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03.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Jahreszeitliche Schwankungen

Herzinfarkte mögen Kälte

Autor:
Veronika Schlimpert

Bei Temperaturen unter 0°C sollten sich kardiovaskuläre Risikopatienten über das erhöhte Herzinfarktrisiko bewusst sein. Das legen Ergebnisse einer kanadischen Studie nahe, die auf dem ESC-Kongress 2015 präsentiert wurden.

Ab welchen Temperaturen sollte man als kardiovaskulärer Risikopatient besser nicht mehr das Haus verlassen? Zwischen Kälte und Herzinfarkte besteht ja erwiesenermaßen eine Assoziation. Doch was heißt überhaupt „kalt“?

Dieser Frage sind kanadische Wissenschaftler in einer Studie nachgegangen. Sie stellten dabei eine inverse Korrelation zwischen jahreszeitlichem Temperaturabfall und dem Herzinfarktrisiko fest. Die Ergebnisse präsentierte Dr. Shuangbo Liu von der Universität Manitoba/Kanada auf dem ESC-Kongress in London.

Mehr als 1.800 Infarkte analysiert

Liu und ihre Kollegen haben im zeitlichen Kontext aller 1.817 ST-Hebungs-Myokardinfarkte (STEMI), die sich zwischen 2009 und 2014 in der kanadischen Stadt Winnipeg ereignet hatten, die höchsten, niedrigsten und mittleren Temperaturen sowie die Schneefallhöhe ermittelt. Berücksichtigt wurden jeweils die beiden Tage vor sowie die folgenden Tage nach dem Ereignis.

Winnipeg ist für eine solche Untersuchung geradezu prädestiniert. Dort sind starke Temperaturschwankungen mit heißen Sommern und kalten Wintern üblich. Im Winter sinken die Temperaturen schon mal unter minus 20°C. Die Stadt zählt zu den weltweit kältesten Städten.

Bewusstsein für jahreszeitliche Risiken verstärken!

Und bei einer solch klirrenden Kälte kam es zu einem auffallenden Anstieg der STEMI-Raten. „Je kälter es war, desto wahrscheinlicher war es, einen Herzinfarkt zu erleiden“, resümierte Liu. Für jeden Temperaturfall um 10°C stieg das relative STEMI-Risiko um 7 Prozent. Auch Maximaltemperaturen zwei Tage vor dem kardialen Ereignis sagten ein erhöhtes Infarktrisiko voraus. Hitze hat sich dagegen nicht negativ auf das Infarktrisiko ausgewirkt.

Ab Temperaturen unter 0°C sollten sich Ärzte und kardiovaskuläre Risikopatienten nach Ansicht von Liu über das erhöhte Risiko bewusst sein. Mit einem verstärkten Bewusstsein in der Bevölkerung seien solch vorhersehbaren jahreszeitlichen Risiken in Zukunft womöglich besser in den Griff zu bekommen. Um aber konkrete Empfehlungen aussprechen zu können, bedürfe es weiterer Studien, die die Ergebnisse bestätigen und die zugrundeliegenden Mechanismus klären müssen. 

Literatur