Nachrichten 18.02.2021

Training bei Herzinsuffizienz: Hilft bei HFpEF einfach gar nichts?

Körperliche Aktivität ist fast das Einzige, was bei Patienten mit HFpEF erwiesenermaßen wirkt. Nun scheint ihnen aber einer randomisierten Studie zufolge weder Ausdauer- noch hochintensives Intervalltraining zu nützen. Studienleiter Prof. Halle glaubt trotzdem an eine Wirkung.

Ärzten bleibt kaum etwas, was sie Patienten mit einer Herzinsuffizienz vom HFpEF-Typ empfehlen können. Eine der wenigen wirksamen Maßnahmen ist körperliche Aktivität. Doch die Effektivität spezieller Trainingsprogramme wird nun durch eine randomisierte Untersuchung infrage gestellt.

Weder HIIT noch Ausdauer haben vordefiniertes Ziel erreicht

Laut der im JAMA veröffentlichten OptimEx-Clin-Studie hat nämlich weder hochintensives Intervalltraining (HIIT) noch strukturiertes Ausdauertraining einen klinischen relevanten Effekt gebracht. Um klinisch relevant zu sein, hätte die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max) der Teilnehmer nach drei Monaten Training um mind. 2,5 ml/kg/min zunehmen müssen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Den Teilnehmern der Kontrollgruppe wurde zwar ebenfalls zur körperlichen Aktivität geraten, ein strukturiertes Training erhielten sie aber nicht.

Mit keinem der beiden Trainingsarten wurde das vorab festgelegte Ziel erreicht: In der HIIT-Gruppe verbesserte sich die VO₂max nach 3 Monaten um 1,1 ml/kg/min, in der Ausdauer-Gruppe um 1,6 mL/kg/min. In der Kontrollgruppe verschlechtere sich die VO₂max um –0,6 mL/kg/min. Der Unterschied zur Kontrollgruppe war somit in beiden Fällen mit 1,5 bzw. 2,0 per Definition nicht klinisch relevant.

Nach zwölf Monaten erreichte keine der dokumentierten Unterschiede eine statistische Signifikanz. Weder die diastolische Funktion noch die Höhe der natriuretischen Peptide wurden signifikant beeinflusst.

Aber: Der Effekt wird heute anders eingeschätzt

Ist also jegliches Trainings nutzlos für HFpEF-Patienten? Studienleiter Prof. Martin Halle widerspricht dem: „Wir gehen mittlerweile schon davon aus, dass die gezeigten Unterschiede eine klinische Relevanz haben“, äußerte sich der Sportkardiologe aus München gegenüber kardiologie.org. Die 2,5-Marker für eine klinische Relevanz sei im Jahr 2013/2014 festgelegt worden, als die Studie konzipiert worden sei und man noch nicht so viel über die HFpEF wusste. „Heute weiß man, dass eine Änderung der Sauerstoffaufnahme von 1,0 ml/kg/min bei HFpEF-Patienten bereits klinisch relevant ist“, begründete Halle seine Einwände.

Gerade die Effekte des HIIT sind nach Ansicht des Sportkardiologen unter Compliance-Aspekten „eigentlich ganz gut“ zu bewerten. Wenn man bedenke, dass die Patienten in dieser Gruppe nur dreimal pro Woche trainiert haben und am Ende dieselbe Wirkung herausgekommen sei wie in der Ausdauer-Gruppe mit fünftägigem Programm. 

Randomisiert in drei Gruppen

Was haben die Teilnehmer in der Studie konkret gemacht? Jeweils 60 Patienten, die an einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion erkrankt waren, wurden zu drei Gruppen randomisiert:

  1. In der HIIT-Gruppe absolvierten die Teilnehmer 3 × pro Woche jeweils 38 Minuten lang ein hochintensives Training: dazu gehörte eine 10-minütige Aufwärmphase, 4 × 4-minütige Intervallübungen mit einer Herzfrequenzreserve von 80%–90%, unterbrochen von 3-minütigen Ruhephasen.
  2. Die Teilnehmer der Ausdauer-Gruppe wurde angeleitet, sich 5 × pro Woche für 40 Minuten moderat zu bewegen (35%–50% der Herzfrequenzreserve).
  3. Der Kontrollgruppe wurde einmalig zur körperlichen Aktivität geraten, so wie es die Leitlinien empfehlen.

Allen Patienten wurden Schrittzähler ausgehändigt. Wie stark sich die Kontrollgruppe bewegt habe, sei bisher noch nicht ausgewertet worden, so Halle. Der Studienleiter ist aber überzeugt davon, dass sie definitiv weniger aktiv waren als die Patienten in den Interventionsgruppen.

Warum hat das Training nicht so gewirkt wie erwartet?

Dass sich trotz der stärkeren Bewegung keine wesentlichen Unterschiede am Herzen nachweisen ließen, hat Halle überrascht. Gerade bei der HIIT hätte der Studienleiter eine gewisse Überlegenheit erwartet. Woran lag‘s? „Ich glaube, man muss einfach viel mehr an körperlicher Aktivität umsetzen und diese in einer höheren Intensität und über längere Zeit“, erklärt sich Halle die „neutralen“ Ergebnisse. Ein Indiz hierfür könnten die in der HIIT-Gruppe nach zwölf Monaten nachweisbaren positiven Veränderungen am Herzen sein, auch wenn diese nicht signifikant waren.  

Ein weiterer Knackpunkt ist die Adhärenz. Trotz der Unterstützung und der anfänglichen Akzeptanz haben nur ein Drittel der Patienten mindestens 70% des für Zuhause vorgegebenen Trainingsprogramms absolviert. Vielleicht sei das zu wenig gewesen, um einen signifikanten Langzeiteffekt induzieren zu können, schreiben die Autoren in der Publikation.

Manche Patienten haben extrem profitiert, andere gar nicht

Was an den aktuellen Daten ebenfalls ersichtlich wird: Das Training scheint sich individuell unterschiedlich auszuwirken. „Ein Drittel der Teilnehmer profitierte extrem, bei einem Drittel passierte gar nichts und ein Drittel verschlechterte sich sogar etwas während des Trainings“, berichtete Halle. Welche Patienten stärker profitieren, werde nun genauer analysiert.

„Körperliches Training ist das Einzige, was wirklich hilft“

Und was sollten Kardiologen ihren Patienten nun raten? Für Halle bleibt Bewegung ein Eckpfeiler der HFpEF-Therapie. „Das Einzige was Patienten mit HFpEF wirklich hilft, ist körperliches Training“, stellte der Sportkardiologe klar. Wichtig ist vor Trainingsbeginn, die kardiovaskulären Risikofaktoren einzustellen, besonders den Bluthochdruck, weil es sonst zu einer Belastungshypertonie kommen könne, so Halle. Zudem rät der Sportkardiologe, ein Belastungs-EKG zu machen, um die Belastungsfrequenz definieren zu können. Die Faustregel „180 minus Lebensalter“ ist bei HFpEF-Patienten nämlich nicht anwendbar, da sie häufig eine chronotrope Inkompetenz aufweisen, ihr Puls bei Belastung also nicht adäquat ansteige, so Halle.

Mehr zu den aktuellen Empfehlungen für körperliches Training bei Herzinsuffizienz lesen Sie in diesem Beitrag.

Literatur

Mueller S et al. Effect of High-Intensity Interval Training, Moderate Continuous Training, or Guideline-Based Physical Activity Advice on Peak Oxygen Consumption in Patients With Heart Failure With Preserved Ejection Fraction. A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2021;325(6):542-51. DOI:10.1001/jama.2020.26812

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