Nachrichten 05.07.2019

Gefäßverschlüsse: Sind Alternativen zum klassischen Gehtraining effektiver?

Bewegung hilft erwiesenermaßen bei verschlossenen Beinarterien. PAVK-Patienten wird oft empfohlen zu gehen, bis Schmerzen auftreten. Jetzt weist eine neue Studie darauf hin, dass sich mit alternativen Trainingsprogrammen auch gute Ergebnisse erzielen lassen.

Weltweit leiden rund 200 Millionen Menschen an peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK). Die eingeschränkte Durchblutung der Arterien erhöht das kardiovaskuläre Risiko: Innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose erleiden rund 20% der Patienten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und ein hoher Cholesterinspiegel sind Risikofaktoren für PAVK. Etwa 30% der Betroffenen haben beim Gehen Claudicatio-Beschwerden. Um Symptome, Mobilität und Lebensqualität der Patienten zu verbessern, sollten sie sich gesund ernähren, abnehmen, ggf. aufhören zu rauchen und sich regelmäßig bewegen.

Schmerzen beim Training könnten Patienten abschrecken

In einer neuen Studie wurde jetzt verglichen, ob das traditionelle Gehtraining oder ein alternatives Trainingsprogramm bessere Ergebnisse bei den Patienten erzielt. Bei der traditionellen Variante sollten Patienten gehen, bis sie Schmerzen verspürten, dann pausieren, bis diese abgeklungen waren, und anschließend nochmals gehen. Zum alternativen Programm gehörten schmerzfreies Gehen, Arm-Ergometer-Training, Krafttraining, Zirkeltraining, Aerobic-Übungen für die Beine und Gehen mit Stöcken.

„Untersuchungen haben gezeigt, dass das oft empfohlene Training, Gehen bis Schmerzen auftreten, die Lebensqualität der Patienten verbessert. Sie können dadurch weitere Distanzen bewältigen“, erklärte Studienautor Edward Lin von der Universität Toronto, Kanada in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology (ESC). Viele PAVK-Patienten bewegen sich jedoch wenig oder gar nicht, möglicherweise habe die Aussicht auf Schmerzen beim Training eine abschreckende Wirkung, so Lin. Neuere Studien haben gezeigt, dass schmerzfreies Training genauso wirksam sei, Patienten jedoch nicht immer die Möglichkeit dazu erhalten.

Adhärenz bei alternativen Trainingsprogrammen um 8% höher

Die Forscher um Lin untersuchten, welche der beiden Varianten über mindestens vier Wochen bessere Ergebnisse erzielte, indem sie verglichen, wie viele Patienten ihr Trainingsprogramm einhielten und abschlossen. Sie analysierten 84 Studien mit insgesamt 4.742 Patienten, die 64 traditionelle Gehprogramme und 58 alternative Trainings absolvierten. Bei den alternativen Bewegungsformen war die Abschlussrate im Vergleich zum traditionellen Gehtraining um 6% höher (80,8% gegenüber 86,6%) und die Adhärenz war um 8% höher (77,6% gegenüber 85,5%).

Die Studienautoren plädieren für einen individuellen Trainingsplan, der sich an Einschränkungen und Präferenzen des Patienten orientiert. „Schmerzen sind bei Menschen mit PAVK kein notwendiger Bestandteil des Trainings“, so Lin. „Wenn Patienten es vorziehen, nicht bis an ihre Schmerzgrenze zu gehen, können sie zu einer schmerzfreien Alternative ermuntert werden, die ihnen Spaß macht. Das dürfte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie ihren Trainingsplan auch langfristig einhalten.“

Literatur

Lin E et al. Completion and adherence rates to exercise interventions in intermittent claudication: Traditional exercise versus alternative exercise – a systematic review. European Journal of Preventive Cardiology 2019. https://doi.org/10.1177/2047487319846997

 ESC-Pressemitteilung: Study challenges “no pain no gain” requirement for patients with clogged leg arteries. 20.6.2019

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Bildnachweise
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org