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09.04.2019 | Herz und Diabetes | Nachrichten

Diabetes-Prävention

Warum es sich lohnt, Diabetes-Diagnosen zu verzögern

Autor:
Dr. Dirk Einecke

Wer früh an einem Typ-2-Diabetes erkrankt, verliert besonders viele Lebensjahre. Im Alter hat die Diabetes-Diagnose hingegen keinen Einfluss mehr auf die Lebenserwartung.

Bei Typ-2-Diabetes hängen sowohl das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen als auch die Mortalität entscheidend davon ab, wie früh der Patient im Laufe seines Lebens an der Stoffwechselstörung erkrankt. Dies haben Autoren in einer Studie analysiert, der Daten des nationalen Diabetes-Registers in Schweden zugrunde lagen. Ihre Ergebnisse berichteten sie online in der Zeitschrift „Circulation“.

Das Studienkollektiv umfasste 318.000 Typ-2-Diabetiker sowie knapp 1,6 Millionen Nichtdiabetiker, die bezüglich Alter, Geschlecht und Herkunft vergleichbar waren. Im Verlaufe der mehrjährigen Beobachtungszeit wurden kardiovaskuläre Erkrankungen registriert, 194.000 Patienten verstarben.

Bei Typ-2-Diabetikern unter 40 Jahren waren alle Risiken gegenüber gleichaltrigen Nichtdiabetikern am deutlichsten erhöht. Die Mortalität stieg durch den Diabetes um den Faktor 2,05 und die kardiovaskuläre Mortalität um den Faktor 2,72. Das Risiko für Herzinsuffizienz war fast fünffach erhöht, dasjenige für KHK um mehr als das Vierfache. Diabetiker erlitten etwa 3,5mal so viele Herzinfarkte und Schlaganfälle wie Nichtdiabetiker.

Verlust an Lebensjahren bei früher Erkrankung besonders deutlich

Bei besonders früher Diabetes-Diagnose in der Adoleszenz verloren die Patienten mehr als 10 Lebensjahre. Bei Diagnosestellung im Alter von 45 starben die Patienten ca. 6 Jahre vorzeitig. Eine Diabetes-Diagnose mit 65 Jahren kostete zwei Lebensjahre. Frauen zeigten generell eine größere Risikoerhöhung als Männer.

Die Studie zeigt also: Je später die Diabetes-Diagnose im Leben erfolgte, umso geringer fiel die Risikoerhöhung aus. Bei sehr später Diabetes-Diagnose jenseits des 80. Lebensjahres lebten die Patienten nicht minder lang als stoffwechselgesunde Gleichaltrige.

Fokus auf Therapie und Prävention bei jungen Patienten

Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Autoren dafür, entsprechende Risikofaktoren bei jungen Patienten mit Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes noch aggressiver zu behandelt als bisher. Gefährdete Patienten im mittleren Lebensalter sollten ermutigt werden, mit Lebensstiländerungen entgegen zu steuern. Bei alten Patienten hingegen könnte man sich auf eine symptomatische Therapie beschränken. 

Literatur

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