Nachrichten 14.01.2020

Neue Medizin-Gadgets – (nicht nur) für Freaks

Schicke Tools für die EKG- und Blutdruckmessung, diverse Lösungen zur Überwachung des Schlafs und eine Art Schweizer Taschenmesser für den Telemediziner – das sind nur einige Neuerungen aus dem eHealth-Kosmos, die bald auch nach Deutschland kommen dürften.

Die Consumer Electronics Show (CES), die traditionell Anfang Januar in Las Vegas stattfindet, ist das globale Gipfeltreffen für Unterhaltungselektronik und Mobilität der Zukunft. Aber nicht nur: Seit Jahren wächst dort die Bedeutung der digitalen Gesundheitsanwendungen. Mittlerweile gibt es gleich mehrere messebegleitende Kongresse, die sich mit Gesundheit, Fitness und Wellness auseinandersetzen und bei denen nicht nur Startups, sondern auch Fachgesellschaften und die FDA Präsenz zeigen. Entsprechend breit war das Spektrum neuer Anwendungen, die es zu bestaunen gab.

Businesstaugliche Watch mit Ein-Kanal-EKG

Ziemlich sicher auch in Arztpraxen in Deutschland auftauchen dürften zwei neue Armbanduhren. In Las Vegas Weltpremiere feierte die ScanWatch von Withings, die auf der Apple Watch Welle reitet. Sie kann per Auflegen eines Fingers ein echtes Ein-Kanal-EKG ableiten und unterschiedliche Warnmeldungen hinsichtlich möglicher Herzrhythmusstörungen einschließlich einer expliziten Warnung von Vorhofflimmern generieren. Zusätzlich ist die Uhr in der Lage, die Sauerstoffsättigung aufzuzeichnen. Dies geht auch nachts und automatisch, daher eignet sich die Uhr, die in Kürze in Deutschland auf den Markt kommen soll, potenziell als ein Screening-Tool für Schlafapnoe.

 Zu den Vorteilen zählt, dass der Akku angeblich bis zu 30 Tage hält. Außerdem folgt der französische Hersteller stark dem traditionellen Schweizer Uhrendesign. Die Uhr ist also businesstauglich.

Stirnband misst elektrische Hirnaktivität

Für die Schlafapnoe-Diagnostik gab es in Las Vegas noch eine weitere interessante Innovation zu sehen. Während sich mit der Sauerstoffsättigung nur Screening-Szenarien umsetzen lassen, zielt ein neues Stirnband des Unternehmens Dreemer auf eine EEG-ähnliche Diagnostik anhand der elektrischen Hirnaktivität. Das Stirnband wurde in einer bisher nur auf einem Preprint-Server veröffentlichten Studie direkt mit der Polysomnografie – dem diagnostischen Goldstandard – vergleichen. Die Studie zeigte, dass die Klassifikation nach Schlafstadien ähnlich zuverlässig gelingt wie mit der Polysomnograpfe.

Manschettenloses Blutdruckmessgerät 

Seit einigen Wochen bereits in Deutschland erhältlich ist der HeartGuide von Omron, der in Las Vegas ebenfalls prominent präsentiert wurde. Mit ihr lässt sich der Blutdruck beliebig häufig und in nahezu jeder Lebenssituation ermitteln, und zwar ohne zusätzliche Manschette. Omron-Chef Ranndy Kellogg sieht die Uhr nicht zuletzt als ein Motivationsinstrument für Lebensstiländerungen: „Die Menschen können damit jederzeit kontrollieren, wie sich ihre Alltagsbeschäftigungen konkret auf den Blutdruck auswirken.“

Blutdruckmessung via Kopfhörer

Ähnliches schwebt auch dem Unternehmen Valencell vor, das die – von vielen Wearables für die Messung der Sauerstoffsättigung und der Herzfrequenz genutzte – Photoplethysmographie (PPG) für eine Blutdruckmessung im Ohr nutzt. Das Ganze ist konzipieret als Teil kommerzieller In-Ohr-Kopfhörer, denn Valencell ist Zulieferer und Technologiepartner zahlreicher etablierter Kopfhörerhersteller. Der Blutdruck-Algorithmus wurde an über 5.000 Patienten trainiert und an nochmal so vielen validiert, sodass er laut Hersteller zuverlässiger sein soll als andere PPG-basierte Blutdruck-Wearables. Für Valencell-Chef Steven LeBoeuf ist die Verknüpfung von tragbarer Sensorik und künstlicher Intelligenz wegweisend: „Die Zukunft der Wearables sind nicht so sehr neue Modalitäten. Es wird darum gehen, existierende Modalitäten besser zu nutzen“, sagte er in Las Vegas.

Multidiagnose-Tool gewinnt Gadget-Preis

Auch den unter IT-Jüngern begehrten CES-Preis „Last Gadget Standing“ hat in diesem Jahr ein medizinisches Gerät eingeheimst. MedWand ist ein grob straußeneigroßes Diagnosewerkzeug, das dafür gedacht ist, im Rahmen von ärztlichen Videosprechstunden genutzt zu werden. Es handelt sich um eine Art Schweizer Taschenmesser für den Tele-Arzt.

MedWand vereinigt diverse diagnostische Prozeduren, die der Patient jeweils unter Anleitung des Videodoktors selbst an sich durchführt. Dazu gehören ein EKG, eine Stethoskop-Funktion und ein PPG-Sensor für die Sauerstoffsättigung, aber auch einige kardiologiefernere Modalitäten.

So gibt es eine leistungsfähige Kamera, die nicht nur Hautbefunde übermittelt, sondern mit Aufsätzen in ein Otoskop und einen Rachenspiegel verwandelt werden kann. Eine Infrarotkamera ist für augenärztliche Fragestellungen gedacht, und natürlich kann auch die Temperatur gemessen werden. Das Gerät richtet sich nicht an den gesundheitlich besorgten Normalbürger, sondern soll eher im Rahmen von Nachsorgeszenarien nach Krankenhausaufenthalt oder bei chronisch kranken Menschen mit speziellem Überwachungsbedarf in Aktion treten. Denkbar ist auch der Einsatz in telemedizinischen Situationen, in denen Pflegekräfte der primäre Anlaufpunkt des Patienten sind.

Literatur

Consumer Electronics Show 2020, 7. bis 10. Januar 2020 in Las Vegas.

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Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen