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19.10.2016 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Wechselwirkungen

AHA gibt Empfehlungen zur Komedikation bei Statintherapie

Autor:
Philipp Grätzel

Die American Heart Association äußert sich zu Arzneimittelwechselwirkungen bei Patienten unter Statin-Therapie. Ziel ist die Minimierung möglicher iatrogener Komplikationen.

Schätzungen zufolge gehen etwa drei Prozent aller Krankenhauseinweisungen direkt auf Arzneimittelwechselwirkungen zurück. Bei kardiovaskulären Patienten sind in diesem Kontext nicht zuletzt die Statine von Bedeutung, die ubiquitär verordnet werden und die Probleme verursachen können, wenn sie mit einigen anderen mehr oder weniger gängigen Medikamenten gemeinsam verordnet werden.

Dabei gibt es allerdings Unterschiede zwischen einzelnen Statinen, da nicht alle Vertreter dieser Substanzklasse in gleicher Weise auf die beiden wichtigsten Enzymsysteme wirken, die Wechselwirkungen vermitteln, das Cytochrom P450-System und das P-Glykoprotein-System.

Dosisempfehlungen für Kombi mit Antiarrhythmika und Calcium-Antagonisten

Mit ihrem neuen „Scientific Statement“ versucht die FDA, ein wenig mehr Transparenz in diese komplexe Thematik zu bringen. Mit langen Tabellen und konkreten, auf einzelne Statine heruntergebrochenen Empfehlungen soll Ärzten ein Leitfaden an die Hand gegeben werden, der hilft, Wechselwirkungen bei Patienten unter Statintherapie zu vermeiden. Angesprochen werden Wechselwirkungen mit kardiovaskulären Medikamenten aller Art, aber auch mit Lipidsenkern und mit Immunsuppressiva.

So wird konkret empfohlen, bei Komedikation mit Amiodaron die Lovastatin-Dosis auf maximal 40 mg und die Simvastatin-Dosis auf maximal 20 mg zu begrenzen. Wird Dronedaron statt Amiodaron eingesetzt, liegt die für die AHA akzeptable Dosisgrenze der beiden Statine sogar bei jeweils 10 mg. Bei Komedikation mit Amlodipin sollten demnach sowohl von Lovastatin als auch von Simvastatin maximal 20 mg täglich eingenommen werden.

Kombinationen dieser zwei Statine, die beide sowohl mit P-Glykoprotein als auch mit CYP3A4 interagieren, mit dem ADH-Antagonisten Conivaptan sollten komplett vermieden werden.

Bei Patienten, die die Immunsuppressiva Cyclosporin, Tacrolimus, Everolimus oder Sirolimus erhalten, ist bei nahezu allen Statinen Vorsicht geboten. Lovastatin, Pitavastatin und Simvastatin sollten vermieden, Atorvatstatin auf 10 mg und Fluvastatin bzw. Pravastatin auf jeweils maximal 40 mg begrenzt werden.

Vorsicht bei Fibraten

Ein eigenes Kapitel widmet die FDA der Kombination von Statinen und Fibraten. Generell sei in dieser Situation die Behandlung mit Fenofibrat der Behandlung mit Gemfibrozil vorzuziehen, da das Risiko von Wechselwirkungen mit der Statintherapie dann deutlich geringer sei. Ist Gemfibrozil erforderlich, sollte eine Kombination mit Lovastatin, Pravastatin oder Simvastatin vermieden werden. Atorvatstatin, Pitavastatin oder Rosuvastatin als Kombinationspartner seien günstiger, aber dennoch niedrig zu dosieren. Besonders geeignet für die Kombination mit (beiden) Fibraten ist Fluvastatin.

Literatur

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