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10.12.2018 | Herz und Sport | Nachrichten

Extrembelastung bei Amateursportlern

Wie reagiert das Herz auf einen Marathon-Lauf?

Autor:
Veronika Schlimpert

Ob ein Marathon-Lauf dem Herzen schadet, darüber wird noch immer kontrovers diskutiert. Eine aktuelle Studie legt nun nahe, dass derartige Belastungen das Myokard zumindest kurzfristig in Stress versetzen.

Ein Lebensziel vieler Menschen ist, einmal einen Marathon-Lauf zu durchstehen. Doch kann eine solche Extrembelastung für Amateursportler gefährlich werden?

Eine aktuell in „Circulation“ publizierte Studie kann diese Frage sicherlich nicht abschließend klären. An deren Ergebnissen wird aber deutlich, dass eine extreme Ausdauerbelastung wie ein Marathon-Lauf das Myokard kurzzeitig so unter Stress setzt, dass vermehrt kardiale Biomarker ausgeschüttet werden.

Zu einem plötzlichen Herztod kommt es selten

Prinzipiell ist das Risiko für einen plötzlichen Herztod während eines Marathon-Laufs aber sehr gering. Bei etwa 1 von 100.000 Zielläufern komme es zu einem solchen Ereignis, berichten die Studienautoren um Dr. Beatriz Lara. Allerdings würde ein hoher Anteil der sportinduzierten Herztode während eines Marathon-Laufs auftreten, vor allem bei Männern in einem Alter über 35 Jahre.

Die spanischen Wissenschaftler wollten deshalb wissen, wie das Herz von Amateursportlern auf solche Extrembelastungen reagiert, also von Menschen, die wenig Erfahrung mit solchen Belastungen und wenig Trainingshintergrund haben. Insgesamt 63 gesunde Personen wurden in Dreiergruppen aufgeteilt, in denen jeweils eine Person nach einer entsprechenden Trainingsphase einen Marathon-Lauf, eine Person einen Halbmarathon und eine Person ein 10-Kilometer-Rennen absolvieren sollte. Nach den jeweiligen Läufen wurden Blutproben genommen und die Werte unterschiedlicher kardialer Biomarker gemessen.

Je länger die zurückgelegte Distanz, desto höher waren die gemessenen Konzentrationen von hochsensitiven Troponin  I und T. Auch bei Serum-Myoglobin und Kreatinkinase-MB war ein entsprechender Anstieg zu sehen. NT-proBNP und Kreatinkinase-MB waren ebenfalls erhöht, signifikant war dieser Anstieg allerdings nur nach einem Marathon-Lauf.

Langfristige Folgen fraglich

„Diese Daten legen nahe, dass das Myokard während eines kompletten Marathon-Laufs  einer deutlichen höheren Belastung ausgesetzt ist als bei kürzeren Distanzen wie einem Halbmarathon oder einem 10-Kilometer-Lauf“, resümieren die spanischen Wissenschaftler. Sie betonen aber, dass eine vermehrte Troponin-Freisetzung nicht unbedingt mit einer kardiovaskulären Funktionsstörung gleichzusetzen ist. Diese würde nur auf eine erhöhte kardiale Stressbelastung während solcher Distanzen hindeuten, erläutern sie. Künftige Studien müssten klären, ob sich solche kurzzeitigen Stressreaktionen des Myokards langfristig negativ auswirken können.    

Literatur