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04.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Neuer Mineralkortikoid-Rezeptorantagonist

Herzinsuffizienz: Mit Finerenon zu noch besserer Therapie?

Autor:
Peter Overbeck

Finerenon, ein neuer nicht steroidaler Mineralkortikoid-Rezeptorantagonist, hat in einem ersten Vergleichstest bei Patienten mit Herzinsuffizienz gegenüber Eplerenon gut abgeschnitten. Ob der Neuling die Hoffnung auf ein günstigeres Nutzen/Risiko-Profil tatsächlich erfüllt, muss sich nun in größeren Phase-III-Studien erweisen.

Als steroidale Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA) reduzieren sowohl Spironolacton als auch Eplerenon Morbidität und Mortalität bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und erniedrigter Auswurffraktion – nachgewiesen in der RALES- und EMPHASIS-HF-Studie.

Dementsprechend ist der Stellenwert der auch als Aldosteron-Antagonisten bezeichneten MRAs in den Leitlinien deutlich aufgewertet worden. Sie sind neben ACE-Hemmern/AT1-Rezeptorblockern und Betablockern nun Dritter im Bund der zur Standardtherapie bei systolischer Herzinsuffizienz mit Klasse-1-Status empfohlenen neurohumoralen Antagonisten.

Anders als ACE-Hemmer und Betablocker werden Spironolacton und Eplerenon in der Praxis aber häufig noch zögerlich verordnet, was vor allem der Sorge von Ärzten wegen möglicher Elektrolytentgleisungen (Hyperkaliämie) geschuldet sein dürfte. Deshalb wird nach MRAs mit noch besserem Sicherheitsprofil gesucht.

Als nicht steroidaler MRA weist Finerenon gegenüber Spironolacton eine höhere Selektivität für den Mineralokortikoidrezeptor und gegenüber Eplerenon eine höhere Rezeptoraffinität auf. Aufgrund einer anderen Verteilung im Gewebe könnte Finerenon am Herzen relativ stärker und an der Niere schwächer wirksam sein – was klinisch von Vorteil sein könnte, aber in Studien erst noch belegt werden muss.

ARTS-HF testet fünf Finerenon-Dosisregime

In der Phase-IIb-Studie ARTS-HF (Mineralcorticoid Receptor Antagonist Study in Heart Failure) ist Finerenon im Hinblick auf Wirksamkeit und Sicherheit direkt mit Eplerenon verglichen worden. Die Studie, deren Ergebnisse erstmals beim europäischen Kardiologenkongress (ESC-Jahrestagung) Mitte 2015 in London vorgestellt worden sind, ist aktuell im „European Heart Journal“ publiziert worden.

Beteiligt daran waren 1.066 Risikopatienten mit Diabetes und/oder chronischer Nierenerkrankung, die wegen sich klinisch verschlechternder Herzinsuffizienz stationär behandelt werden mussten. Aufgeteilt auf sechs Gruppen sind die Teilnehmer entweder mit Eplerenon oder mit Finerenon in einer von fünf getesteten Dosierungen behandelt worden.

Die Finerenon-Therapie wurde zunächst mit 2,5 mg, 5 mg, 7,5 mg, 10 mg oder 15 mg einmal täglich begonnen. Nach 30 Tagen wurde die Dosis verdoppelt, sofern der Kaliumspiegel niedriger als 5 mmol/l war (Ausnahme: die 15 mg-Dosis wurde auf 20 mg erhöht). Im Fall der Eplerenon-Therapie wurde mit 25 mg alle zwei Tag begonnen, nach 30 Tagen wurde auf 25 mg einmal täglich und nach 60 Tagen auf 50 mg einmal täglich auftitriert.,

Gleichheit beim primären Endpunkt

Primärer Studienendpunkt war der Anteil der Patienten, bei denen nach 90 Tagen ein Abfall des kardialen Biomarkers NT-proBNP um mindestens 30 Prozent zu verzeichnen war. Gemessen an diesem Endpunkt zeigten Finerenon und Eplerenon eine gleich gute Wirkung. Während die Rate der Patienten mit entsprechendem NT-proBNP-Abfall in der Eplerenon-Gruppe 37,2 % betrug, lag sie in den fünf Finerenon-Gruppen je nach Dosis im Bereich zwischen 30,9 und 38,8 %.

Einen „exploratorischen“ Endpunkt bildete die Kombination der klinischen Ereignisse Tod, kardiovaskulär bedingte Hospitalisierung oder Notfallbehandlung wegen Herzinsuffizienz innerhalb von 90 Tagen. Abgesehen von der niedrigsten Dosisgruppe war die Zahl dieser Ereignisse in allen Finerenon-Gruppen niedriger als unter Eplerenon.

Signifikant weniger klinische Ereignisse

Dabei stach die mit 10/20 mg pro Tag behandelte Subgruppe heraus, in der die Finasterid-Therapie mit einer relativen Reduktion der Ereignisrate um 44 Prozent assoziiert war. Dieser Unterschied war nominell signifikant (p = 0,02). Nach Ansicht der Studienautoren empfiehlt sich dieses Dosisregime für die weitere klinische Prüfung in Phase-III-Studien.

Allerdings ist bei der Interpretation dieses Ergebnisses Vorsicht geboten, da die Studie bezüglich Teilnehmerzahl und Dauer nicht dafür ausgelegt war, Unterschiede bei klinischen Endpunkten zuverlässig aufdecken zu können. Somit bedarf es noch der Bestätigung in größeren Studien.

Hyperkaliämien (> 5,6 mmol/l) wurden bei 44 Teilnehmern (4,3 %) beobachtet, wobei die Fälle gleichmäßig über die Gruppen einschließlich Eplerenon-Gruppe verteilt waren.

Umfangreiches Phase-III-Forschungsprogramm

Das Unternehmen Bayer will die klinische Entwicklung von Finerenon bei chronischer Herzinsuffizienz nun in der Phase-III-Studie FINESSE-HF fortsetzen, in die mehr als 3.600 Patienten mit erniedrigter Auswurffraktion aufgenommen werden sollen.

Bezüglich seiner Effekte bei diabetischer Nierenerkrankung ist Finerenon bereits in der Phase-IIb-Studie ARTS-DN bei 823 Patienten additiv zu einem Hemmer des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems untersucht worden. Innerhalb von 90 Tagen kam es zu einem signifikanten Rückgang der Proteinurie im Vergleich zur alleinigen RAS-Blocker-Therapie.

Ermutigt durch diese Ergebnisse wurden mit FIGARO-DKD und FIDELIO-DKD zwei große Phase-III-Studien mit zusammen 11.200 Patienten initiiert, um Wirksamkeit und Sicherheit des neuen MRA bei nierenkranken Diabetikern mit Mikroalbuminurie bzw. Makroalbuminurie zu untersuchen. 

Literatur

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