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01.07.2019 | Herz und Niere | Nachrichten

Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Evolocumab

PCSK9-Hemmer senkt kardiale Mortalität bei chronischer Nierenerkrankung

Autor:
Dr. Susanne Kressenstein

Bei Atherosklerose reduziert der PCSK9-Hemmer Evolocumab in Kombination mit Statinen deutlich das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse. Auch Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion profitieren von der Therapie mit diesem monoklonalen Antikörper. Die Nierenfunktion wird unter der Behandlung nicht beeinträchtigt.

Im Rahmen der FOURIER-Studie wurde die Wirkung des PCSK9-Inhibitors Evolocumab an rund 27.500 Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und LDL-C-Spiegeln von über 70 mg/dl evaluiert. Kombiniert mit Statinen verabreicht, konnte dieser Cholesterinsenker Herzinfarkte, Schlaganfall und kardiovaskulär bedingte Todesfälle deutlich reduzieren.

Beeinträchtigt Evolocumab die Nierenfunktion?

Unklar war bislang aber, in welchem Maße und wie sicher Evolocumab bei Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion wirkt, ob es einen Unterschied zwischen der Wirkung und dem Grad der Niereninsuffizienz gibt und ob der PCSK9-Hemmer die Funktion der Nieren beeinträchtigt. Der Senkung der Cholesterinwerte kommt bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion große Bedeutung zu, da Niereninsuffizienz eng mit dem Auftreten von Herzproblemen assoziiert ist. Je niedriger die glomeruläre Filtrationsrate, umso höher ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Deswegen wurde in der vorliegenden Auswertung die Wirkung von Evolocumab in Abhängigkeit von der Nierenfunktion untersucht.

Statine schützen bei Niereninsuffizienz deutlich schlechter

Der protektive Effekt einer Cholesterinsenkung durch Statine auf die Sterblichkeit ist bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen und insbesondere bei denjenigen, die eine Nierenersatztherapie benötigen, deutlich schwächer als bei Patienten ohne Nierenerkrankung. Dies liegt vermutlich daran, dass Patienten mit einer derart schlechten Nierenfunktion nicht nur an Atherosklerose sterben, sondern häufiger auch an Arrhythmien und Infektionen.

Als primärer Endpunkt der vorliegenden Auswertung wurde der kardiovaskuläre Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und Klinikeinweisung wegen einer Revaskularisierung oder einer instabilen Angina pectoris festgelegt. Als „entscheidender“ sekundärer Key-Endpunkt wurde kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall definiert. Rund 15.000 Patienten wiesen eine Niereninsuffizienz im Stadium 2 auf und etwa 4.400 im Stadium 3 oder höher. Die restlichen 8.100 Studienteilnehmer hatten keine eingeschränkte Nierenfunktion.

Nach 48 Wochen war unter der Behandlung mit dem PCSK9-Hemmer der Wert für LDL-C im Vergleich zu den Patienten der Placebogruppe bei allen Teilnehmern unabhängig von der Nierenfunktion gleichermaßen um rund 59 Prozent gesunken. Auch das Sicherheitsprofil des PCSK9-Inhibitors war vergleichbar. Unerwünschte Nebenwirkungen, wie beispielsweise ein Rückgang der glomerulären Filtrationsrate, traten nur selten und unabhängig von der Nierenfunktion auf.

Patienten mit einer ausgeprägten chronischen Nierenstörung profitieren am meisten

Auch die relative Minderung des Risikos war sowohl was den primären, als auch was den sekundären Endpunkt betrifft, bei allen Verum-Teilnehmern gleich hoch. Bei einer niedrigeren glomerulären Filtrationsrate kommt es generell häufiger zu gefährlichen Komplikationen. Unter der Therapie mit Evolocumab zeigte sich aber, dass gerade Patienten mit einer ausgeprägten Niereninsuffizienz deutlich seltener an einem kardiovaskulär bedingten Tod verstarben oder einen Herzinfarkt oder Schlafanfall erlitten als die Patienten der Placebogruppe.

Literatur

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