Nachrichten 14.08.2019

Antikoagulation nach venöser Thromboembolie: Wie hoch ist das Rezidivrisiko auf lange Sicht?

Antikoagulation nach einer erstmaligen venösen Thromboembolie (VTE) nur für ein paar Monate oder unbegrenzt? Die Ergebnisse dieser neuen Metaanalyse geben Orientierung bezüglich des Langzeitrisikos für eine erneute Embolie.

Die große Frage lautet: Wie lange sollte nach einer erstmalig spontan aufgetretenen Beinvenenthrombose oder Lungenembolie eine Antikoagulation durchgeführt werden? Eine klare Antwort bleiben die Autoren der Metaanalyse um Prof. Marc A Rodger von der Universität Ottawa in Kanada schuldig. Sie analysierten lediglich 18 kontrollierte randomisierte Studien und prospektive Kohortenstudien mit insgesamt 7.515 beteiligten Patienten und errechneten Wahrscheinlichkeiten für ein VTE-Rezidiv über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren.

Die gepoolte Rate an erneuten Thromboembolien pro 100  Personenjahre nach Beendigung einer vorangegangenen, mindestens dreimonatigen Behandlung mit Antikoagulanzien betrug demnach rund zehn Ereignisse im ersten Jahr, sechs im zweiten Jahr, vier Ereignisse pro Jahr im dritten bis fünften Jahr und drei Embolien pro Jahr zwischen dem sechsten und zehnten Jahr.

Höheres Risiko bei Männern

Demnach liegt die kumulative Inzidenz für eine erneute venöse Thromboembolie im ersten Jahr nach Beendigung der Antikoagulation bei rund 10%, nach zwei Jahren bei 16%, nach fünf Jahren bei 25% und nach zehn Jahren bei 36%. Die Sterblichkeit lag bei rund 4%. Die Autoren geben an, dass damit das kumulative Risiko an einer erneuten Embolie zu versterben, innerhalb von zehn Jahren bei rund 1,5% liegt.

Bei Männern war das Risiko höher als bei Frauen: So errechneten die Autoren um Rodger  eine gepoolte Rate für VTE-Rezidive pro 100 Personenjahre von rund 12 Ereignissen im ersten Jahr bei Männern und rund neun Ereignissen bei Frauen. Die kumulative Inzidenz von VTE-Rezidiven nach zehn Jahren betrug  41% bei Männern und 29% bei Frauen.

Rezidivrisiko nach einer tiefen Beinvenenthrombose besonders hoch

Insgesamt war das Risiko einer erneuten venösen Thromboembolie nach einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Kombination aus einer tiefen Beinvenenthrombose und einer Lungenembolie deutlich höher als nach einer Lungenembolie allein.

„Diese Ergebnisse liefern Patienten, Ärzten und politischen Entscheidungsträgern zuverlässige Schätzungen bezüglich langfristiger Risiken und Folgen von erneuten venösen Thromboembolien und helfen bei der Entscheidungsfindung bezüglich des Langzeit-Managements nach einer ersten spontan aufgetretenen Thromboembolie“, schlussfolgern die kanadischen Wissenschaftler.

Literatur

Khan F et al. Long term risk of symptomatic recurrent venous thromboembolism after discontinuation of anticoagulant treatment for first unprovoked venous thromboembolism event: systematic review and meta-analysis, BMJ 2019; doi.org/10.1136/bmj.l4363