Nachrichten 09.08.2016

Gute Langzeitdaten für Radialis-Bypass

Herzchirurgen aus Rom berichten über Langzeiterfahrungen mit Koronarbypässen unter Einsatz der Arteria radialis. Auch nach knapp zwei Jahrzehnten haben die Patienten keine Beschwerden am Arm, und ein hoher Prozentsatz der Bypässe ist weiterhin offen.

Die Herzchirurgen um Dr. Mario Gaudino von der Katholischen Universität Rom berichten in der Zeitschrift JACC über eine Kohorte von 100 konsekutiven Patienten, bei denen Mitte der 90er Jahre neben der linken Arteria mammaria interna (LIMA) und den Vv. saphenae magnae auch die Arteria radialis (RA) für Koronarbypässe herangezogen worden war. Von den 100 Patienten haben 36 bis heute überlebt, und von diesen standen nach im Mittel 19 Jahren 33 für eine Follow-up-Untersuchung per CT-Angiographie zur Verfügung.

Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Bypass-Versagens bei Einsatz des RA-Bypasses über den 20-Jahres-Zeitraum 25 % betrug. Das war nur geringfügig schlechter als beim LIMA-Bypass (19 %), und deutlich besser als beim Venenbypass, wo die Rate an Bypass-Versagen 55 % betrug. Der Unterschied zwischen RA-Bypass und Venen-Bypass war statistisch signifikant (p = 0,002), zwischen RA und LIMA gab es keinen signifikanten Unterschied.

Das zweite Hauptergebnis dieser prospektiven Kohortenstudie ist, dass der (klinisch selten eingesetzte) RA-Bypass auch im Langzeitverlauf sicher ist. Kein einziger Patient berichtete über möglicherweise durchblutungsassoziierte Probleme an Hand oder Unterarm. Erwartungsgemäß war der Durchmesser der Arteria ulnaris des operierten Arms im Mittel um etwa 20 % größer als auf der nicht operierten Seite. Die Autoren folgern aus ihren Daten, dass der RA-Bypass wegen seiner guten Langzeitdaten als zweiter Bypass nach dem LIMA-Bypass häufiger genutzt werden sollte.

In einem begleitenden Editorial macht Dr. Marc Ruel vom Heart & Lung Centre in Quebec, Kanada, allerdings darauf aufmerksam, dass es weiterhin keine Daten gebe, die zweifelsfrei belegten, dass die Patienten von der komplexeren Operation auch klinisch profitieren, also weniger kardiovaskuläre Ereignisse haben oder weniger sterben. Ruel weist außerdem darauf hin, dass die Durchgängigkeitsraten der RA-Bypässe in der Studie möglicherweise überschätzt würden, da die 64 % der Patienten, die verstorben sind, nicht berücksichtigt wurden. Dies gilt allerdings auch für die beiden LIMA- und Venen-Bypässe. 

Literatur

Gaudino M et al. Radial Artery as a Coronary Artery Bypass Conduit. J Am Coll Cardiol. 2016;68(6):603-10

Ruel M et al. The Radial Artery Graft – Clinical or Subclinical Benefits? J Am Coll Cardiol. 2016;68(6):611-3

Highlights

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

ESC-Kongress 2020

Für die virtuelle Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) haben sich mehr als 100.000 Teilnehmer angemeldet. Die wichtigsten Änderungen der neuen Leitlinien und die praxisrelevanten Studien finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Herzinsuffizienz: Preisträger-Studien im Überblick

Neues zur Rolle von Serotonin, Telemedizin, Herzunterstützungssystemen und dem kardiovaskulären Risiko von Krebspatienten – bei der Young-Investigator-Award-Sitzung wurden aktuelle Forschungsergebnisse rund ums Thema Herzinsuffizienz präsentiert.

Kardiogener Schock: Deutsche Kardiologen testen neues Therapiekonzept

Neue Therapien zur Prognoseverbesserung bei kardiogenem Schock werden dringend benötigt. Deutsche Kardiologen prüfen mit Adrecizumab nun einen Wirkstoffkandidaten, der helfen soll, das Schockgeschehen zu durchbrechen.

Welche TAVI-Klappe performt auf lange Sicht besser?

Für eine individualisierte Behandlung der Patienten wäre es wichtig, die Feinheiten der jeweiligen TAVI-Klappen genau zu kennen, auch die auf längere Sicht. In der randomisierten SCOPE I-Studie haben zwei Klappentypen ähnlich gut performt – mit kleinen, aber feinen Unterschieden.

Aus der Kardiothek

Kardio-MRT bei 70-Jährigem – was hat der Patient?

Kardio-MRT bei 70-jährigem Patienten mit Darstellung einer kurzen Achse im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Thorax-CT bei COVID-19-Patient – worauf zeigen die Pfeile?

Natives CT des Thorax bei einem Patienten mit COVID-19-Pneumonie (kleiner Pfeil). Was ist noch zu sehen (große Pfeile)?

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

Bildnachweise
DGK.Herztage 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
ESC-Kongress (virtuell)/© [M] metamorworks / Getty Images / iStock | ESC
Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen