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15.01.2019 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Bluthochdruck

Kognitive Defizite kündigen sich im MRT an

Autor:
Philipp Grätzel

Hyperintense Läsionen in der Kopf-MRT sind ein häufiger Nebenbefund bei Hypertoniepatienten. Eine Studie zeigt jetzt: Das Risiko manifester kognitiver Defizite korreliert mit dem MRT-Befund.

Dass ein erhöhter Blutdruck ein Risiko für die Entwicklung einer Demenz ist, ist bekannt. Der genaue Zusammenhang zwischen Blutdruck, kognitiver Funktion und jenen hyperintensen Läsionen, die bei vielen Bluthochdruckpatienten ein Zufallsbefund in Kopf-MRT-Untersuchungen sind, ist aber noch unklar.

Hier setzt eine Studie an, die Teil der epidemiologischen Hochdruck- und Schlaganfall-Studie ISSYS ist und bei der spanische Wissenschaftler 345 Männer und Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren knapp vier Jahre lang begleitet haben. Alle diese Patienten hatten zu Studienbeginn einen in der Regel medikamentös behandelten Bluthochdruck und wurden per Kopf-MRT sowie mit kognitiven Tests untersucht. Der durchschnittliche Blutdruck im Verlauf lag bei 145/77 mmHg. Keiner der Patienten litt bereits an Demenz oder hatte schon einen Schlaganfall hinter sich.

Während des Studienzeitraums entwickelt knapp einer von zehn Patienten milde kognitive Einschränkungen (MCI), die eine Vorstufe einer Demenz sein können. Das Risiko, eine MCI zu entwickeln, war dabei etwa sechsmal höher, wenn die Zahl der hyperintensen Läsionen insbesondere in der periventrikulären weißen Substanz zunahm. In der kognitiven Detailanalyse korrelierten die MRT-Läsionen mit einer Abnahme der kognitiven Gesamtfunktion sowie speziell der Exekutivfunktionen. Subjektiv symptomatisch waren all diese Patienten nicht.

Studienleiter Joan Jiménez Balado vom Vall d’Hebron Krankenhaus in Barcelona sieht das Studienergebnis als Anlass, noch stärker als bisher auf eine optimale Blutdruckeinstellung bei Hypertoniepatienten zu achten. Nur weil noch keine kognitiven Symptome aufträten, heiße das nicht, dass kein kognitiver Schaden entstehe.

Auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat die spanische Studie in dieser Richtung kommentiert. Prof. Bryan Williams vom University College London, der für die gemeinsamen Clinical Practice Guidelines von ESC und Europäischer Gesellschaft für Hypertonie (ESH) federführend verantwortlich ist, betonte, dass sich die Hypertonie zunehmend als zentraler Demenzrisikofaktor herauskristallisiere: „Es sieht immer mehr so aus, als ob ein erheblicher Anteil der Demenzen auf Blutgefäßschäden im Gehirn in Folge hohen Blutdrucks zurückgeht.“

Williams verwies auch auf eine Substudie der SPRINT-Studie, die gezeigt habe, dass eine effektive Absenkung von hohem Blutdruck sowohl das Risiko von Hirnschäden als auch den kognitiven Funktionsverlust reduzieren könne. Nötig sei jetzt eine große prospektive Studie, um die antihypertensive Therapie als erste effektive Demenzprävention wirklich zu etablieren.

Literatur