Online-Artikel 03.05.2016

Herzinfarkt: Betroffene warten zu lange mit dem Notruf

Die Therapie bei akutem Myokardinfarkt ist auch ein Rennen gegen die Zeit. Während die zeitlichen Abläufe in der ärztlichen Versorgungskette zunehmend optimiert wurden, scheint sich bei den prähospitalen Verzögerungen speziell aufseiten älterer Infarktpatienten wenig gebessert zu haben, wie neue Daten aus den USA nahelegen.

Ältere Patienten mit akutem Myokardinfarkt haben eine schlechtere Prognose und werden seltener invasiv behandelt als jüngere Infarktpatienten. Relativ häufig manifestiert sich bei ihnen der Herzinfarkt in Form atypischer Symptome. Somit verwundert nicht, dass gerade bei älteren Infarktpatienten, für die es per se schwerer zu sein scheint, schnell einen Notruf zu initiieren, häufig viel wertvolle Zeit zwischen Symptombeginn und stationärer Behandlung vergeht – was zur schlechteren Prognose beitragen kann.

Und daran scheint sich im Verlauf von zehn Jahren wenig geändert zu haben, wie aktuelle Daten zur Prähospitalzeit bei Patienten mit Myokardinfarkt in den USA belegen. Eine Untersuchergruppe um Dr. Robert Goldberg aus Worcester hat für ihrer Analyse Daten von 1.542 Patienten im Alter über 65 Jahre (im Schnitt 78 Jahre) herangezogen, die in der Zeit zwischen 2001 und 2011 an elf Kliniken im US-Bundesstaat Massachusetts wegen eines akuten Myokardinfarkts stationär behandelt worden waren und bei denen Informationen zur Dauer der Prähospitalzeit vorlagen.

Mittlere Prähospitalzeit von 3,7 Stunden

Über die gesamte Beobachtungsperiode betrug die mittlere Zeitdauer zwischen Symptombeginn und Ankunft in der Notfallabteilung einer Klinik 3,7 Stunden. Nach Aufteilung der Patienten in drei Altersgruppen ergaben sich mittlere Prähospitalzeiten von 3,5 Stunden (65 bis 74 Jahre), 4,0 Stunden (75 bis 84 Jahre) und 3,4 Stunden (85 Jahre und älter).

Im analysierten Zeitraum eines Jahrzehnts war keine substanzielle Verbesserung der Prähospitalzeit festzustellen. Zwar wurde eine Verkürzung der mittleren Dauer von anfänglich 3,9 Stunden auf 3,2 Stunden beobachtet, doch erwies sich diese als nicht statistisch signifikant. Auch der Anteil der Patienten, die binnen zwei Stunden nach Symptombeginn die Klinik erreichten, blieb mehr oder weniger unverändert (45,8 % in der Periode 2001–2003; 48,9 % in der Periode 2009–2011).

Verzögerung bei atypischer Symptomatik

Es zeigte sich, dass bei Patienten, die erst mit relativ großer Zeitverzögerung die Klinik erreichten, die Symptome häufig am Abend oder in der Nacht aufgetreten waren – was die Entscheidung bei den Betroffenen, rasch um Hilfe nachzusuchen, erschwert haben dürfte. Ebenso wenig überrascht es, dass die Wahrscheinlichkeit einer verzögerten stationären Aufnahme höher war, wenn die Symptome atypischen Charakter hatten.  

Literatur

Makam RP et al. Decade Long Trends (2001-2011) in Duration of Pre-Hospital Delay Among Elderly Patients Hospitalized for an Acute Myocardial Infarction. J Am Heart Assoc. 2016 Apr 21; doi: 10.1161/JAHA.115.002664