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22.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Baroreflex-Aktivierungstherapie

Herzinsuffizienz: Funktionelle Verbesserung durch Neurostimulation

Autor:
Peter Overbeck

Die Baroreflex-Aktivierungtherapie (BAT) hat sich bei Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz und eingeschränkter linksventrikulärer Funktion als eine sichere und wirksame Therapie erwiesen. In einer neuen Studie konnten damit deutliche funktionelle Verbesserungen erzielt werden.

Die BAT ist ein innovatives gerätebasiertes Therapieverfahren, das bei Herzinsuffizienz eine gute Ergänzung zur medikamentösen Therapie sein könnte. Wie im Fall prognostisch erfolgreicher medikamentöser Therapien (Betablocker, RAAS-Blocker) geht es auch bei der BAT darum, mit der Herzinsuffizienz einhergehende neurohumorale Veränderungen in günstiger Weise zu beeinflussen.

Bei Herzinsuffizienz ist bekanntlich die Balance zwischen sympathischer und parasympathischer Aktivität gestört. Es besteht eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems, bei gleichzeitig reduzierter Aktivität des Parasympathikus. Dadurch wird die Krankheitsprogression begünstigt.

Stimulation von Barorezeptoren

Beim BAT-Verfahren werden durch einen implantierten elektrischer Impulsgeber Barorezeptoren (Druckrezeptoren) in der Halsschlagader (Karotissinus) kontinuierlich stimuliert. Dadurch werden afferente und efferente Bahnen des vegetativen Nervensystems so beeinflusst, dass eine Dämpfung der sympathischen Aktivität und eine Aktivierung des Parasympathikus resultieren.

Das BAT-System wird in einer minimalinvasiven Prozedur, in der Regel durch einen Herz- oder Gefäßchirurgen, innerhalb von rund 1,5 Stunden implantiert. Dabei wird eine kleine Elektrode auf die Barorezeptoren der Karotisarterie platziert, der Impulsgenerator wird, ähnlich einem Herzschrittmacher, unter der Clavicula subkutan eingesetzt.

Die neue Methode ist in Deutschland seit Oktober 2014 für die Behandlung von Patienten mit schwer eingeschränkter Herzfunktion (Auswurffraktion <35%) und Symptomen wie Dyspnoe schon bei leichter Belastung (NYHA-Klasse III) zugelassen.

Randomisierte Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit

Eine internationale Forschergruppe hat Wirksamkeit und Sicherheit der BAT in einer randomisierten kontrollierten Studie bei 146 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA III) auf Basis einer eingeschränkten Pumpfunktion (Auswurffraktion ≤35%) nun genauer untersucht. Auch mehrere deutsche Zentren waren beteiligt. Dr. William T. Abraham aus Columbus (Ohio) hat die Ergebnisse jüngst beim ACC-Kongress in San Diego vorgestellt.

Sowohl in der Kontrollgruppe (n=70) als auch in der BAT-Gruppe (n=76) erhielten alle Teilnehmer eine leitliniengerechte medikamentöse Behandlung. Die Patienten der BAT-Gruppe wurden zusätzlich mit einem implantierten Impulsgeber zur Barorezeptorstimulation (Barostim neo des US-Herstellers CVRx, Minneapolis) versorgt. Die meisten Teilnehmer (93 Prozent) waren zuvor schon Träger von kardialen Implantaten (ICD, CRT-D) gewesen.

NYHA-Klasse, Lebensqualität und Belastbarkeit verbessert

Primärer Sicherheitsendpunkt war die Freiheit von geräte- oder prozedurbedingten neurologischen oder kardiovaskulären Komplikationen (MANCE: major adverse neurological and cardiovascular events).

Wie Abrahams berichtete, seien in den ersten sechs Monaten bei 97,2 Prozent aller Teilnehmer keine entsprechenden Komplikationen aufgetreten.

Die Wirksamkeit der Therapie wurde primär anhand der Veränderung der NYHA Klasse, der Lebensqualität und der Belastungskapazität beurteilt. Eine Verbesserung der NYHA-Klasse wurde in der BAT-Gruppe signifikant häufiger beobachtete als in der Kontrollgruppe (55 versus 24 Prozent).

Auch in punkto Verbesserung der Lebensqualität (Minnesota Quality of Life Score) schnitt die BAT-Gruppe signifikant besser ab als die Kontrollgruppe (-17,4 versus 2,1 Scorepunkte). Die Netto-Differenz (-19,5 Scorepunkte) zugunsten der BAT wertete Abrahams als klinisch bedeutsam.

Die Zunahme der Gehstrecke beim 6-Minuten-Gehtest war im Vergleich ebenfalls signifikant stärker (59,6 versus 1,5 m).

NT-proBNP-Spiegel signifikant gesenkt

Messungen des kardialen Biomarkers NT-proBNP ergaben eine signifikante Abnahme in der BAT-Gruppe bei gleichzeitiger Zunahme in der Kontrollgruppe.

Hypotensionen wurden in der BAT-Gruppe, deren Teilnehmer im Schnitt normale Blutdruckwerte hatten, nicht beobachtet.

Literatur