Nachrichten 31.01.2020

Abgase schädigen das Herz mehr als gedacht

Verschmutzte Luft in überfüllten Stadtzentren scheint sich negativ auf Herz und Gefäße auszuwirken. Schon eine zweistündige Schadstoffexposition hat nachteilige Effekte.

Schlechter Luft ausgesetzt zu sein hat negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Darauf weist eine griechische Studie hin, in der in Stadtzentren herrschende Luftverschmutzung simuliert wurde. Nachdem die Teilnehmer zwei Stunden lang schadstoffhaltige Luft eingeatmet hatten, zeigten sich die ersten körperlichen Veränderungen, die kardiovaskuläre Erkrankungen begünstigen können, und diese hielten 24 Stunden an.

Schaden auch bei vermeintlich sicheren Werten?

„Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, durfte die Schadstoffbelastung in der Studie einen Sicherheitsgrenzwert nicht überschreiten. Das bedeutet, dass selbst als sicher geltende Werte für die Gesundheit verheerend sind, wenn Menschen häufig Luftverschmutzung ausgesetzt sind, wie es bei Stadtbewohnern der Fall ist“, erläuterte Prof. Dimitris Tousoulis von der Nationalen Kapodistrias-Universität in Athen die Bedeutung der Studienergebnisse in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology (ESC).

Frühere Studien hatten bereits einen Zusammenhang von Luftschadstoffen und dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen ergeben. Die analysierte Luft enthielt allerdings gemischte Abgase, wogegen die gesundheitlichen Auswirkungen speziell von Dieselemissionen noch wenig untersucht wurden. Deshalb wollte das griechische Forscherteam mehr darüber herausfinden.

Sie randomisierten für die aktuelle Studie 40 gesunde Freiwillige, die zwei Stunden täglich in einem hermetisch abgeschlossenen Labor verbringen mussten. Eine Gruppe war dabei Dieselabgasen ausgesetzt, während die andere saubere Luft einatmete. Nach vier Wochen tauschten die Gruppen, sodass jeder Teilnehmer Laboraufenthalte mit schmutziger und mit sauberer Luft hatte.

Verschmutzte Luft veränderte Blutgefäße

Die Abgase wurden von einem Dieselmotor erzeugt und ähnelten bezüglich der Schadstoffkonzentration den Bedingungen in überfüllten Stadtzentren. Um die gesundheitlichen Auswirkungen zu beurteilen, untersuchten die Forscher die Blutgefäße, die Herzfrequenz, die Blutgerinnung und die Entzündungswerte der Teilnehmer. Die Probanden verzichteten während des Untersuchungszeitraums auf Koffein, Alkohol und Zigaretten, um verzerrte Ergebnisse zu vermeiden.

Die Forscher analysierten typische Prozesse, die den Verschluss von Blutgefäßen und damit Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen können. Über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden wirkte sich das Einatmen von schmutziger Luft im Vergleich zu sauberer Luft nachteilig auf alle untersuchten Parameter aus: So war die flussvermittelte Vasodilatation verringert, die Pulswellengeschwindigkeit erhöht und es wurden höhere Werte von CRP und Fibrinogen gemessen.

Ihre Studie liefere Einblicke in die Mechanismen, mit denen Dieselemissionen das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, schreiben die Autoren. „Wahrscheinlich vervielfachen sich die in der Studie gezeigten schädlichen Auswirkungen, wenn Menschen wiederholt oder sogar lebenslang der hohen Schadstoffbelastung in Städten ausgesetzt sind, speziell bei starkem Verkehr, in Tunneln und Tiefgaragen und auf großen Autobahnen“, so Tousoulis. Effizientere Maßnahmen seien notwendig, um die Luftqualität in Städten zu verbessern und vermeidbare Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern.

Literatur

Tousoulis D et al. Acute exposure to diesel affects inflammation and vascular function. European Journal of preventive Cardiology 2020. https://doi.org/10.1177/2047487319898020.

ESC-Pressemitteilung: City in a test tube: Researchers simulate urban pollution to show how it damages the heart. 30.01.2020.