenfalls von 14%  auf 17,5%. Jüngere Patienten hatten dabei ein schlechteres Risikoprofil als ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Prof. Sanjoy Ketan Paul und Dr. Digsu Koye von der Universität Melbourne, Australien präsentierten die Ergebnisse auf der diesjährigen Jahrestagung der EASD (European Association for the Study of Diabetes). Mit ihrem Forscherteam hatten sie untersucht, wie sich die Inzidenz von Typ-2-Diabetes in der britischen Bevölkerung im Laufe der Zeit verändert hat. Zudem verglichen sie das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVD) und die Gesamtmortalität in unterschiedlichen Altersgruppen (18 bis 39, 40 bis 49, 50 bis 59, 60 bis 69 und 70 bis 79).

Studie mit mehr als 370.000 Menschen

Die Kohorte umfasste mehr als 370.000 Patienten, bei denen im Januar 2000 Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Aus den Krankenakten des britischen Gesundheitssystems extrahierten die Forscher Daten über anthropometrische, klinische und labortechnische Messungen und Komorbiditäten bei der Diagnose von Typ-2-Diabetes sowie über ASCVD und Gesamtmortalität der Patienten während eines durchschnittlich siebenjährigen Follow-ups.

Das Durchschnittsalter lag bei 53 Jahren. Der Anteil junger Typ-2-Diabetiker war im Laufe der Zeit gestiegen: Während heute einer von acht Fällen von Typ-2-Diabetes Personen im Alter von 18 bis 39 Jahren betrifft, war es im Jahr 2000 nur einer von zehn.

Die jüngste Gruppe hatte im Vergleich zu den Älteren einen signifikant höheren BMI (durchschnittlich 35kg/m², 71% waren fettleibig), einen hohen Blutzuckerspiegel (durchschnittlicher HbA1c-Wert 8,6%, 58% mit HbA1c ≥ 7,5%) und einen niedrigen Lipoproteinspiegel (71% mit LDL-C ≥ 100 mg/dL). Zudem hatte von den 18- bis 39-Jährigen etwa ein Drittel Bluthochdruck, 2% ASCVD und 4% chronische Nierenerkrankungen. Fast ein Viertel hatte ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko ohne dass zuvor ASCVD diagnostiziert wurde.

„Diabetes in jungen Jahren tritt aggressiver auf“

Bei den 40- bis 49-Jährigen lag der durchschnittliche BMI bei 34 kg/m2, 70% waren fettleibig und 55% der Patienten hatten einen HbA1c-Wert von 7,5% oder mehr. Bei den 60- bis 69-Jährigen betrug der durchschnittliche BMI 32 kg/m2, 57% waren fettleibig und bei 38% überstieg der HbA1c-Wert 7,5%.

Die ASCVD-Rate ging im Laufe der Zeit in allen Altersgruppen zurück. Die Gesamtsterblichkeitsrate sank bei den 60- bis 69-Jährigen um rund 20% und bei den 70-79 Jährigen um etwa 30%, blieb aber bei den Patienten zwischen 18 und 59 Jahren unverändert.

"Der Anteil junger Typ-2-Diabetiker hat sich von 2000 bis 2017 erhöht, zudem haben diese Menschen ein höheres kardiovaskuläres Risiko. Während die kardiovaskulären Morbiditäts- und Mortalitätsraten für ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes im Laufe der Jahre deutlich zurückgegangen sind, bleiben sie für jüngere unverändert. Diabetes in jungen Jahren tritt aggressiver auf“, fassten die Studienautoren zusammen. Es seien intensivere Strategien erforderlich, um die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität zu verringern.

Literatur

Koye D et al. Temporal trend in young-onset type 2 diabetes: comorbidities, macrovascular and mortality risk: study of UK primary care electronic medical records. Vorgestellt beim Kongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD) 2019, 16.09. - 20.09. 2019, Barcelona

EASD-Pressemitteilung: Deprivation associated with increased risk of death following hospital admission with type 2 diabetes. 16.09.2019.

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