Nachrichten 26.11.2021

Kann Yoga Synkopen lindern?

Laut Statistik hat jeder Zweite im Laufe seines Lebens einen Ohnmachtsanfall. Einer neuen Studie zufolge kann Yoga bei rezidivierenden Synkopen dazu beitragen, dass diese seltener auftreten.

Rezidivierende Synkopen können zu Stress, Depressionen und einer ständigen Angst vor der nächsten Episode führen und so die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Frühere Studien zeigten eine positive Wirkung von Yoga auf Störungen des autonomen Nervensystems, was auf einen möglichen Nutzen bei vasovagalen Synkopen (VVS) hindeutet. Eine randomisierte Studie untermauert jetzt diese Hinweise.

Dr. Gautam Sharma vom indischen Institut für medizinische Forschung in Neu-Delhi und sein Team randomisierten 55 Patienten mit rezidivierenden VVS in zwei Gruppen: Die einen absolvierten zusätzlich zur Standardtherapie ein spezielles Yoga-Training, während die anderen lediglich die Standardbehandlung erhielten. Alle Teilnehmenden hatten in den drei Monaten vor Studienbeginn mindestens zwei Synkopen oder Präsynkopen erlebt.

Nicht einbezogen wurden Personen mit strukturellen Herzerkrankungen und zugrundeliegenden neurologischen Störungen. Die Forscher untersuchten die Anzahl der Synkopen und Präsynkopen nach zwölf Monaten sowie Veränderungen der Lebensqualität nach sechs Wochen, beurteilt durch Fragebögen, Kipptischuntersuchungen und Messungen der Herzfrequenzvariabilität.

Patienten trainierten fünf Mal pro Woche

Das Yoga-Programm umfasste Dehn- und Lockerungsübungen, kontrolliertes Atmen, das Halten bestimmter Körperpositionen, Meditation und Entspannungstechniken. In den ersten zwei Wochen fanden acht betreute Sitzungen statt, anschließend sollten die Patienten mindestens fünfmal pro Woche zu Hause trainieren. Im zweiten Monat fanden zwei, in den folgenden Monaten jeweils ein angeleitetes Training statt. Zusätzlich hatten die Teilnehmenden eine schriftliche Anleitung mit Bildern erhalten und konnten sich bei Rückfragen bei den Trainern melden. Neben Telefonaten zweimal monatlich fanden Nachuntersuchungen nach sechs Wochen, sechs und zwölf Monaten statt, zudem führten die Patienten Tagebuch über Training und VVS.

Nach einem Jahr waren in der Interventionsgruppe durchschnittlich 0,7 Synkopen und Präsynkopen aufgetreten, während es in der Kontrollgruppe 2,5 Ereignisse waren. Im Interventionsarm blieben 43% der Patienten frei von Ereignissen, im Kontrollarm waren es dagegen nur 16%. Bezüglich der Lebensqualität zeigten sich bei Auswertung der Fragebögen signifikante Verbesserungen in der Trainingsgruppe, nicht jedoch bei den Kipptischuntersuchungen und der Herzfrequenzvariabilität. Es traten keine unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit den Yogaübungen auf. Den Telefonaten und Tagebüchern zufolge hatten alle Patienten die Übungen zu Hause für mindestens 80% des Studienzeitraums befolgt.

Yoga plus Standardtherapie war dieser allein überlegen

„Yoga als zusätzliche Therapie ist der alleinigen Standardbehandlung überlegen, sowohl beim Reduzieren der Symptome von VVS als auch beim Verbessern der Lebensqualität der Patienten“, lautet das Fazit von Sharma und Kollegen. Der positive Effekt könne durch ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen zustande kommen, die körperliche Fitness, Psyche und autonomes Nervensystem beeinflussen. Yoga sei eine sichere, effektive und kostengünstige Intervention, die den Medizinern zufolge häufiger in die Therapie von VVS-Patienten integriert werden sollte.

Literatur

Sharma G et al. Effect of Yoga on Clinical Outcomes and Quality of Life in Patients With Vasovagal Syncope (LIVE-Yoga). Journal of the American College of Cardiology 2021. https://doi.org/10.1016/j.jacep.2021.09.007