Nachrichten 07.04.2020

Nierenerkrankungen – bald die nächste Indikation für Dapagliflozin?

Das Antidiabetikum Dapagliflozin ist auf dem besten Weg, sein Indikationsspektrum erneut zu erweitern: Außer bei Diabetes und Herzinsuffizienz scheint der SGLT2-Hemmer auch bei Nierenerkrankungen von Nutzen zu sein. Den Beleg dafür hat eine Studie wohl früher als geplant erbracht.

Der Studiensponsor AstraZeneca meldet eine „überragend hohe Wirksamkeit“. Sie sei der Grund, dass die randomisierte Phase-III-Studie DAPA-CKD (Dapagliflozin And Prevention of Adverse outcomes in Chronic Kidney Disease) nach entsprechender Empfehlung des unabhängigen Datenüberwachungskomitees der Studie nun vorzeitig gestoppt werde.

Wie „überragend“ die Wirksamkeit tatsächlich ist, lässt sich derzeit allerdings nicht definitiv beurteilen. Denn mit Zahlen wird der verkündete Studienerfolg, wie bei „Top-Line“-Ankündigungen zum grundsätzlichen Ausgang von wichtigen Studien üblich, derzeit noch nicht konkretisiert. Die detaillierten Ergebnisse sollen bei einer der kommenden medizinischen Tagungen vorgestellt werden.

Studie bei mehr als 4200 Patienten mit Nierenerkrankung

DAPA-CKD hatte zum Ziel, eine protektive Wirkung von Dapagliflozin auch bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen unter Beweis zu stellen. In die multinationale Studie sind 4245 Patienten mit und ohne Diabetes aufgenommen worden, die alle eine manifeste chronische Nierenerkrankung aufwiesen.

Einschlusskriterien waren ein Albumin/Kreatinin-Quotient ≥ 200 mg/g und eine glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) zwischen 25 und 75 ml/min/1,73 m2. Bei der Rekrutierung der Teilnehmer wurde sichergestellt, dass mindesten 30% aller aufgenommenen Patienten keinen Diabetes und nicht mehr als 10% eine eGFR > 60 ml/min/1,73 m2 hatten. Die Studienteilnehmer erhielten zusätzlich zur Standardtherapie entweder Dapagliflozin (10 mg/Tag) oder Placebo.

Primärer Studienendpunkt ist eine Kombination aus anhaltender Verschlechterung der Nierenfunktion oder Tod, definiert als

  • dauerhafte Abnahme der eGFR  ≥50% oder
  • Übergang in eine terminale Niereninsuffizienz oder
  • renal oder kardiovaskulär verursachter Tod.

Der positive Ausgang der DAPA-CKD-Studie ist keine Überraschung. Denn renoprotektive Wirkeigenschaften hat Dapagliflozin zuvor schon in der DECLARE-TIMI-58-Studie erkennen lassen. Im Fokus dieser großen Studie standen jedoch nicht Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, sondern kardiovaskuläre Risikopatienten mit Typ-2-Diabetes.

Renoprotektive Wirkung schon in der DECLARE-Studie angedeutet

In der DECLARE-Studie wurde das Risiko für einen kombinierten renalen Endpunkt (eGRF-Abfall um mindestens 40% auf weniger als  60 ml/min/1,73 m2, terminale Niereninsuffizienz, renal oder kardiovaskulär bedingter Tod) durch Dapagliflozin signifikant um 24% reduziert (4,3% vs. 5,6%; HR 0,76; 95% CI 0,67-0,87). Dieses Ergebnis bei einem sekundären Endpunkt wurde allerdings als nur „hypothesengenerierend“ erachtet.

Außer für Dapagliflozin liegen auch für die SGLT2-Hemmer Empagliflozin und Canagliflozin Daten vor, die für renoprotektive Effekte sprechen. Eine auf drei Studien mit diesen Substanzen gründende Metaanalyse kam zu dem Ergebnis, dass SGLT2-Hemmer das Risiko für eine  Progression von Nierenerkrankungen signifikant um 45% verringerten (HR 0,55 95% CI 0,48–0,64], p<0·0001) – und zwar gleichermaßen bei Patienten mit und  ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankungen.

Literatur

Pressemitteilung des Unternehmens AstraZeneca vom 6. April 2020: Überragend hohe Wirksamkeit: Phase-III-Studie DAPA-CKD zu Dapagliflozin bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz vorzeitig beendet.

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