Skip to main content
main-content

07.06.2017 | Herz und Sport | Nachrichten

Auch langfristig sicher

Wettkampf-Sport mit ICD ist möglich

Autor:
Veronika Schlimpert

Wettkampfsport ist für Menschen mit einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) heute nicht mehr ausdrücklich verboten. Ein Register bestätigt nun, dass die meisten Sportler langfristig keine lebensbedrohlichen Komplikationen befürchten müssen. Doch die Gefährdung unterscheidet sich je nach Grunderkrankung.     

Bis 2015 wurde ICD-Trägern vor Wettkampfsport kategorisch abgeraten. Das Risiko durch die intensive Belastungen ventrikuläre Rhythmusstörungen und damit ICD-Entladungen zu provozieren, hielten viele Experten für zu hoch. Darüber hinaus gab es Befürchtungen, dass die ICD-Elektroden gerade bei körperbetonten Sportarten beschädigt werden könnten und in der Folge arrhythmogene Ereignisse aufgrund von Störpotentialen nicht mehr zuverlässig detektiert werden. Generell hatte man Sorgen, dass die Effektivität der Systeme bei intensiver körperlicher Belastung eingeschränkt ist.

Kein ausdrückliches Verbot mehr

Diese restriktive Haltung änderte sich, als im Jahr 2013 Registerdaten von 371 Athleten mit ICD-Implantation veröffentlicht wurden, die zeigten, dass die Sorgen in vielen Fällen unbegründet sind. Die amerikanische Kardiologie-Gesellschaft schließt eine Teilnahme an sportlichen Wettbewerben für ICD-Träger seither nicht mehr ausdrücklich aus.

Eine Langzeitauswertung des multinationalen „ICD Sports Safety Register“ bestätigt nun, dass die meisten ICD-Träger auch langfristig keine lebensbedrohlichen  Komplikationen durch den Wettkampfsport zu befürchten haben. „Obwohl bei einigen Teilnehmern während der sportlichen Betätigung Schocks ausgelöst wurden, bestand keine Gefahr für die Patienten“, wird der Studienleiter Rachel Lampert von der Yale School of Medicine in einer Pressemittelung der AHA zitiert.

Keine lebensbedrohlichen Komplikationen

So kam es während dieser Zeit zu keinem Todesfall durch Tachyarrhythmien und es musste kein Sportler während oder nach einem Wettkampf wiederbelebt werden. Kein Teilnehmer erlitt Verletzungen aufgrund eines Arrhythmie- oder Schock-bedingten Bewusstseinsverlust.

Allerdings kamen ICD-Entladungen aufgrund von ventrikulären Tachyarrhythmien  oder Vorhofflimmern während eines Wettkampfes oder Trainings recht häufig vor, bei 10% der Patienten war dies der Fall. ICD-Schocks waren unter körperlicher Belastungen auch deutlich häufiger als in Ruhe (20 vs. 10%). Allerdings machte es keinen Unterschied, ob es sich dabei um eine Wettkampfs- oder Trainingssituation oder eine andere körperliche Anstrengung handelte (12 vs. 10%).

Definitive Funktionsstörungen der Elektroden traten bei 31 Sportlern auf, bei weiteren 13 Personen wurde dies vermutet.

Insgesamt entschieden sich nur sieben ICD-Träger, jegliche körperliche Aktivität einzustellen, 13 beendeten eine oder mehrere ihrer zuvor ausgeübten Sportarten; fünf davon kehrten nach einer sechs bis 18-monatigen Pause wieder zurück zum Wettkampfsport. 

Die häufigsten ausgeübten Sportarten waren Laufen, Basketball und Fußball.

Gefährdung von jeweiliger Grunderkrankung abhängig

Nach Ansicht der Autoren bestätigten diese Daten die weniger restriktiven Empfehlungen, nach denen ein pauschales Verbot von Wettkampfsport für ICD-Träger nicht mehr gerechtfertigt ist. Sportler mit einem ICD, die an Wettkämpfen teilnehmen wollen, sollten mit ihrem Arzt sprechen, da die Gefährdung für viele von ihnen geringer ist, als man es früher gedacht habe, so Lampert.

Allerdings weisen die Kardiologen ausdrücklich darauf hin, dass die Empfehlungen individuell, in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Erkrankung und der jeweiligen Sportart getroffen werden sollten.

So hat sich in diesem Register beispielsweise gezeigt, dass ICD-Schocks bei Patienten mit einer arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie während eines Wettbewerbes häufiger erforderlich waren als bei Patienten mit anderen Grunderkrankungen.  Gerade bei dieser Erkrankung sei zu beachten, dass Sport die Progression und die Arrhythmie-Gefahr begünstigen könne.

Die häufigste Erkrankung, die bei den Registerteilnehmern eine ICD-Implantation erforderlich machte, war das Long-QT-Syndrom (20%), gefolgt von der hypertrophen Kardiomyopathie (17%) und der arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie (13%).

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren