Nachrichten 28.06.2021

Noch ein GLP-1-Rezeptoragonist beweist kardioprotektiven Nutzen

Mit Efpeglenatid hat jetzt ein weiterer GLP-1-Rezeptoragonist in einer Studie bewiesen, dass sich damit bei Patienten mit Typ-2-Diabetes nicht nur der Blutzucker, sondern auch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse signifikant reduzieren lässt.

Was für Liraglutid, Semaglutid, Albiglutid und Dulaglutid bereits in großen randomisierten placebokontrollierten Studien dokumentiert worden ist, kann nun für einen fünften GLP-1-Agonisten ebenfalls als belegt gelten: Auch Efpeglenatid reduziert bei Hochrisiko-Patienten mit Typ-2-Diabetes die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse in signifikantem Maß. Gezeigt hat dies die aktuell beim virtuellen Kongress der American Diabetes Association (ADA) 2021 präsentierte AMPLITUDE-O-Studie.

Im Beobachtungszeitraum der Studie (im Median 1,81 Jahre) reduzierte Efpeglenatid die Inzidenzrate für den primären Studienendpunkt – eine Kombination aus nicht tödlichen (Herzinfarkt, Schlaganfall) und tödlichen Ereignissen (kardiovaskulär verursachter Tod) – relativ um 27% im Vergleich zu Placebo.

Kardiovaskuläre Ereignisse relativ um 27% reduziert

Im Studienverlauf waren 189 Teilnehmer (7%) in der Efpeglenatid-Gruppe (3,9 Ereignisse pro 100 Personenjahre) und 125 Teilnehmer (9,2%) in der Placebogruppe (5,3 Ereignisse pro 100 Personenjahre) von einem der genannten kardiovaskulären Endpunktereignisse betroffen (Hazard Ratio [HR]:  0,73, 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,58 – 0,92).

Auch im Hinblick auf die einzelnen Komponenten des primären Studienendpunktes ergaben sich niedrigere Inzidenzraten unter Efpeglenatid im Vergleich zu Placebo, und zwar sowohl für nicht tödliche Myokardinfarkte (3,1% vs. 3,9%) und Schlaganfälle (1,5% vs. 1,8%) als auch für die kardiovaskuläre Mortalität (2,8% vs. 3,7%).

Mit dem gezeigten Unterschied beim primären Endpunkt bezeugt die Studie sowohl die Nicht-Unterlegenheit (p<0,001) als auch die Überlegenheit (p=0,007) von Efpeglenatid im Vergleich zu Placebo.

Der absolute Nutzen der Efpeglenatid-Therapie beziffert sich auf Basis der AMPLITUDE-O-Ergebnisse so: Geschätzte 46 Studienteilnehmer mussten im Median 1,8 Jahre lang mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt werden, um ein dem primären Endpunkt zugeordnetes kardiovaskuläres Ereignis zu verhindern.

Positive Effekte auch auf die Nierenfunktion

Auch unter renalem Aspekt erwies sich Efpeglenatid als vorteilhaft. Maßgeblich für die Beurteilung war in diesem Fall ein sekundärer Endpunkt, der als Komponenten neu aufgetretene Makroalbuminurie sowie eine anhaltende Abnahme der Nierenfunktion (eGRF-Abnahme um mehr als 40% über mehr als 30 Tage, renale Ersatztherapie oder anhaltend niedrige eGFR-Werte <15 ml/min/1,73 m2) beinhaltete.

Mit 13,0% versus 18,4% war die Inzidenzrate für diesen kombinierten renalen Endpunkt unter Efpeglenatid signifikant um 32% niedriger als unter Placebo (HR: 0,68; 95% KI: 0,57 – 0,79; p<0,001).

Ergebnisse von Subgruppen-Analyse legen im Übrigen nahe, dass die günstigen kardiovaskulären und renalen Effekte von Efpeglenatid unabhängig von einer gleichzeitigen Behandlung mit SGLT-Hemmern (bei 15% der Studienteilnehmer) oder Metformin sein könnten.

Gastrointestinale Beschwerden wie Diarrhoe, Obstipation, Übelkeit, Erbrechen oder Blähungen wurden ähnlich wie in anderen kardiovaskulären Outcome-Studien mit GLP-1-Agonisten auch unter Behandlung mit Efpeglenatid signifikant häufiger angegeben als unter Placebo (1,2% vs. 0,4%; p = 0,03).

Hoher Anteil an Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen

In die randomisierte AMPLITUDE-O-Studie waren weltweit in 28 Ländern in der Zeit zwischen Mai 2018 und April 2019 insgesamt 4076 Patienten (mittleres Alter: 64,5 Jahre) mit Typ-2-Diabetes plus weiteren Risikomerkmalen aufgenommen worden. Bedingung für eine Studienteilnahme war etwa, dass bei ihnen bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung oder eine Nierenerkrankung (definiert als eGRF-Werte im Bereich zwischen 25,0 und 59.9 ml/min/1,73 m2) plus mindestens ein weiterer kardiovaskulärer Risikofaktor dokumentiert sein mussten. De facto wiesen 89,5% aller Teilnehmer zu Studienbeginn eine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung und knapp ein Drittel eine Nierenerkrankung in ihrer Vorgeschichte auf.

Von den mehr als 4.000 Studienteilnehmern waren 2717 einer Behandlung mit Efpeglenatide (je zur Hälfte mit 4 mg oder 6 mg per wöchentlicher subkutaner Injektion) und 1359 einer entsprechenden Behandlung mit Placebo zugeteilt worden.

Metaanalyse bestätigt präventiven Nutzen

Die Ergebnisse der AMPLITUDE-O-Studie passen gut in das Bild, das die bis dato publizierten kardiovaskulären Outcome-Studien mit GLP-1-Rezeptoragonisten vom präventiven Nutzen dieser Antidiabetika bei Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes zeichnen.

Eine 2019 publizierte und auf sieben randomisierte klinische Studien mit insgesamt 56.004 beteiligten Patienten mit Typ-2-Diabetes gestützte Metaanalyse hat ergeben, dass GLP-1-Rezeptoragonisten das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (major adverse cardiovascular events, MACE) relativ um 12% im Vergleich zu Placebo verringern (HR: 0,88, 95% KI: 0,82–0,94; p<0,0001).

Literatur

Vorgestellt beim virtuellen Kongress der American Diabetes Association (ADA) 2021; 25. – 29. Juni 2021

Gerstein H.C. et al.: Cardiovascular and Renal Outcomes with Efpeglenatide in Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2021; online 28. Juni 2021. DOI: 10.1056/NEJMoa2108269

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