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09.08.2016 | Herzchirurgie | Nachrichten

Koronarchirurgie

Gute Langzeitdaten für Radialis-Bypass

Autor:
Philipp Grätzel

Herzchirurgen aus Rom berichten über Langzeiterfahrungen mit Koronarbypässen unter Einsatz der Arteria radialis. Auch nach knapp zwei Jahrzehnten haben die Patienten keine Beschwerden am Arm, und ein hoher Prozentsatz der Bypässe ist weiterhin offen.

Die Herzchirurgen um Dr. Mario Gaudino von der Katholischen Universität Rom berichten in der Zeitschrift JACC über eine Kohorte von 100 konsekutiven Patienten, bei denen Mitte der 90er Jahre neben der linken Arteria mammaria interna (LIMA) und den Vv. saphenae magnae auch die Arteria radialis (RA) für Koronarbypässe herangezogen worden war. Von den 100 Patienten haben 36 bis heute überlebt, und von diesen standen nach im Mittel 19 Jahren 33 für eine Follow-up-Untersuchung per CT-Angiographie zur Verfügung.

Es zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit eines Bypass-Versagens bei Einsatz des RA-Bypasses über den 20-Jahres-Zeitraum 25 % betrug. Das war nur geringfügig schlechter als beim LIMA-Bypass (19 %), und deutlich besser als beim Venenbypass, wo die Rate an Bypass-Versagen 55 % betrug. Der Unterschied zwischen RA-Bypass und Venen-Bypass war statistisch signifikant (p = 0,002), zwischen RA und LIMA gab es keinen signifikanten Unterschied.

Das zweite Hauptergebnis dieser prospektiven Kohortenstudie ist, dass der (klinisch selten eingesetzte) RA-Bypass auch im Langzeitverlauf sicher ist. Kein einziger Patient berichtete über möglicherweise durchblutungsassoziierte Probleme an Hand oder Unterarm. Erwartungsgemäß war der Durchmesser der Arteria ulnaris des operierten Arms im Mittel um etwa 20 % größer als auf der nicht operierten Seite. Die Autoren folgern aus ihren Daten, dass der RA-Bypass wegen seiner guten Langzeitdaten als zweiter Bypass nach dem LIMA-Bypass häufiger genutzt werden sollte.

In einem begleitenden Editorial macht Dr. Marc Ruel vom Heart & Lung Centre in Quebec, Kanada, allerdings darauf aufmerksam, dass es weiterhin keine Daten gebe, die zweifelsfrei belegten, dass die Patienten von der komplexeren Operation auch klinisch profitieren, also weniger kardiovaskuläre Ereignisse haben oder weniger sterben. Ruel weist außerdem darauf hin, dass die Durchgängigkeitsraten der RA-Bypässe in der Studie möglicherweise überschätzt würden, da die 64 % der Patienten, die verstorben sind, nicht berücksichtigt wurden. Dies gilt allerdings auch für die beiden LIMA- und Venen-Bypässe. 

Literatur

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