Nachrichten 07.03.2022

Verringert Krafttraining das Sterberisiko?

Die gesundheitsfördernden Effekte von Ausdauersport sind bekannt, zum Muskelaufbautraining gibt es weniger Daten. Eine Metaanalyse weist gleich auf mehrere Vorteile davon hin und liefert neue Erkenntnisse zum optimalen Trainingsumfang.

Internationale Leitlinien zur körperlichen Aktivität empfehlen regelmäßiges Krafttraining, vor allem wegen der positiven Effekte auf die Skelettmuskulatur. Frühere Studien legen nahe, dass muskelstärkendes Training wie etwa Sit-ups, Liegestütze, Kniebeugen oder Training mit Gewichten mit einem reduzierten Sterberisiko einhergehen. Die optimale Trainingsdauer und -frequenz ist jedoch unklar. Japanische Forscher entdeckten jetzt Assoziationen zwischen Krafttraining und dem Risiko für Tod, Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen, die sich je nach Trainingsumfang unterscheiden.

Die Mediziner um Dr. Haruki Momma von der Tohoku Universität in Sendai berücksichtigten für die Analyse 16 prospektive Kohortenstudien von 2012 bis 2020, die meisten davon stammten aus den USA. Darin waren Erwachsene ohne größere Gesundheitsprobleme mindestens zwei Jahre nachbeobachtet worden. Das Forscherteam untersuchte den Effekt von muskelstärkender Aktivität unabhängig von aerobem Training auf die Gesundheit und Mortalität der Teilnehmenden.

Bester Effekt bei einer Stunde pro Woche

Die Analyse ergab, dass ein 30- bis 60-minütiges Krafttraining pro Woche das Risiko für Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs und Diabetes um 10–17% verringern kann. Der risikoreduzierende Effekt galt für Krebserkrankungen insgesamt, jedoch nicht für einige spezifische Tumorarten wie Darm-, Nieren-, Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Für die Ergebnisse bezüglich Mortalität, Krebs und kardiovaskulärer Erkrankungen zeigt die Analyse eine J-förmige Kurve mit einer maximalen Risikoreduktion bei etwa 30-60 Minuten Training pro Woche, sodass es keine Hinweise darauf gibt, dass mehr als eine Stunde Krafttraining wöchentlich das Risiko noch weiter reduziert. Bezüglich Diabetes ergab sich eine L-förmige Assoziation – das Risiko dafür nahm bis 60 Minuten Muskeltraining pro Woche stark ab, aber nicht darüber hinaus.

Kraft- und Ausdauertraining kombinieren

Zusätzlich analysierten die Studienautoren die kombinierte Wirkung von aerobem und Muskelaufbautraining, was einen additiven Effekt ergab. Gegenüber gar keinem Sport war ein kombiniertes Training mit einem um 40%, 46% und 28% reduzierten Risiko jeweils für Gesamtmortalität, kardiovaskuläre Erkrankungen und krebsbedingte Mortalität assoziiert. Diese Ergebnisse bestätigen jene früherer Metaanalysen. „Daher kann Krafttraining ergänzend zu aerobem Training zusätzliche Vorteile beim Verhindern von Todesfällen haben“, so Momma et al.

„Angesichts der Ergebnisse könnte die gängige Empfehlung von mindestens zwei Tagen pro Woche sinnvoll sein, wobei einem zu umfangreichen Training mit Vorsicht zu begegnen ist“, resümieren sie. Allerdings sollten die Befunde mit Vorsicht interpretiert werden, da die Anzahl der eingeschlossenen Studien niedrig war und es sich um Beobachtungsstudien handelt. Da der Einfluss von häufigem Training noch unklar sei, seien weitere Studien erforderlich, schließen Momma und Kollegen.

Literatur

Momma T et al. Muscle-strengthening activities are associated with lower risk and mortality in major non-communicable diseases: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. British Journal of Sports Medicine 2022. http://dx.doi.org/10.1136/bjsports-2021-105061

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