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14.06.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

So effektiv wie echogestützte Optimierung

Herzinsuffizienz: Neuer Kontraktilitätssensor verbessert CRT-Responder-Rate

Autor:
Veronika Schlimpert

Die bisherige Strategie zur Optimierung der kardiale Resychronisationstherapie bei Herzinsuffizienz-Patienten ist in der Praxis wenig praktikabel. Eine Erleichterung verspricht die neue SonR-Technologie. In der RESPOND-CRT-Studie erwies sich diese als effektiv und sicher – und langfristig sogar von Vorteil.

Ein Kontraktilitätssensor zur hämodynamischen Optimierung der kardialen Resychronisationstherapie (CRT) hat sich im Vergleich zum bisherigen Goldstandard – der echogestützten Optimierung – als sicher und effektiv erwiesen. Das zeigen die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, multizentrischen RESPOND-CRT-Studie. Besonders davon zu profitieren scheinen demnach Patienten mit Vorhofflimmern in der Vorgeschichte oder Nierenfunktionsstörungen. Und auch langfristig könnte sich die neue Technologie für die Patienten auszahlen.

Derzeitiger Goldstandard wenig praktikabel

Nicht wenige Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz profitieren gar nicht oder nur unzureichend von einer CRT. Um die Rate an Non-Respondern möglichst gering zu halten, sollten die Einstellungen des Gerätes in regelmäßigen Abständen auf den individuellen Patienten angepasst werden. Derzeitiger Goldstandard hierfür ist die Optimierung mithilfe echokardiografischer Parameter. Diese Vorgehensweise benötigt allerdings Zeit und Ressourcen. In der Praxis wird die echogestützte Optimierung daher nur unregelmäßig vorgenommen.

Erleichterung durch automatische und kontinuierliche Optimierung

Der von der Firma LivaNova entwickelte SonR™-Sensor, der in der Spitze der Vorhofelektrode integriert ist, ermöglicht eine regelmäßige und automatische Optimierung, indem er durch einen Mikroakzelerometer die Kontraktilität des Herzens kontinuierlich misst. Anhand eines speziellen Algorithmus lassen sich dadurch die atrial-ventrikulären und inter-ventrikulären Stimulationsintervalle automatisch anpassen; dieser Optimierungsvorgang erfolgt einmal pro Woche sowohl in Ruhe als auch unter Belastung.

RESPOND-CRT-Studie belegt Nicht-Unterlegenheit

Die RESPOND-CRT-Studie sollte die Nicht-Unterlegenheit der SonR-Technologie in Bezug auf die Effektivität (Anteil der Responder) und Sicherheit gegenüber der echogestützten CRT-Optimierung belegen. Hierfür wurden 1.039 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (hauptsächlich NYHA-Klasse III) in Zentren weltweit eines der beiden Verfahren zugeteilt (2:1) und über zwei Jahre nachverfolgt. 

Die Ergebnisse stellte Dr. Jagmeet P. Singh vom Massachusetts General Hospital in Boston auf einer Late-Breaking-Sitzung im Rahmen des Kongresses Cardiostim in Nizza vor.

Nach zwölf Monaten hatten 75,0% der Patienten mit der SonR-Technologie und 70,4% der Studienpatienten mit der echografischen Optimierung eine klinische Verbesserung erreicht und wurden daher als Responder eingestuft; das bedeutet, sie sind in dieser Zeit weder gestorben noch haben sie ein Herzinsuffizienz-Ereignis erlitten und sie haben entweder eine Verbesserung der NYHA-Klasse oder der Lebensqualität erzielt. „Der primäre Effizienz-Endpunkt wurde damit erreicht“, so Singh. 

In jeglichen Subgruppen, differenziert nach Alter, Geschlecht, BMI, Auswurffraktion ≤25%, Diabetes, Raucherstatus usw., habe der Kontraktilitätssensor bessere Ergebnisse erzielt als die echounterstützte CRT-Optimierung, berichtete der Kardiologe. Statistisch signifikant war dieser Unterschied bei Patienten mit Vorhofflimmern in der Vorgeschichte (Odds Ratio, OR: 2,55) und Nierenfunktionsstörungen (OR: 1,89), mit einem absoluten Zuwachs der Responder-Rate von entsprechend 22% und 16%.

Wahrscheinlich profitierten diese tendenziell kränkeren und instabileren Patienten besonders von einer kontinuierlichen hämodynamischen Optimierung, erklärt sich Singh dieses Ergebnis. 

Herzinsuffizienz-Hospitalisierung um 35% reduziert

Auch langfristig ließ sich durch die sensorbasierte CRT-Optimierung ein Vorteil für die Patienten herausholen: Die Rate an Herzinsuffizienz bedingten Klinikweisungen war im Vergleich zur echografischen Optimierung signifikant um 35% reduziert. Dieser Unterschied sei über den gesamten Beobachtungszeitraum zu sehen, so Singh.
Auch der Sicherheits-Endpunkt wurde in der RESPOND-CRT-Studie erfüllt. In 99,8% der implantierten Elektroden wurden innerhalb der zwölf Monate keine Komplikationen registriert; in 1% der Fälle kam es innerhalb der ersten 3 Monate zu einer Elektrodendisklokation. 

Die SonR-Technologie weise somit ein sehr gutes Sicherheitsprofil auf und habe sich als gleichermaßen effektiv wie die echounterstützte CRT-Optimierung herausgestellt, fasste Singh die Ergebnisse zusammen.

Literatur

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