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31.10.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Mortalitätsrisiko

Herzinsuffizienz: Droht Gefahr aus der Darmflora?

Autor:
Peter Overbeck

Bestimmte Darmbakterien sind bei Herzinsuffizienz möglicherweise eine Gefahrenquelle. Denn sie produzieren einen Metaboliten, der bei kardialer Pumpschwäche neuen Studiendaten zufolge mit einer Zunahme der Mortalität assoziiert ist.

Eine Gruppe von Forschern um Dr. Stanley Hazen von der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio ist schon seit längerer Zeit möglichen Verbindungen zwischen Gastrointestinaltrakt und der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen auf der Spur.
Als potenzielles Bindeglied zwischen einer veränderten Darmflora und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko haben sie dabei vor allem das Molekül Trimethylamin-N-Oxid (TMAO) ins Visier genommen.

Rotes Fleisch als Quelle von TMAO

Hazen und seine Kollegen konnte etwa zeigen, wie Carnitin, das vor allem in rotem Muskelfleisch, aber auch in einigen Nahrungsergänzungsmitteln, enthalten ist, von Darmbakterien zunächst in Trimethylamin (TMA) umgewandelt wird, das dann in der Leber zu Trimethylamin-N-Oxid (TMAO) metabolisiert wird.
Wie weitere Untersuchungsergebnisse der Gruppe belegen, wird auch das etwa in Eiern reichhaltig vorhandene Phosphatidylcholin – auch als Lecithin bekannt – in TMAO umgewandelt.

Proatherogene Eigenschaften

In einer tierexperimentellen Studie konnten die Forscher proatherogene Eigenschaften des Metaboliten TMAO nachweisen.
Eine 2013 im „New England of Medicine“ publizierten Studie der Gruppe kam zu dem Ergebnis, dass erhöhte TMAO-Plasmaspiegel – nicht aber notwendig eine bestimmte Art der Ernährung – prädiktiv für ein vermehrtes Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen innerhalb der nächsten drei Jahre waren. In dieser Studie waren die TMAO-Spiegel bei mehr als 4000 Patienten, die zur kardiologischen Abklärung in die Cleveland Clinic kamen, gemessen worden.

Fokus auf Herzinsuffizienz

In ihrer neuesten Studie richteten Hazen und seine Kollegen den Fokus erstmals auf Patienten mit Herzinsuffizienz. Bei 720 Patienten mit stabiler systolischer Herzinsuffizienz haben sie prospektiv untersucht, ob zwischen TMAO-Spiegeln und der in einem Zeitraum von fünf Jahren beobachteten Gesamtmortalität ein Zusammenhang feststellbar sein würde.
Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von 300 augenscheinlich gesunden Personen ohne Herzschwäche hatten Patienten mit Herzinsuffizienz signifikant höhere TMAO-Plasmaspiegel (5 µM versus 3,5 µM).

Erhöhte TMAO-Spiegel, erhöhte Mortalität

Hohe TMAO-Spiegel (> 8,51 µM) waren mit einer signifikant höheren Mortalität assoziiert als relativ niedrige Spiegel (< 3,03 µM). Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren einschließlich Nierenfunktion schwächte sich die Korrelation mit dem Sterberisiko zwar ab, blieb aber weiterhin signifikant.
Pro Standardabweichung ging der Anstieg der TMAO-Werte mit einer relativen Zunahme des Sterberisikos um 18 Prozent einher.

Noch kein schlüssiger Beweis

Ein schlüssiger Beweis, dass erhöhte TMAO-Werte tatsächlich eine ursächliche Bedrohung für die Gesundheit darstellen, sind diese Ergebnisse allerdings nicht. Ein solcher Beweis kann nur in einer prospektiven randomisierten Interventionsstudie erbracht werden.
Dazu wäre erforderlich, zur Senkung der TMAO-Spiegel einzelne Teilnehmergruppen zu spezifischen Ernährungsweisen zu verpflichten – was in der Praxis wohl auf große Schwierigkeiten stoßen dürfte.

Literatur
Bildnachweise