Nachrichten 19.08.2021

GFR-Abfall unter SGLT2-Hemmer-Therapie nur vorübergehend

Nach Beginn einer SGLT2-Hemmer-Therapie kann es zu einem Abfall der GFR kommen. Das hat im Praxisalltag zum Teil für Bedenken gesorgt. Einer neuen Analyse zufolge muss man sich aber offenbar keine Sorgen über dauerhafte Folgen machen.

Wenn nach Beginn einer SGLT2-Hemmer-Therapie die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) etwas abnimmt, ist das offenbar kein Grund zur Sorge. Laut einer gepoolten Auswertung der EMPERIAL-Studien mit Empagliflozin ist dieser initiale Rückgang nur minimal ausgeprägt und offenbar ein vorübergehendes Phänomen.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der initiale eGFR-Abfall mit Empagliflozin bei Menschen mit einer Herzinsuffizienz und anfänglichen eGFR von ≥ 20 mL/min/1,73 m², einschließlich derer mit erhaltener Ejektionsfraktion und derer ohne Diabetes, gering ausgefallen war und sich nach Therapieunterbrechung wieder umgekehrt hat“, berichten die Studienautoren um Prof. Stefan Anker von der Charité Berlin. Dies deute darauf hin, dass es sich um eine kurzzeitige, reversible Arzneimittelwirkung handele, so das Fazit der Kardiologen.  

Auswirkungen für vulnerable Patienten?

Anker und Kollegen haben im Rahmen der beiden Studien EMPERIAL-Reduced und EMPERIAL-Preserved untersucht, wie sich die geschätzte GFR (eGFR) der Patienten unter der SGLT2-Hemmer-Therapie im Vergleich zu Placebo entwickelt. Grund für ihre Fokussierung auf diesen Laborwert waren Bedenken aus der Praxis, dass der zu beobachtende initiale GFR-Abfall gerade für vulnerable Patienten, z.B. solche mit Herzinsuffizienz, problematisch sein könnte.

In EMPERIAL-Reduced wurden 311 Patienten mit einer Herzinsuffizienz und reduzierter EF ≤ 40%, also einer HFrEF, randomisiert entweder mit Empagliflozin 10 mg oder Placebo behandelt für insgesamt zwölf Wochen, gefolgt von einer Woche Follow-up, nachdem die Therapie unterbrochen wurde. In EMPERIAL-Preserved wurde dasselbe Schema angewendet, mit dem Unterschied, dass HFpEF-Patienten mit einer erhaltenen EF > 40% eingeschlossen waren, insgesamt 315. Alle Teilnehmer in beiden Studien wiesen zu Therapiebeginn eine eGFR von ≥ 20 mL/min/1,73 m² auf. Für die aktuelle Analyse wurden die Daten von 626 Patienten gepoolt; 43,5% von ihnen hatten keinen Typ-2-Diabetes.

eGFR steigt nach Therapieunterbrechung wieder an

Innerhalb der ersten sechs Wochen nahm die eGFR der mit Empagliflozin behandelten Patienten im Mittel um 2,3 mL/min/1,73 m² ab im Vergleich zur Entwicklung in der Placebo-Gruppe. Nach 12 Wochen war die eGFR im Schnitt um 3,3 mL/min/1,73 m² gesunken. Nach Therapieunterbrechung normalisierte sich die eGFR bei den Patienten, die mit dem SGLT2-Hemmer behandelt worden waren, wieder: Ihre eGFR stieg innerhalb dieser Woche um 3,9 mL/min/1,73 m² an vs. – 0,3 mL/min/1,73 m² in der Placebo-Gruppe. Dieses GFR-Verhaltensmuster ließ sich über die unterschiedlichen Subgruppen hinweg beobachten, unabhängig von der EF oder eGFR-Kategorie zu Beginn und dem Diabetesstatus der Patienten.

Keine kurzfristigen Auswirkungen auf Nierengesundheit

Ebenfalls beruhigend ist, dass der kurzfristige eGFR-Abfall in den Studien keine Auswirkungen auf die Nierengesundheit der Patienten hatte. Eine akute Niereninsuffizienz kam unter der SGLT2-Hemmer-Behandlung nicht häufiger vor als unter Placebo (8 vs. 9 Fälle). Die Autoren weisen zwar darauf hin, dass aufgrund der kurzen Beobachtungsdauer keine Aussagen über langfristigen Folgen möglich sind. Allerdings sprechen die Ergebnisse der EMPEROR-Reduced-Studie nicht für negative, sondern eher für positive Effekte der SGLT2-Hemmer-Therapie für die Nierengesundheit. Empagliflozin habe in der Studie sowohl das kardiale als auch das renale Outcome von Erwachsenen mit einer Herzinsuffizienz und reduzierter EF gesenkt, unabhängig von dem Vorliegen eines Diabetes oder einer chronischen Nierenerkrankung, erinnern Anker und Kollegen an die Hauptergebnisse der im letzten Jahr publizierten Studie.

Weitere Erkenntnisse erwarten sich die Kardiologen von der EMPEROR-Preserved-Studie, deren Ergebnisse in einer Woche beim ESC-Kongress vorgestellt werden, und von der EMPA-KIDNEY-Studie.

Literatur

Anker S et al. Kidney Function After Initiation and Discontinuation of Empagliflozin in Heart Failure Patients With and Without Type 2 Diabetes: Insights From the EMPERIAL Trials; Circulation 2021; https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.121.054669

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