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26.11.2018 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Ethnologische Studie deckt auf

Blutdruck steigt mit dem Alter – doch das ist keine Naturkonstante!

Autor:
Joana Schmidt

Mit zunehmendem Alter steigt der Blutdruck – das trifft in westlichen Ländern fast immer zu. Doch es ist keineswegs ein Naturgesetz. Eine ethnologische Studie liefert jetzt den Beweis, dass die Ernährung dafür ausschlaggebend ist.

Amerikanische Forscher untersuchten zwei Volksstämme, die zu den Ureinwohnern Südamerikas zählen. Beide leben in vergleichbarer Umgebung in Venezuela, unterscheiden sich aber in ihrer Ernährung.

Die Yanomami sind von der Außenwelt isoliert, sie leben von der Landwirtschaft. Sie essen hauptsächlich vegetarisch und salzarm. Die Yekwana dagegen haben durch einen kleinen Flughafen Kontakt zur westlichen Zivilisation. Dadurch gewöhnten sie sich an verarbeitete, salzhaltige Nahrung. Das hatte überraschende Auswirkungen auf ihre Gesundheit.

Durchschnittlicher Blutdruck der Naturvölker deutlich niedriger

Wissenschaftler der Bloomberg School of Public Health in Baltimore untersuchten 72 Personen des Yanomami-Stammes und 83 Angehörige des Yekwana-Stammes. Die Teilnehmer waren zwischen einem und 60 Jahren alt. Beide Gruppen unterschieden sich kaum in Durchschnittsalter, Geschlechterverteilung, Größe oder Gewicht.

Die Forscher maßen den Blutdruck der Versuchspersonen mit folgendem Ergebnis: Der durchschnittliche Wert der Yanomami war mit 95,4 mmHg systolisch und 62,9 mmHg diastolisch niedriger als bei den Yekwana. Deren Blutdruck lag im Durchschnitt bei 104,0 mmHg systolisch und 66,1 mmHg diastolisch. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Blutdruck in den USA beträgt 122/71 mmHg.

Blutdruck der Yanomami bleibt ihr Leben lang unverändert

Während sich die Blutdruckwerte beider Stämme bei kleinen Kindern noch kaum unterschieden, stiegen sie im Laufe des Lebens bei den Yekwana immer weiter an. Bei den Yanomami dagegen veränderten sich die Werte mit dem Älterwerden nicht. Zum Beispiel war im Alter von zehn Jahren der systolische Blutdruck bei den Yekwana durchschnittlich um 5,8 mmHg höher als bei den Yanomami. Im Alter von 50 Jahren lag die Differenz bereits bei 15,9 mmHg.

Die Ergebnisse zeigen, dass schon im Kindesalter die Basis dafür geschaffen wird, wie sich der Blutdruck im weiteren Lebensverlauf entwickeln wird. Auch in den USA steigt er bereits in jungen Jahren: bei Mädchen um 1,5 mmHg jährlich und bei Jungen um 1,9 mmHg. Bei Erwachsenen nimmt er um 0,6 mmHg pro Jahr zu.

Lebensstil rechtzeitig zum Positiven verändern

Auch wenn in der Studie nur eine kleine Personengruppe untersucht wurde, zeigt sie deutlich: Der Anstieg des Blutdrucks mit zunehmendem Alter ist nicht naturgegeben, sondern eine Folge westlicher Einflüsse. Die Ergebnisse bestätigen, wie sehr eine naturbelassene, ausgewogene Ernährung zum Schutz der Gesundheit beiträgt. Konkret bedeutet das: Viel Gemüse und Obst essen, aber wenig Fleisch und Salz, und vor allem stark verarbeitete Produkte meiden.

Bei den von den westlichen Lebensgewohnheiten beeinflussten Yekwana stieg der Blutdruck bereits im Kindesalter. Die Forscher betonen deshalb, dass schon bei Kindern der Lebensstil kritisch betrachtet und wenn nötig verändert werden sollte, um einen ungesunden Anstieg des Blutdrucks zu vermeiden.

Literatur

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