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10.08.2018 | Herz und Sport | Nachrichten

Über 10.000 Sportler untersucht

Plötzlicher Herztod bei Profi-Fußballern: Was ein Screening bewirken kann

Autor:
Veronika Schlimpert

Alle englischen Nachwuchs-Profifußballer mussten sich ab 1996 einer kardiologischen Untersuchung unterziehen. Trotzdem verstarben einige Sportler an einem plötzlichen Herztod – die meisten dieser tödlichen Herzerkrankungen wurden durch das Screening allerdings nicht erkannt.

Plötzliche Herztode bei Profisportlern erregen in der Publikumspresse großes Aufsehen. Über die Inzidenz solcher Vorfälle ist allerdings wenig bekannt. Die Schätzungen schwanken stark, von 0,3 bis 13 Fällen pro 100.000 Athleten ist die Rede.

Nun wurde im „New England Journal of Medicine“ die wohl bisher größte Untersuchung zum plötzlichen Herztod im Profisport publiziert.

EKG, Echo und körperliche Untersuchung

In Großbritannien wurde 1996 eine kardiologische Screening-Untersuchung aller Nachwuchs-Fußballer mit einem Profivertrag verpflichtend eingeführt. Bis 2016 wurden deshalb bei 11.168 Jugendlichen in einem Alter zwischen 15 und 17 Jahre eine Befragung, körperliche Untersuchung  sowie ein EKG und Echokardiografie vorgenommen; die Ergebnisse wurden von einem kardiologisch tätigen Spezialisten befundet.

Wurden hierbei Auffälligkeiten festgestellt, z. B. eine T-Inversion, erfolgte eine weiterführende Diagnostik (z. B. Stresstest, Holter-EKG, MRT); bei 830 Nachwuchssportler (7%) war das notwendig.

Die häufigsten Diagnosen

Bei 42 Sportlern (0,38%) ließ sich auf diese Weise ein kardiale Erkrankung identifizieren, die ein Risiko für einen plötzlichen Herztod birgt.

Die häufigste Diagnose war ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom (n=26), gefolgt von hypertropher Kardiomyopathie (5), Long-QT-Syndrom (3) und bikuspider Aortenklappe mit Vergrößerung der Aortenwurzel oder schwerer Aortenregurgitation (3). Bei jeweils zwei Personen wurde eine arrhythmogene rechtventrikuläre Kardiomyopathie und Koronararterien-Anomalie diagnostiziert, ein Sportler hatte eine dilatative Kardiomyopathie.

Bei weiteren 225 Fußballern (2%)  fanden sich anderweitige kardiale Erkrankungen, die mit keinem Herztodrisiko einherging, wie angeborene Klappenerkrankungen oder geringfügige Veränderungen des Klappenapparats.

Häufigste Todesursache war der plötzliche Herztod

In den nachfolgenden zehn Jahre (mittleres Follow-up: 10,6) verstarben 23 Sportler. Mit einem Anteil von 35% stellten plötzliche Herztode tatsächlich die häufigste Todesursache dieses jungen Patientenkollektivs dar; alle acht in der Autopsie bestätigten Fälle passierten während des Sports. 

Die Inzidenz für einen plötzlichen Herztod bei jungen Profifußballern lag damit bei 1 pro 14.794 Personenjahre oder 6,8 Fällen pro 100.000 Sportler.

Screening findet nicht alle Erkrankungen

Die Ursache für den plötzlichen Herztod war fast immer eine Kardiomyopathie (7 von 8 Fällen); eine Person verstarb an einem plötzlichen arrhythmischen Tod. In der Mehrzahl der Fälle, nämlich bei sechs Sportlern, ist die letztlich tödlich verlaufende Erkrankung nicht bekannt gewesen; diese wurde im Zuge des Screenings also nicht erkannt. Fünf der verstorbenen Athleten hatten damals einen unauffälligen EKG- und Echo-Befund.

„Die Studie zeige, dass durch ein Screening im frühen Erwachsenenalter ein beträchtlicher Anteil an Sportlern, die ein Kardiomyopathie haben oder möglicherweise haben werden, nicht identifiziert werden“, resümieren die Studienautoren um Dr. Aneil Malhotra. Sie vermuten, dass dies einerseits daran liegt, dass die Erkrankung sich in einigen Fällen noch nicht manifestiert hat. Zum anderen könne es sein, dass EKG und Echokardiografie nicht sensitiv genug sind, um die Erkrankung in einem solch jungen Alter aufzuspüren.

Doch was wäre ohne Screening passiert?

Auf der anderen Seite wird aber auch deutlich, dass ein Screening zwar nicht alle, aber womöglich doch einige plötzliche Herztode verhindern kann. Zwei Sportler betrieben trotz der im Zuge des Screenings gestellten Diagnose einer hypertrophen Kardiomyopathie weiter Wettkampfsport, obwohl davon explizit abgeraten wurde (ebenso wie bei der Diagnose eines Long QT-Syndroms) – beide verstarben an einem plötzlichen Herztod.

Bei 24 der 26 Fußballer, bei denen ein Wolff-Parkinson-White-Syndrom festgestellt worden ist, wurde daraufhin eine Katheterablation vorgenommen. Die zwei Sportler mit einer Koronararterien-Anomalie wurden in der Folge operiert.

Generell wurden alle Athleten mit gewissen EKG-Auffälligkeiten (z. B. T-Wellen-Inversion), aber mit einem strukturell normalen Herz jährlich kontrolliert.

Es lässt sich also nur spekulieren, wie viele kardiale Komplikationen durch das Screeningprogramm und den daraus resultierenden Folgebehandlungen verhindert wurden. Es stellt sich aber die Frage, ob es Sinn machen könnte, entsprechende kardiologische Untersuchungen bei Sportlern in gewissen Abständen zu wiederholen.

Literatur