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17.10.2016 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Externe Trigger

Herzinfarkt – besondere Gefahr mit Wut im Bauch

Autor:
Veronika Schlimpert

Ärger oder emotionale Aufgebrachtheit sowie starke körperliche Anstrengungen sind externe Trigger für einen Infarkt, wie sich nun in einer großen internationalen Studie bestätigt hat. Besonders riskant ist demnach eine Kombination aus beiden Zuständen.

Mit Wut im Bauch, Sport zu treiben, könnte gefährlich werden. Denn in diesem Gemütszustand droht womöglich ein Herzinfarkt. Eine solche Assoziation legen zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Analyse der INTERHEART-Studie nahe. 

In dieser internationalen Fall-Kontroll-Studie waren jene Teilnehmer, die sich innerhalb der Stunde vor ihrem ersten Infarkt körperlich stark betätigten und emotionalem Stress bzw. Wut empfanden, einem besonders hohen Infarktrisiko ausgesetzt: Das Risiko war dann dreimal höher als zu einem Zeitpunkt, in dem diese beiden Bedingungen nicht gegeben waren (Odds Ratio, OR: 3,05). 

Internationale Studie

Generell berichteten die 12.461 im Mittel 58-jährigen Infarktpatienten häufig von Ärger und emotionaler Aufgebrachtheit oder körperlich starker Anstrengung in der Stunde vor dem Auftreten des Ereignisses (in einem von sieben Fällen). Den Studienautoren zufolge bestätigt diese Beobachtung, dass beide Zustände einen externen Trigger für einen Myokardinfarkt darstellen können.

Emotionale Aufgebrachtheit war mit einem 2,4-fach und starke Anstrengung mit einem 2,3-fach höherem Infarktrisiko assoziiert. Dieser Zusammenhang war unabhängig vom Alter, Rauchstatus, Blutdruck, von der körperlichen Baseline-Aktivität und anderen wichtigen kardiovaskulären Risikofaktoren.

Das zusätzliche Risiko durch körperliche Anstrengung und Ärger erklären sich die Studienautoren um Andrew Smyth von der Hamilton Klinik in Barton/Kanada mit der dadurch verursachten Aktivierung des Sympathikus, vermehrten Sekretion von Katecholaminen, der systematischen Vasokonstriktion sowie der Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck. 

Nur bei besonderen Voraussetzungen gefährlich

Die kanadischen Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass solche externen Trigger selbstverständlich nicht immer einen Herzinfarkt auslösen und sich individuell unterschiedlich auswirken könnten. Ein solches Ereignis passiere wahrscheinlich nur bei Vorhandensein biologisch aktiver Plaques, die anfällig für eine Plaque-Erosion seien, schreiben sie in der entsprechenden Publikation in the Circulation. 

Regelmäßige Bewegung weiterhin empfehlenswert

Des Weiteren betonen sie, dass nur schwere körperliche Anstrengungen das Infarktrisiko beeinflusst hätten, eine solche Assoziation aber nicht für eine normale körperliche Aktivität gelte. Ärzte sollten ihrer Ansicht nach ihre Patienten daher weiterhin zur regelmäßiger Bewegung motivieren, sie aber über das potenzielle Risiko kurzfristiger intensiver Anstrengungen aufklären. 

Die Studie bringt jedoch einige Limitationen mit sich, u. a. haben die Patienten selbst im Nachhinein über ihre Gemütszustände vor dem Infarkt Auskunft gegeben, wodurch die Angaben subjektiv sind. Eine Kausalität lässt sich aufgrund des beobachtenden Designs auch nicht ableiten.  

Literatur

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