Nachrichten 03.02.2020

PAVK: Paclitaxel-Dosis macht auf der Kurzstrecke keinen Unterschied

Seit letztem Jahr steht der Verdacht im Raum, dass besonders Stents/Ballons mit hohen Paclitaxel-Dosen für PAVK-Patienten gefährlich sein könnten. In der deutschen COMPARE-Studie haben jetzt zwei medikamentenbeschichtete Ballons (DCB) vergleichbar gut abgeschnitten. Ist die Diskussion damit beendet?

Direkte Vergleiche unterschiedlicher medikamentenbeschichteter Therapiesysteme sind nach wie vor selten, zumal bei der PAVK. Die von PD Dr. Sabine Steiner von der Angiologie am Universitätsklinikum Leipzig geleitete COMPARE-Studie hat jetzt bei Patienten mit femoropoplitealer PAVK im Rutherford Stadium 2 bis 4 die interventionelle Therapie mit den In.Pact DCBs Admiral und Pacific von Medtronic verglichen mit einer Behandlung mit dem Ranger DCB von Boston Scientific. Die ersteren arbeiten mit einer hohen Dosis Paclitaxel (3,5 µg/mm²), während letztere ein System mit niedriger Dosis, nämlich 2,0 µg/mm2, darstellen.

Nichtunterlegenheit des Niedrigdosis-DCB bewiesen

Die Kohorte war mit 414 Patienten groß genug, um eine Stratifizierung nach Läsionslänge zu ermöglichen. Unterschieden wurden Läsionen bis 10 cm Länge, zwischen 10 und bis maximal 20 cm Länge sowie Läsionen über 20 und bis maximal 30 cm Länge. In jedem Stratum waren 138 Patienten.

Angelegt war die Studie auf Nichtunterlegenheit des DCB-Systems mit niedrigerer Dosis, wobei die primären Endpunkte Durchgängigkeit (primary patency) und Freiheit von schweren unerwünschten Ereignissen waren. Für die unerwünschten Ereignisse wurden prozedurenassoziierte Todesereignisse innerhalb eins Monats, Major-Amputationen und Revaskularisationen bis 12 Monate gezählt. Die Gesamtmortalität war ein sekundärer Endpunkt.

Diskussion: Ist die höhere Dosis gefährlicher?

Im Endergebnis konnte die Nichtunterlegenheit des Niedrigdosis-DCB problemlos demonstriert werden: Die Offenheitsraten lagen bei 81,5% bei den Hochdosis-DCB und bei 83,0% bei den Niedrigdosis-DCB. Ohne schwere unerwünschte Ereignisse blieben 92,6% bzw. 91,0%, beides übersetzte sich in einen p-Wert < 0,01 für Nichtunterlegenheit. Major-Amputationen gab es nicht. 2% der Patienten verstarben.

Die Studie gewinnt vor dem Hintergrund der im vergangenen Jahr geführten Diskussionen um Paclitaxel-beschichtete Stents und Ballons für periphere Interventionen an Bedeutung. In einer Metaanalyse war eine erhöhte Langzeitsterblichkeit beschrieben worden. Andere Analysen hatten das im Gefolge nicht gefunden. Doch mahnt insbesondere die FDA seither zur Vorsicht und plädiert stark für einen möglichst konsequenten Einsatz dieser Devices innerhalb klinischer Studien (wir berichteten).

5-Jahres-Follow-up soll Verdacht endgültig ausräumen

Eine Hypothese war, dass Stents/Ballons mit hoher Paclitaxel-Dosis vielleicht gefährlicher sein könnten. Die initiale Metaanalyse sprach dafür, andere Analysen eher dagegen. Die COMPARE-Studie hilft bei dieser Frage insofern noch nicht weiter, als bisher nur 12-Monats-Daten vorliegen.

Die Autoren betonen aber, dass sie im Gefolge der Paclitaxel-Diskussion das Studienprotokoll dahingehend angepasst haben, dass jetzt auch ein 5-Jahres-Follow-up bezüglich des Sicherheitsendpunkts sowie der Gesamtmortalität erfolgt. 

Literatur

Steiner S et al. COMPARE: prospective, randomized, non-inferiority trial of high- vs. low-dose paclitaxel drug-coated balloons for femoropopliteal interventions. Eur Heart J 2020; doi: 10.1093/eurheartj/ehaa049