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14.08.2017 | Herzchirurgie | Nachrichten

Erneuter Misserfolg

Herzoperation bei Risikopatienten: Kein Schutz durch Levosimendan

Autor:
Veronika Schlimpert

Der Kalziumsensitizer Levosimendan hat bei Risikopatienten im Rahmen von Herzoperationen keinen Schutz vor Komplikationen geboten. Nach diesen und weiteren Studienergebnissen scheint die Substanz in dieser Indikation offenbar nutzlos zu sein.

Die Gabe von Levosimendan im Rahmen einer koro­naren Bypassoperation scheint nichts zu nützen. Die Gabe des positiv inotropen Kalziumsensitizers hat in der randomisierten Studie LICORN das Risiko für Komplikationen nicht verringern können.

„Diese Ergebnisse sprechen nicht dafür, Levosimendan in dieser Indikation einzusetzen“, schlussfolgern die Studienautoren um Bernard Cholley vom Hôpital Européen Georges-Pompidou in Paris.  

Patienten mit erniedrigter Auswurffraktion sind besonders gefährdet, nach Herzoperationen eine akute postoperative Herzinsuffizienz zu entwickeln, das sog. „Low Cardiac Output Syndrom“ (LCOS). Zur Wiederherstellung einer adäquaten Gewebeperfusion sind dann meist eine verlängerte Infusion von Katecholaminen und eine mechanische Kreislaufunter­stützung erforderlich.

Erhöhtes Komplikations-Risiko bei reduzierter Auswurffraktion

Die Gabe des positiv inotrop und vasodilatierend wirkenden Kalziumsensitizer Levosimendan im Rahmen von Herzoperationen soll solche und weitere postoperative Komplikationen verhindern. Diese erwünschte Schutzwirkung hat die Substanz in der randomisierten LEVO-CTS-Studie allerdings nicht aufbringen können. Die Studie wurde beim diesjährigen ACC-Kongress vorgestellt. Linksventrikuläre Unterstützungssysteme ebenso wie Nierenersatztherapien waren genauso häufig erforderlich, Herzinfarkte und Todesfälle wurden nicht signifikant verhindert. Immerhin ließ sich die LCOS-Rate senken (sekundärer  Endpunkt).

In der LICORN-Studie hat Levosimendan nun auf ganzer Linie versagt. Bei den Teilnehmern wurden Katecholamin-Infusionen, linksventrikuläre Unterstützungssysteme und Nierenersatztherapien nach einer Koronararterien-Bypass (alleine oder kombiniert) mit einer 24-stündigen Infusion von Levosimendan genauso häufig benötigt bzw. ein problemloses Entwöhnung von einem präoperativ angeschlossenem mechanischem Unterstützungssystem nach 96 Stunden war ähnlich oft nicht möglich wie mit einer Placebo-Infusion (kombinierter primärer Endpunkt: 52% vs. 61%, p=0,15). Alle 333 eingeschlossenen Patienten wiesen eine eingeschränkter Pumpfunktion (LVEF ≤ 40%) auf.

In dieser Indikation nutzlos

Es gab auch keine Subgruppe von Patienten, etwa solche mit stark reduzierter Auswurffraktion <30%, präoperativer Betablocker-Gabe oder intraaortaler Ballonpumpe, die augenscheinlich mehr von der Substanz profitiert hat.

Levosimendan konnte die Inzidenz eines LCOS bei diesen Patienten damit nicht wirksam verhindern, resümieren die Studienautoren. Womöglich sei die Studie aber underpowered gewesen, um einen klinischen Nutzen der Substanz definitiv ausschließen zu können.

Das Medikament hat wohl aber auch nicht geschadet, zumindest kamen Nebenwirkungen darunter nicht häufiger vor als unter Placebo. Einzig refraktäre Hypotensionen, die einen Abbruch der Medikation nötig machten, waren häufiger (bei 5 vs. 1 Personen). Ein nicht signifikanter Anstieg dieser Komplikation wurde auch in der LEVO-CTS-Studie beobachtet, in der man dieselbe Dosis von Levosimendan eingesetzt hatte (0,1 µg/kg/min). 

Literatur