Nachrichten 21.02.2020

PAVK-Patienten: Fitter mit Kakao?

Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) sollten womöglich öfter Kakao trinken. In einer kleinen randomisierten Studie hat das Heißgetränk eine erstaunliche Wirkung gezeigt.

In einer US-Studie mit 44 PAVK-Patienten über 60 Jahre konnten diejenigen, die sechs Monate lang dreimal täglich Kakao tranken, in einem sechminütigen Gehtest fast 43 Meter weiter gehen als vorher, im Gegensatz zu denjenigen, die ein Placebogetränk konsumierten. Bei den Kakaotrinkern zeigten sich eine bessere Durchblutung der Waden sowie eine verbesserte Muskelfunktion.

Bei Menschen mit PAVK seien in den Zellen der Wadenmuskulatur defekte Mitochondrien nachgewiesen worden, möglicherweise verursacht durch den reduzierten Blutfluss, so die leitende Autorin Prof. Mary McDermott von der Northwestern University in Chicago in einer Pressemitteilung der American Heart Association (AHA). Frühere Studien haben gezeigt, dass gesunde, aktive Mitochondrien mit einer besseren Gehfähigkeit assoziiert waren.

Erhöht Epicatechin die Aktivität der Mitochondrien?

Die Forscher um McDermott vermuten, dass Epicatechin, ein Hauptbestandteil des Flavanol im Kakao, die mitochondriale Aktivität bei PAVK-Patienten erhöhen und dadurch möglicherweise ihre Gehfähigkeit verbessern kann. Epicatechinen und Flavanolen wird zudem eine durchblutungsfördernde Wirkung nachgesagt.

Die Studienteilnehmer erhielten sechs Monate lang randomisiert entweder dreimal täglich Milch oder Wasser gemischt mit flavanolhaltigem Kakao (15g normales ungesüßtes Kakaopulver und 75 mg Epicatechin täglich) oder einem Placebopulver. Ihre Gehleistung wurde zu Studienbeginn und nach sechs Monaten gemessen, jeweils zweimal, zuerst 2,5 Stunden nach dem Verzehr des Getränks und noch einmal 24 Stunden danach. Sie mussten einen Laufbandtest absolvieren. Der Blutfluss in ihren Beinen wurde mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) gemessen. Bei Teilnehmern, die zustimmten, wurde zusätzlich eine Biopsie der Wadenmuskulatur durchgeführt.

Keine Daten zu sonstiger Ernährung der Teilnehmer

Neben der verbesserten Gehfähigkeit konnte die Arbeitsgruppe bei den Kakaotrinkern eine verbesserte Durchblutung, eine gesteigerte mitochondriale Aktivität und eine erhöhte Kapillardichte nachweisen. Auf die Leistungen beim Laufbandtest schien der Kakao keinen Einfluss zu haben.

Zu den Einschränkungen der Studie gehören die relativ kleine Anzahl an Teilnehmern und der Mangel an Daten zu den sonstigen Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer.

„Rezept für heiße Schokolade“

„Die aktuelle Studie legt nahe, dass Kakao eine neue Methode zur Behandlung von PAVK-Patienten sein könnte“, resümiert Dr. Naomi Hamburg von der Universität Boston in einem Begleitkommentar zur Studie. Größere Studien seien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen. „Wenn die Forschung das unterstützt, können wir unseren PAVK-Patienten vielleicht eines Tages ein Rezept für heiße Schokolade ausstellen“, so Hamburg.

Literatur

McDermott M et al. Cocoa to Improve Walking Performance in Older People With Peripheral Artery Disease: The Cocoa-Pad Pilot Randomized Clinical Trial. Circulation 2020. https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.119.315600

Hamburg N et al. Eating Chocolate to Improve Muscle Health and Walking Ability in Patients with Peripheral Artery Disease. Circulation 2020. https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.120.316614

AHA-Pressemitteilung: Cocoa could bring sweet relief to walking pain for people with peripheral artery disease. 14.02.2020.