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03.01.2017 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Familienstand beeinflusst Prognose

Verheiratete Schlaganfall-Patienten überleben länger

Autor:
Veronika Schlimpert

Für alleinlebende Menschen sind die Überlebenschancen nach einem Schlaganfall schlechter als für Verheiratete.  Selbst eine erneute Heirat nach einer Scheidung oder dem Verlust des Ehepartners geht noch immer mit einer schlechteren Prognose einher.

Wer verheiratet ist, hat offenbar bessere Chancen, einen Schlaganfall zu überleben. Diese Erkenntnis kommt nicht völlig überraschend, denn schon häufiger wurde in zumeist retrospektiven Studien eine Assoziation zwischen dem Familienstand und dem Gesundheitsstatus festgestellt.

Nun haben US-amerikanische Wissenschaftler erstmals prospektiv untersucht, wie sich der Familienstand auf die Prognose von Schlaganfall-Patienten auswirkt. Dafür haben sie eine repräsentative Stichprobe mit 2.351 über 40-jährigen US-amerikanischen Personen im Mittel 5,3 Jahre lang nachverfolgt. Alle Teilnehmer hatten angegeben, einen Schlaganfall überlebt zu haben.

Zweite Ehe bringt  kein Überlebensvorteil

Und prompt ergab sich auch hier ein Überlebensvorteil für Patienten, die ihr Leben mit einem Partner bzw. Partnerin verbringen. Schlaganfall-Patienten, die niemals eine Ehe eingegangen sind, hatten im Vergleich zu Verheirateten ein um 71% erhöhtes Risiko, zu versterben; für Geschiedene stieg das Risiko um 23% und für Verwitwete um 25%. Selbst Personen, die nach einer Scheidung eine erneute Ehe eingegangen waren, hatten mit einem Sterberisiko von 23% eine schlechtere Prognose als dauerhaft Verheiratete.

Und ganz besonders schlechte Karten hatten Teilnehmer, die in ihrem bisherigen Leben mehrere Scheidungen oder Verluste des Ehepartners erlebt hatten – selbst wenn sie danach erneut geheiratet haben (Hazard Ratio, HR: 1,41).

Sozioökonomische und psychologische Einflüsse

Dass sich ein beständiges Eheleben auf die Gesundheit der Eheleute und hier im Besonderen auf die Schlaganfall-Prognose positiv auswirkt, erscheint einleuchtend. Eine Rolle hierbei scheinen sicherlich sozioökomische Faktoren zu spielen, wie ein in der Regel höheres Einkommen von Eheleuten im Vergleich zu Alleinlebenden. Doch selbst nach Adjustierung auf sozioökonomische Faktoren bleibe das Risiko für Alleinlebende erhöht, schreiben die Studienautoren. Sie vermuten deshalb, dass sich psychologische Faktoren wie die emotionale Unterstützung des Partners in solch lebensbedrohlichen Situationen auf den Gesundheitsstatus der betroffenen Person vorteilhaft auswirken.

Andersherum ist anzunehmen, dass der Verlust eines Partners Stress, Depressionen und diverse andere Mechanismen in Gang setzt, die sich nachteilig auswirken. Doch selbst wenn der Zusammenhang zwischen Ehestatus und Schlaganfall-Prognose nachzuvollziehen ist, lässt sich aus solchen Daten keine Kausalität ableiten. Und bei solchen Studiendaten stellt sich auch immer die Frage nach der praktischen Konsequenz. Der Ehestatus lässt sich als „Risikofaktor“ wohl kaum kurzfristig verändern.  

Literatur