Nachrichten 05.08.2016

Schützen PDE5-Hemmer Diabetikerherzen?

Patienten mit Typ-2-Diabetes, die PDE5-Hemmer einnehmen, sterben später als Patienten, die das nicht tun. Das zeigt eine retrospektive Kohorte aus Großbritannien. Steht die Beobachtung mit möglichen kardioprotektiven Wirkungen dieser Substanzklasse in Zusammenhang?

Aus Tiermodellen zum akuten Myokardinfarkt gibt es Hinweise, dass Hemmstoffe der Phosphodiesterase Typ 5 (PDE5) kardioprotektiv sein könnten: Sie verringern dort die Infarktgröße, verbessern die Kontraktilität und wirken antiarrythmisch. Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen haben Herz-Kreislauf-Forscher der Universität Manchester retrospektiv eine allgemeinmedizinische Forschungsdatenbank ausgewertet, die Zugriff auf die elektronischen Patientenakten von insgesamt knapp 6.000 Männern gestattete, bei denen vor dem Jahr 2007 ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war.

Diese Männer wurden eingeteilt in solche, die PDE5-Hemmer einnahmen und solche, die das nicht taten. Um in die PDE5-Hemmer-Gruppe zu kommen, mussten die Patienten vor 2007 zumindest einmal und zwischen 2007 und 2015 mindestens ein weiteres Mal einen PDE5-Hemmer verschrieben bekommen haben. Dies war bei 22,8 % der Patienten der Fall, für die im Median 16 PDE5-Hemmer-Verordnungen dokumentiert waren.

Im Ergebnis zeigte sich nach im Mittel gut sieben Jahren eine signifikant niedrigere Gesamtmortalität bei jenen Patienten, die PDE5-Hemmer eingenommen hatten. Nach Altersadjustierung betrug die Mortalität in der PDE5-Hemmer-Gruppe 19,1 %, gegenüber 23,8 % in der Vergleichsgruppe ohne PDE5-Hemmer-Einnahme. Da der mittlere Follow-up-Zeitraum in der PDE5-Hemmer-Gruppe etwas länger war, errechnet sich eine um knapp ein Drittel niedrigere Mortalität bei Einnahme von PDE5-Hemmern (25,2 vs. 34,0 pro 1.000 Personenjahre; p < 0,0001).

Der Mortalitätsunterschied blieb bestehen bzw. wurde sogar noch etwas größer, wenn zusätzlich für eine ganze Reihe weiterer Faktoren adjustiert wurde, darunter Nierenfunktion, Raucherstatus, kardiovaskuläre Erkrankungen in der Anamnese, Blutdruck, Gesamtcholesterin sowie Metformin-, ASS-, Betablocker- und Statin-Einnahme. Deutlich war der Mortalitätsunterschied auch bei jenen Patienten, die bereits einen Myokardinfarkt hinter sich hatten. Hier starben bei PDE5-Hemmer-Einnahme 25,7 % der Patienten und ohne PDE5-Hemmer 40,1 % der Patienten im Follow-up-Zeitraum. Eine weitere Beobachtung: Bei PDE5-Hemmer-Einnahme waren neue Myokradinfarkte mit 5,2 % seltener als bei Patienten ohne PDE5-Hemmer (8,5 %), und die Sterblichkeit bei jenen Patienten, die einen neuen Myokardinfarkt erlitten, war signifikant um rund die Hälfte geringer (p = 0,001).

Auch wenn sie anerkennen, dass bei einer solchen retrospektiven Kohorte die Gefahr für einen relevanten Selektions-Bias besteht, sind die Autoren doch der Auffassung, dass ihre Daten schon wegen der Stärke der Korrelation dafür sprechen, dass PDE5-Hemmer zumindest bei Typ-2-Diabetiker günstige kardiale Effekte haben. Sie empfehlen wegen des potenziell hohen Nutzens eine baldige randomisierte Studie.

Literatur

Anderson SG et al. Phosphodiesterase type-5 inhibitor use in type 2 diabetes is associated with a reduction in all-cause mortality. Heart. 2016 Jul 26; doi: 10.1136/heartjnl-2015-309223

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Bildnachweise
eHealth in der Kardiologie/© ra2 studio / stock.adobe.com
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Webinar Dyslipidämien mit Prof. Ulrich Laufs/© Kardiologie.org | Prof. Laufs [M]
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CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
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DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018