Nachrichten 07.01.2020

Der erste Marathonlauf im Leben … ein Jungbrunnen für die Gefäße

Wer als Untrainierter den ersten Marathonlauf seines Lebens entschlossen in Angriff nimmt, tut zumindest für seine Gefäße etwas Gutes. Denn Vorbereitungstraining und Lauf haben „gefäßverjüngende“ Wirkung, wie Forscher in einer Studie feststellten.

Ist Marathonlaufen wirklich gesund, mögen sich viele Skeptiker fragen. Im Hinblick auf Blutdruck und Gefäßfunktion anscheinend schon. Dafür sprechen zumindest Ergebnisse einer aktuell publizierten Studie britischer Forscher. Sie stellten fest, dass sich bei bis dato untrainierten Läuferinnen und Läufern im Zuge des Vorbereitungstrainings und der Marathon-Premiere der Gefäßzustand  verbesserte und der Blutdruck abnahm. Die beobachteten Veränderungen entsprechen nach Einschätzung der Untersucher einer Reduktion des biologischen  Gefäßalters um rund vier Jahre.

Trainingsprogramm für Marathon-Anfänger absolviert

Die Gruppe um Dr. Charlotte H. Manisty vom  Barts Heart Centre in London hat in ihrer Studie 138 initial untrainierte Läuferinnen und Läufer im Alter zwischen 21 und 69 Jahren (im Schnitt 37 Jahre) während ihres sechsmonatigen Trainingsprogramms zur Vorbereitung auf die Teilnahme am ersten Marathonlauf  ihres Lebens (London Marathon 2016 und 2017) wissenschaftlich begleitet.  Allen Studienteilnehmern war ein spezielles, auf Marathon-Anfänger zugeschnittenes Lauftraining mit drei sich gegen Ende hin steigernden Läufen pro Woche empfohlen worden.

Vor Beginn des Trainingsprogramms sowie zwei Wochen nach Absolvierung des ersten Marathonlaufs  in London war bei allen Teilnehmern die Gefäßsteifigkeit in der Aorta ascendens und Aorta thoracica descendens anhand der per MRT-Bildgebung erfassten aortalen Dehnbarkeit bestimmt worden. Anhand der Beziehung zwischen Lebensalter und Aorten-Steifigkeit wurden das biologische „Aortenalter“ berechnet. Zudem ermittelten die Untersucher jeweils den zentralen systolischen und diastolischen Blutdruck in der Aorta descendens.

Dehnbarkeit der Aorta nahm signifikant zu

Aus dem Vergleich der vor dem Marathontraining sowie nach komplettiertem  Marathonlauf erhobenen Daten geht hervor, dass  die Steifigkeit  der Aorta bei den Teilnehmern signifikant abgenommen  hatte – vor allem in der distalen Aorta. Während sich die Dehnbarkeit der Aorta ascendens unverändert zeigte (p = 0,14), konnte im proximalen Abschnitt der Aorta thoracica descendens eine signifikante Zunahme um 9% (p = 0,009 und im distalen Abschnitt eine Zunahme um 16% (p = 0,002) nachgewiesen werden. Vor allem ältere männliche Marathonläufer mit relativ hohen Blutdruckausgangswerten, die auf der Marathonstrecke nicht so schnell unterwegs waren, schienen davon profitiert zu haben. Zudem hatte der zentrale systolische und diastolische Blutdruck im Zuge des Trainings im Schnitt um 4 mmHg respektive 3 mmHg abgenommen.

Die Zunahme der aortalen Dehnbarkeit entspreche einer Reduktion des biologischen „Aortenalters“ um 3,9 Jahre (proximale Aorta htoracica descendens) und um 4,0 Jahre (distale Aorta thoracica descendens), berichten Manisty und ihre Kollegen. Nach Ansicht der britischen Forscher ist die verbesserte Dehnbarkeit eine Konsequenz sowohl der Blutdruckabnahme als auch günstiger struktureller Gefäßveränderungen.

Literatur

Anish N. Bhuva et al.: Training for a First-Time Marathon Reverses Age-Related Aortic Stiffening. Am Coll Cardiol 2020;75:60–71