Skip to main content
main-content

03.08.2016 | Herz und Diabetes | Nachrichten

ODYSSEY-Phase-3-Studien

PCSK9-Hemmer erhöht nicht die Diabetesrate

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Die Inzidenz von Diabetes wurde bei über 3.000 Studienteilnehmern durch den PCSK9-Inhibitor Alirocumab nicht beeinflusst. Das ergab die Analyse von gepoolten Daten aus 10 verschiedenen ODYSSEY-Phase-3-Studien.

Die LDL-Cholesterin (LDL-C)-Senkung mit Statinen beeinflusste in mehreren Studien den Glukosestoffwechsel und erhöhte das Risiko für Typ-2-Diabetes, ein molekularer Mechanismus für diesen Effekt ist bisher noch nicht bekannt. Es stellte sich die Frage, ob andere, noch stärker lipidsenkende Therapien, womöglich ebenfalls zu einer solchen Risikoerhöhung führen können. Deshalb untersuchte eine gepoolte Analyse anhand der Daten aus 10 Phase-3-Studien des ODYSSEY-Studienprogramms den Einfluss des Proteinkonvertase-Subtilisin/Kexin-Subtyp 9 (PCSK9)-Inhibitors Alirocumab (Praluent©) hinsichtlich des Risikos einen Diabetes oder Prädiabetes zu entwickeln.

Alirocumab versus Placebo und Ezetimib

Für die gepoolte Analyse lagen Daten von fast 5.000 Patienten vor, die in 10 unterschiedlichen Phase-3-Studien mit Alirocumab (150 oder 75 mg alle 2 Wochen subkutan / Q2W) vs. Placebo oder vs. Ezetimib behandelt wurden. Etwa ein Drittel (30,7 Prozent) wurde aber aufgrund eines bereits zu Beginn bestehenden Diabetes (HbA1c > 6,5 % oder Nüchternblutzucker > 7 mmol/l) von der Studie ausgeschlossen. Weitere 39,6 Prozent hatten Prädiabetes (HbA1c > 5,7 % oder 2 unabhängige Nüchternblutzucker-Messungen > 5,7 mmol/l), bzw. 29,7 Prozent waren normoglykämisch. Die Daten dieser prädiabetischen und normoglykämischen Patienten wurden analysiert (n = 3.448). Die meisten von ihnen erhielten gleichzeitig ein Statin in der maximal tolerierten Dosis.

Insgesamt entwickelten 66 der Patienten (1,9 Prozent) im Follow-up-Zeitraum zwischen 6 und 18 Monaten Diabetes. Es gab keine Hinweise darauf, dass die Rate in der Alirocumab-Gruppe erhöht war: Im Vergleich zum Placebo-Pool betrug die Ereignisrate HR (95%-Konfidenzintervall) 0,64 (0,36–1,14) bzw. im Vergleich zum Ezetimib-Pool 0,55 (0,22–1,41); die kombinierte Ereignisrate beider Vergleichspools lag bei 0,62 (0,38–1,00).

Keine signifikanten Unterschiede bei Diabetes und Prädiabetes

Unter den prädiabetischen Patienten entwickelten 8,7 Prozent Diabetes, die Unterschiede zwischen dem Alirocumab-Pool und den Vergleichspools (Placebo und Ezetimib) waren dabei nicht signifikant. Bei zuvor normoglykämischen Patienten gab es auf Basis der Nüchternblutzuckerwerte nur 3 Diabetesfälle und die Veränderung zum Status Prädiabetes war zwischen den Vergleichsgruppen ebenfalls nicht signifikant.

Die vorliegenden Daten aus dieser gepoolten Analyse zeigen, dass die PCSK9-Hemmung, trotz der hohen LDL-C-Senkung von 40 bis 60 Prozent, nicht zu Hyperglykämien führt. Allerdings wären längere Follow-up-Zeiten und größere Patientenzahlen erforderlich, um definitiv einen Effekt von PCSK9-Hemmern auf das Diabetesrisiko auszuschließen, so die Autoren. Diese Daten könnte demnächst die noch laufende ODESSEY-OUTCOMES-Studie liefern, in der etwa 18.000 Teilnehmer über 2 bis 5 Jahre u. a. auch hinsichtlich ihrer Blutzuckerwerte und der diabetischen Ereignisse untersucht werden.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

19.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

PCSK9-Hemmung: Starke Lipidsenkung auch bei Diabetes

31.03.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

DGK begrüßt Tenor der G-BA-Entscheidung zu PCSK9-Hemmern

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise