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30.05.2018 | Herz und Gefäße | Nachrichten

Extremphysiologie

Weltraum-Trip vergrößert linken Vorhof

Autor:
Philipp Grätzel

Wenn Sie das nächste Mal länger im Weltraum sind, sollten Sie nachher eine Echokardiografie machen lassen. Es sieht so aus, als ob nicht nur Ihre Muskelmasse abnimmt, sondern auch Ihr Vorhof größer wird. Ob das klinisch relevant ist, bleibt unklar.

Diese klinische Studie dürfte Spaß gemacht haben: Kardiologen um Htet W. Khine von der University of California in San Diego und Professor Benjamin D. Levine von der Universität Texas haben bei 13 Astronauten, die sich längere Zeit auf die internationale Raumstation begaben, vor und nach dem Aufenthalt eine kardiale MRT-Untersuchung durchgeführt. Sie haben dabei unter anderem die Größe des linken Vorhofs ausgemessen.

Zusätzlich wurden vor und nach, aber auch während des Weltraumaufenthalts Langzeit-EKGs angefertigt. Hintergrund der Studie ist, dass die Inzidenz von Vorhofflimmern bei den stark trainierten Astronauten mit 5 Prozent etwas höher ist als bei Nicht-Astronauten der gleichen Altersstufe – wahrscheinlich und ähnlich wie Spitzensportlern als Folge des intensiven Trainings.

Die Frage lautete also, ob sich Weltraumaufenthalte – bei denen es wegen Flüssigkeitsverschiebungen unter Schwerelosigkeit zu einer temporären Vergrößerung des Herzens kommt – zusätzlich ungünstig auf die rhythmologische Gesundheit auswirken.

Berufskrankheit von Astronauten?

Vorhofflimmern als Berufskrankheit im Weltraum, sozusagen, oder künftig als Komplikation des Weltraumtourismus? Die Ergebnisse sind nicht eindeutig. Was die Kardiologen zeigen konnten war, dass das Volumen des linken Vorhofs unmittelbar nach einem sechsmonatigen Weltraumaufenthalt im Mittel um statistisch signifikante 12 ml größer ist als vorher.

Die Größe des rechten Vorhofs war unverändert, und echokardiografische Hinweise auf eine beeinträchtigte Funktion der Vorhöfe fanden sich nicht. Auch die Vorhofgrößenzunahme war nicht von Dauer: Nach ein paar Wochen war alles wieder wie vorher. Parallelen zur temporären Abnahme der Skelettmuskelmasse im Rahmen von Weltraumaufenthalten drängen sich da natürlich auf.

Was die rhythmologische Situation angeht, wurde der Arbeitsaufenthalt im Weltraum von den Astronauten jedenfalls überwiegend gut verkraftet. Es fanden sich teilweise leichte Veränderungen der P-Welle-Elektrophysiologie als Hinweis auf Vorhofleitungsstörungen. Supraventrikuläre Extrasystolen waren aber bei 12 der 13 Astronauten weder im Weltraum noch im Anschluss daran unten auf der Erde häufiger.

Beim dreizehnten Astronaut verzeichnete das Langzeit-EKG deutlich mehr ektope Erregungen. Aber: Keiner der dreizehn Astronauten entwickelte während oder unmittelbar nach dem Weltraumaufenthalt Vorhofflimmern.

Literatur