Nachrichten 12.11.2020

Wie vorbildlich sind Kardiologen in Sachen körperliche Aktivität?

Gerade Kardiologen sollten, was die Befolgung der Empfehlungen für ein gesundes Maß an körperlicher Aktivität betrifft, eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen. De facto tun sie das aber nur partiell, wie eine Erhebung unter US-Kardiologen nun offenbart.

Eine aktuelle Erhebung der kardiologischen Fachgesellschaft ACC (American College of Cardiology) unter ihren Mitgliedern kommt zu einem wenig rühmlichen Ergebnis: Gerade mal rund die Hälfte aller Befragten gab zu Protokoll, die in den Leitlinien der eigenen Fachgesellschaft enthaltenen Empfehlungen bezüglich gesundheitsförderlicher Bewegungsaktivität auch tatsächlich selbst praktisch umzusetzen.

In den US-amerikanischen ACC/AHA-Leitlinien zur Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen wird unter anderem empfohlen, dass für körperliche Aktivität von moderater aerober Belastungsintensität mindestens 150 Minuten und für ein Bewegungstraining von hoher Intensität mindestens 75 Minuten pro Woche veranschlagt werden sollten.

Kreis von repräsentativen ACC-Mitgliedern befragt

US-Untersucher um die Kardiologin Dr. Sarah K. Gualano vom University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas wollten nun in Erfahrung bringen, wie konsequent diese Empfehlungen im eigenen Kollegenkreis in die Tat umgesetzt werden. Dazu haben Gualano und ihre Mitarteiter einem repräsentativen Gremium von ACC-Mitgliedern (CardioSurve panel) elektronische Fragebögen zugeschickt.

Insgesamt 189 Kardiologen haben geantwortet, darunter 13% Frauen. Von den Befragten befanden sich 33% noch in einer frühen Phase (early career cardiologists), 27% in eher der Mitte (mid-career cardiologists) und 35% in einer späten Phase (late career cardiologists) ihres Berufslebens als Kardiologen.

Nur 56% aller Befragten mit leitlinienkonformer Bewegungsaktivität

Die Auswertung ergab, dass insgesamt nur 56% aller befragten Kardiologen den in den Leitlinien gesetzten Standards für körperliche Aktivität zur Vorbeugung von Herzerkrankungen tatsächlich gerecht wurden. Mit Blick auf regelmäßiges Bewegungstraining von höherer Belastungsintensität betrug der Anteil sogar nur 46%.

Der Leitlinien-Empfehlung für ein intensives Bewegungstraining kamen die „mid-career“-Kardiologen im Übrigen häufiger nach als ihre early-career-Kollegen (58% vs. 38%). Auch zeigte sich, dass interventionelle Kardiologen sich körperlich seltener in dem empfohlenen Maß betätigten als ihre Kollegen für allgemeine Kardiologie (44% vs. 59%).

Angesichts dieser Ergebnisse sehen die Studienautoren noch „Raum für Verbesserung im Präventionsverhalten”. Da Ärzte bekanntlich als „Rollenmodell” für ihre Patienten dienten, sei zu vermuten, dass eine mangelnde Befolgung von Leilinien-Empfehlungen zur körperlichen Aktivität negativ auf die Patienten abfärben könnte.

Wie auf der ACC-Website mitgeteilt wird, ist die Studie zur Präsentation beim virtuellen Kongress der American Heart Association (13. – 17. November 2020) vorgesehen.

Literatur

Do Cardiologists Follow Their Own Physical Activity Recommendations? Erschienen am 12. November 2020 auf www.acc.org.

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