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05.01.2017 | Herz und Gefäße | Nachrichten

mHealth

Forschungs-App gibt umfassenden Einblick in den Lebensstil

Autor:
Philipp Grätzel

Lassen sich Mobilfunk-Apps nutzen, um in großem Maßstab Lebensstildaten für die kardiovaskuläre Forschung zu erheben? Kardiologische Forscher aus den USA haben es getestet. Die Bilanz fällt gut aus.

Um zu sehen, was sich erreichen lässt, wenn sich die kardiovaskuläre Forschung in die App-Stores dieser Welt begibt, haben die Wissenschaftler um Michael V. McConnell und Euan A. Ashley von der Abteilung für kardiovaskuläre Medizin der Stanford University eine eigene App entwickelt, die „MyHeart Counts“-App. Sie stand im Sommer und Herbst 2015 sechs Monate lang im US-amerikanischen App-Store von Apple zum kostenlosen Download bereit.

Die App basierte technisch auf dem so genannten ResearchKit, eine Art Software-Werkzeugkasten für die medizinische Forschung per iPhone, den Apple im Jahr 2015 eingeführt hatte und mit dem auch von einigen Forschungsgruppen in Deutschland experimentiert wird.

Breites Spektrum an Funktionen

Die MyHeart Counts-App verfügte über ein breites Spektrum an Funktionen, die es erlaubten, die kardiovaskuläre Gesundheit unter Alltagsbedingungen zu erheben beziehungsweise zu messen. So gab es Sensoren, die auf Basis von Beschleunigungsdaten weitgehend automatisch die körperliche Aktivität und die Fitness der Probanden abschätzten. Es wurden außerdem Fragebögen generiert, die die Studienteilnehmer ausfüllen müssen, und es wurden nach bestimmten Zeitintervallen bestimmte Übungen eingefordert, etwa ein 6-Minuten-Gehtest.

Die Wissenschaftler machten potenzielle Probanden auf unterschiedlichen Wegen auf die Smartphone-Studie aufmerksam. Am Ende hatten sie 49.000 Teilnehmer aus 50 Bundesstaaten der USA. Ab dem Augenblick der Einverständniserklärung wurde die Datenerhebung für sieben Tage lang live geschaltet.

Daten zur kardiovaskulären Gesundheit

Ziel war es zum einen, umfassende Daten zur kardiovaskulären Gesundheit zu erheben. Es ging aber auch darum, zu analysieren, wie gut eine solche App überhaupt für die Forschung geeignet ist: Bleibt eine hinreichend große Zahl an Teilnehmern am Ball, obwohl kein persönlicher Arztkontakt bestand? Nehmen sie die nötigen Eingaben vor? Funktioniert die Technik?

Im Großen und Ganzen beantworten die US-Wissenschaftler diese und andere Fragen mit einem klaren Ja. Von den knapp 49.000 Studienteilnehmern luden gut 40.000 tatsächlich Bewegungsdaten hoch, davon die Hälfte an zumindest vier von sieben Messtagen. Gut 4.500 Individuen beteiligten sich an allen sieben Tagen. Ähnlich viele absolvierten den 6-Minuten-Gehtest, der erst am siebten Tag von der App abgefordert wurde.

Bei den etwas mehr Engagement erfordernden Fragebögen waren die Quoten erwartungsgemäß niedriger: Gut 1.300 Teilnehmer oder 2,7 % füllten alle Felder aus, die nötig waren, um das „Herzalter“ und das kardiovaskuläre 10-Jahres-Risiko abzuschätzen.

Smartphone-basierte Studien funktionieren

Was die konkreten Messergebnisse angeht, so vermelden die Forscher, dass die Studienteilnehmer in ihrem normalen Alltag im Mittel 14,5 % der Zeit körperlich aktiv sind. Zusammenhänge zwischen dem Bewegungsverhalten und der per Fragebogen berichteten kardiovaskulären Gesundheit fanden sich nicht.

Insgesamt belege die Studie, dass Smartphone-basierte klinische Studien zur kardiovaskulären Gesundheit funktionierten, so die Autoren. Der Verhaltensforscher Bonnie Spring und zwei seiner Kollegen von der Universität Chicago, die die Arbeit in JAMA Cardiology kommentieren, sehen das ähnlich. Sie betonen vor allem, dass die neuen, sensorbasierten Technologien es ermöglichen, deutlich zuverlässigere Daten zum Lebensstil und insbesondere zur körperlichen Aktivität zu erheben.

Literatur