Nachrichten 11.08.2022

Aldosteron-Blockade – Option auch für Nierenkranke ohne Diabetes?

Höhere Aldosteron-Serumspiegel gingen in einer Studie mit einer beschleunigten Progression einer bestehenden Nierenerkrankung einher – unabhängig von einer Diabeteserkrankung. Das lässt vermuten, dass auch Nierenkranke ohne Diabetes von einer Aldosteron-Blockade profitieren könnten.

Dass eine Hemmung des durch Aldosteron aktivierten Mineralkortikoid-Rezeptors (MR) durch den MR-Antagonisten Finerenon die Progression von chronischen Nierenerkrankungen signifikant verlangsamt, ist jüngst in den Studien FIDELIO-DKD und FIGARO-DKD gezeigt worden. Daran waren ausschließlich Patientinnen und Patienten mit Diabetes beteiligt.

Eine neue Studie liefert nun Anhaltspunkte dafür, dass eine MR-antagonistische Therapie auch bei nierenkranken Patienten ohne Diabetes von Nutzen sein könnte. Nach ihren Ergebnissen nahm mit der Höhe der Aldosteron-Serumkonzentration bei Patienten mit manifester Nierenerkrankung auch das Risiko zu, dass sich bei ihnen die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGRF) massiv abnahm oder sich ein terminales Nierenversagen entwickelte. Eine wichtige Beobachtung: Das Risiko für eine beschleunigte Krankheitsprogression war im Fall höherer Aldosteron-Spiegel bei Patienten mit und ohne Diabetes gleichermaßen erhöht.

„Mechanistischer Rückhalt“ für Progressionsverzögerung durch MR-Antagonisten

Die Ergebnisse „liefern mechanistischen Rückhalt für die Progressionsverzögerung durch MR-Antagonisten bei Nierenerkrankungen“, schlussfolgern die Studienautoren um Dr. Ashish Verma von der Boston University School of Medicine. Darüber hinaus bestärkten sie die Vermutung, dass MR-Antagonisten auch bei Nierenkranken ohne Diabetes von therapeutischer Bedeutung sein könnten.

Für die Studie hat die Gruppe um Verma Daten von 3.680 Teilnehmern (44,7% Frauen) einer prospektiven Beobachtungsstudie (Chronic Renal Insufficiency Cohort), im Rahmen derer Patienten mit bekannter chronischer Nierenerkrankung untersucht worden sind, herangezogen. Geklärt werden sollte, in welcher Beziehung bei ihnen die Aldosteron-Serumspiegel zur Progression der Nierenerkrankung (festgemacht an den Endpunkten eGRF-Abnahme um 50% oder Entwicklung eines terminalen Nierenversagens) stand.

Zu Studienbeginn betrug die mediane Aldosteron-Serumkonzentration der Teilnehmer 10 ng/dl. Höhere Aldosteron-Konzentrationen waren zu diesem Zeitpunkt mit einer niedrigeren eGFR und niedrigeren Serumkalium-Spiegeln sowie einer höheren Kalium- und Proteinausscheidung im Urin assoziiert.

Im Studien-Follow-up (im Median 9,6 Jahre) wurde bei 1.412 Teilnehmern eine Progression der Nierenerkrankung festgestellt, die sich in 1.129 Fällen als Entwicklung eines terminalen Nierenversagens manifestierte.

Höheres Progressionsrisiko bei höheren Aldosteron-Spiegeln

In einem voll adjustierten Analysemodell zeigte sich, dass diejenigen Patienten mit den relativ höchsten Aldosteron-Serumspiegeln (oberste Quartile) ein um 45% höheres Risiko (Hazard Ratio, HR: 1,45) für eine Krankheitsprogression hatten als Patienten mit den relativ niedrigsten Aldosteron-Werten (unterste Quartile). Mit jeder Verdopplung der Aldosteron-Serumkonzentration erhöhte sich das Risiko einer Progression relativ um 11% (HR: 1,11). Ob bei den Patienten ein Diabetes bestand oder nicht, machte im Hinblick auf die Risikozunahme keinen Unterschied (p-Wert für Interaktion = 0,10).

Randomisierte Studie bei Nierenkranken ohne Diabetes läuft bereits

Angesichts dieser Ergebnisse hält die Gruppe um Verma die Zeit für gekommen, MR-Antagonisten nun auch bezüglich ihres möglichen klinischen Nutzens bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen ohne Diabetes zu testen. Auf eine bereits angelaufene randomisierte Studie zur Klärung dieser Frage kann sie schon jetzt verweisen: In der FIND-CKD-Studie wird derzeit geprüft, ob Finerenon auch die – primär anhand der eGFR-Veränderung erfasste – Progression von nicht mit Diabetes einhergehenden Nierenerkrankungen verzögert. Gemäß Studienplanung sollen daran 1.580 Patientinnen und Patienten teilnehmen.

Literatur

Verma S. et al. Aldosterone in chronic kidney disease and renal outcomes. Eur Heart J 2022, ehac352;  https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehac352

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