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08.11.2018 | Herz und Sport | Nachrichten

Beruhigender Befund

Vorhofflimmern bei jungen Leistungssportlern ist ziemlich selten

Autor:
Veronika Schlimpert

Leistungssport scheint die Entstehung von Vorhofflimmern auf lange Sicht zu begünstigen. Junge Athleten müssen sich darum aber noch keine Sorgen machen, wie an einer aktuellen Studie deutlich wird.

Die Inzidenz von Vorhofflimmern war bei Leistungsportlern in einer großen Kohortenstudie ungewöhnlich niedrig. Bei gerade mal 21 der insgesamt 6.813 spanischen Athleten wurde während des 20-jährigen Beobachtungszeitraums Vorhofflimmern diagnostiziert, das entspricht einer Inzidenz von 0,3%.

„Im Gegensatz zu früheren Studien mit älteren Leistungsportlern, bei denen Vorhofflimmern vor allem bei Ausdauersportlern häufiger aufgetreten war als in der nach Alter gematchten Allgemeinbevölkerung, ist die Inzidenz bei jungen Elitesportlern gering, selbst bei den Ausdauersportlern“, resümieren die spanischen Studienautoren.

Im Alter steigt das Risiko

Dass extremer Ausdauersport auf lange Sicht die Entstehung von Vorhofflimmern begünstigt, gilt mittlerweile als ziemlich sicher; Studien zufolge steigt das Risiko bis zum Fünffachen an. Wie Prof. Jürgen Scharhag in einem Interview genauer ausgeführt hat, ist mit einem entsprechenden Risikoanstieg aber erst ab einem gewissen Alter zu rechnen und auch nur dann, wenn Ausdauersport über Jahrzehnte mit hohen Umfängen und Intensitäten betrieben wird.

Vor diesem Hintergrund ist die das aktuelle Studienergebnis dann doch nicht so überraschend. Denn die teilnehmenden Leistungssportler waren vergleichsweise jung, im Schnitt waren sie zu Studienbeginn (Januar 1997) 22 Jahre alt. Und ihre aktive Wettkampfzeit war mit im Mittel acht Jahren relativ kurz.  

Dementsprechend stellte sich das Alter auch als unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten von Vorhofflimmern heraus (Odds Ratio, OR: 1,07), ebenso wie die Jahre an betriebenen Wettkampfsport (OR: 1,14) und der anteriorposteriore Diameter des linken Vorhofs (OR: 1,21).

Sportlerherz könnte ein gewisses Risiko bergen

Letzter Befund bestätigt die Ergebnisse anderer Studienergebnisse, nach denen eine durch intensiven Sport induzierte Vergrößerung der Herzhöhlen ein gewisses Risiko für die Entstehung von Vorhofflimmern bergen könnte. Prinzipiell handele es sich dabei zwar um physiologische Anpassungsprozesse, die eigentlich nicht pathologisch seien, erläutern die Wissenschaftler aus Madrid. Doch die aktuellen Studienergebnissen legen nahe, dass es bei jungen Athleten mit einem solchen Befund angebracht sein könnte, regelmäßige Kontrolluntersuchungen vorzunehmen. In der spanischen Kohorte wies jeder zehnte Sportler einen linksatrialen Diameter von mehr als 40 mm auf.

Insgesamt wurden die Follow-up-Daten von 6.813  Leistungsportlern retrospektiv ausgewertet; 35% der Teilnehmer waren Frauen. Fast alle Disziplinen waren vertreten, von Ausdauersportarten wie Triathlon (28%) bis hin zu Teamsportarten (47%) und Kraft- bzw. Sprintsportarten (25%). Alle Sportler waren Mitglied eines Nationalteams und nahmen an großen internationalen Wettkämpfen teil.

Die Autoren um Dr. Araceli Boraita weisen darauf hin, dass ihre Untersuchung u .a. aufgrund des retrospektiven Designs Limitationen aufweist. Da Vorhofflimmern häufig nur vorrübergehend auftrete, könne es sein, dass die Rhythmusstörung in einigen Fällen nicht entdeckt wurde und die wahre Inzidenz somit höher liegt.  

Literatur