Nachrichten 08.02.2021

Vorübergehende Herzaktivität bei Sterbenden häufiger als gedacht

Lebenserhaltende Maschinen werden abgeschaltet, der Puls setzt aus, doch dann schlägt das Herz plötzlich wieder – das scheint es häufiger zu geben. Wie es einzuordnen ist und wie lange bis zur Feststellung des Todes wirklich gewartet werden sollte, war Thema einer neuen Studie.

Bei schwer erkrankten Patienten, deren Puls nach dem geplanten Beenden lebenserhaltender Maßnahmen zunächst ausgeblieben war, hatte die Herzaktivität in 14% der Fälle noch einmal eingesetzt, zeigt eine neue Studie. Meist dauerte sie jedoch nur wenige Sekunden.

Ein internationales Forscherteam hatte sich mit dem Phänomen beschäftigt, weil Geschichten über Menschen, die nach Feststellen des Todes wieder Lebenszeichen gezeigt hätten, nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch unter Medizinern kursierten. Um Organspende zu fördern, wollten sie mithilfe wissenschaftlicher Daten Mythen und Missverständnisse zerstreuen.

67 Patienten zeigten erneute Herzaktivität

Dafür analysierten die Forscher um Dr. Sonny Dhanani von der Universität Ottawa Daten von knapp 2.000 Intensivpatienten, die in 20 verschiedenen Kliniken in Kanada und Europa verstorben waren. Nachdem die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet worden waren, wurden die Patienten nach Feststellung des Todes 30 Minuten lang überwacht. Anhand von Berichten von Ärzten und EKG-Aufzeichnungen wurde festgestellt, ob, wann und wie lange ihr Herz nochmals aktiv wurde.

Gut 630 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. Nur bei fünf Personen (1%) wurde eine Wiederaufnahme der Herzaktivität oder Atembewegung am Krankenbett bemerkt. Die EKG-Analyse von 480 Patienten ergab, dass in 67 Fällen (14%) das Herz nach einem Pulsverlust noch einmal aktiv geworden war. Die längste Zeit ohne Puls, bevor das Herz wieder Anzeichen von Aktivität zeigte, betrug vier Minuten und 20 Sekunden. Die Dauer der wieder aufgenommenen Herzaktivität lag zwischen einer Sekunde und 13 Minuten und 14 Sekunden, im Schnitt bei 3,9 Sekunden.

Trotzdem sind alle Patienten verstorben

In solch einer Situation sei es wichtig, abzuwarten, bis der Herzschlag wieder stoppe, und dann weitere fünf Minuten zu warten, um eine Aktivität auszuschließen, bevor der Tod festgestellt werde, so Dhanani und Kollegen. Sie betonen, dass keiner der Patienten aufgewacht oder wiederbelebt worden sei, alle seien verstorben. Auch wenn sie die Häufigkeit der erneuten Herzaktivität überrascht habe, zeige das, dass möglicherweise mit solchen Phänomenen zu rechnen sei und diese nicht überbewertet werden sollten.

Ungefähr 70% der Organspenden erfolgen nach dem Hirntod, aber immer mehr auch nach Feststellung des Herz-Kreislauf-Todes. In Deutschland wird nach Apnoe und Pulsverlust zehn Minuten abgewartet, bis der Tod erklärt wird, in Kanada sind es nur fünf Minuten. Dhanani sehen in ihren Ergebnissen eine Bestätigung der Fünf-Minuten-Regel, da nach dieser Zeitspanne keine Herzaktivitäten mehr beobachtet worden seien. Möglicherweise sind die Ergebnisse aber nicht generalisierbar, da es sich nur um eine geringe Anzahl an Studienteilnehmern handelt.


Literatur

Dhanani S et al. Resumption of Cardiac Activity after Withdrawal of Life-Sustaining Measures. New England Journal of Medicine 2021. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2022713